Evangelische Kirche in Brunsbüttel
Evangelische Kirche in Brunsbüttel

Verabschiedung Ingo Pohl (Predigt durch Propst Cyrstall)

 

Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein. 1. Mose 12,2

Kann erlebter Segen eigentlich Abschied nehmen, gar verloren gehen?

 

Liebe Gemeinde, lieber Ingo Pohl, lieber Pastor!

 

Dass Abschiede zum Leben gehören, das ist eine Binsenweisheit, die wir solange mit einem beiläufigen JaJa abnicken, bis ein Abschied uns selbst betrifft, bis die eigene Seele erschrocken einen Verlust erspürt, bis eine gewohnte geliebte Person nicht mehr zu sehen und nicht mehr zu hören und nicht mehr zu sprechen sein wird. Abschied heißt, dass einer dann woanders ist.

 

Abschiede muten uns bekannte Gefühle zu wie Trauer, Bedauern, Angst, auch Ärger, Leere, oder oft sogar eine größere Wertschätzung als je zuvor. Man merkt erst so richtig, was man an einem hatte, wenn man ihn nicht mehr hat. Und manche der größten Liebesbekundungen geschehen im Abschied. Das ist dann der Nektar, die Süße inmitten im Bitteren.

 

Abschiede sind übrigens echt nicht leicht zu leben, sie tun nicht nur weh, sondern sie entzweien auch deshalb, weil der Gehende gedanklich schon woanders ist als die bleibenden. Die bleibenden bleiben in ihrer Welt und verlieren ein Teil ihrer Welt, der gehende gewinnt eine Neue.

Man ist also im Abschied in unterschiedlichen Welten unterwegs, wobei längst nicht ausgemacht ist, dass die neue Welt, die der Gehende gewinnt, immer auch die Bessere ist.

 

Ein Abschied tut übrigens auch deshalb immer weh, ist deshalb immer tiefste Anfechtung, weil er uns klarmacht, dass es Beständigkeit in unserem Leben einfach nicht gibt. Wir sehnen uns nach

Kontinuität, festen Orten, festen Beziehungen, aber wir sind Durchreisende, Wanderer nach irgendwo anders hin, uns ist dieses Leben nur geliehen, und diese Ur-Wahrheit kommt uns bedrohlich nahe, drängelt sich frech in unser Bewusstsein, wenn wir von einem geliebten Menschen Abschied nehmen. Abschied und Sterben sind miteinander verwandt.

 

So, Ingo Pohl, und um es uns seelisch etwas zu erleichtern, will ich mal versuchen, unseren Abschied voneinander etwas zu sortieren. Drei kleine Kapitel brauche ich dazu, und die heißen Rückblick, Dank und Wünsche. Und jedem der drei Kapitel möchte ich ein kleines Resümee in Sachen Segen anfügen.

 

Ich will Dich segnen und Du sollst ein Segen sein, spricht Gott. In Deinem Einführungsgottesdienst haben wir uns von dieser Verheißung tragen lassen, und mit dieser Verheißung haben wir Dich auf die Brunsbütteler losgelassen.

 

1. Rückblick

Deine Brunsbütteler Zeit umfasste viereinhalb Jahre. Ganz grob ein Zehntel Deiner Lebenszeit hast Du mit uns geteilt, das ist wenig. Und es war viel. Du kamst mit einer sehr speziellen Geschichte, bis als Mensch mit pastoraler Statur hier zum evangelischen Pastor geworden. Du kamst ganz nebenbei so wie Du bist, laut, beziehungsfreudig, ein dauerhaft unruhiger Geist, auch ein dauerhaft unzufriedener, ein Bündel von Energie für das Reich Gottes, ein echter Ackerer, kirchliche Rampensau und so unglaublich zugewandter Seelsorger, Herzeneroberer an vielen vielen Stellen, spürbar frischen Wind hast Du an die hier schon windige Westküste gebracht. Du kamst als Gemeindesammler und als Gemeindebinder, also klassisch als Hirte, Pastor auf lat., Gottesdienstfeierer, und vieles von dem, was ich hier schildere, war echt ansteckend. Auch anstrengend. Und es war ein Segen, Du warst ein Segen, und diese nur viereinhalb Jahre waren hochintensiv. Vielleicht war es typische erste Liebe, sicher war es so, weil Ingo Pohl nicht anders kann, als so zu leben, zu glauben, so Pastor zu sein. Ich glaube, dass die Gemeinde mehr als viereinhalb Jahre braucht, um Dich zu vergessen.

 

Wirken und Erinnerung ist ja wie ein Baum, Wurzel und Krone sind gleich groß, und unsere Seele hat einen wohl noch so lange bei sich, wie er zuvor bei einem war. Und den Ingo werden wir vielleicht noch länger im Gedächtnis behalten und das wird ihn heimlich ungemein freuen. Und er wird Brunsbüttel übrigens auch nie vergessen, wie es so ist mit der ersten Liebe, auch mit der ersten evangelisch-pastoralen. Viereinhalb Jahr - ein Segen.

 

2. Dank

Ingo Pohl, wir danken Dir für Dein Dasein in diesen viereinhalb Jahren. Deine Prägung, Dein Dich-

Verausgaben, Deine Unruhe tat gut, Deine Lautstärke machte wach, Dein Einsatz für das Reich Gottes orientierte diese Kirchengemeinde und sagte ihr, wozu sie denn überhaupt eigentlich da ist. Kein religiöser Verein, sondern Nachfolger Jesu sind wir, und das hast Du gelebt. Danke Dafür. Danke auch für Dein Beziehung-knüpfen, Dein Lachen, Lästern, Weinen, Trösten, Begleiten, Begeistern, Dein Anecken, Laut-und-zu-laut sein, Dein Lieben und Leben teilen, es war alles ok und gut so.

 

Danke für DEIN Leben im Pfarrhaus und Euer Leben im Pfarrhaus, mit stillem Mut.

Danke für Dein Vikars-Vater-Sein. Du bist der beste, den wir derzeit im KK haben (und der einzige). Danke für Deinen tollen Einsatz im Pastorenkonvent, Deine unvergessenen Reisen, ja Danke auch für Deine Stimme im Kirchenkreis. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob Du manchen Evangelikalen hier eher Pfahl im Fleisch oder Dorn im Auge warst, oder gar deren Balken... In jedem Fall warst Du Teil der Heiligen Dithmarscher Familie. Und schade, dass Du gehst!

 

Wobei, vielleicht, wer weiß, vielleicht danken wir Dir irgendwann und in der Ruhe des späten

Rückblicks dann doch, dass Du nach viereinhalb Jahren gegangen bist, weil neun Jahre wären uns

möglicherweise ja auch zu anstrengend gewesen... Ach nein, es hätte auch weiter gehen können,

vielleicht waren die viereinhalb Jahre auch zu kurz für Saat und Ernte... Für einen reichen Segen waren sie mehr als lang genug.

 

3. Wünsche

In Deinem WhatsApp-Profil steht etwas rätselhaft: Ortlose selbst brauchen selbstlose Orte. Wir

wünschen Dir unruhigem Geist Orte, wo Du dich auch mal selbst los sein kannst, wo Du Ruhe findest, leise treten darfst, wo Deine Unstetheit Gefäße findet. Wir wünschen Dir eine neue Wirkungsstätte, wo man Dich auch liebt so wie Du bist und obwohl Du bist wie Du bist.

Wir wünschen Dir auch, dass Du in Frieden gehen kannst. Wo Du so ein Segen sein kannst, wie es der neue Ort braucht und Du darinnen..

 

Du hast 45 Jahre gebraucht, um reif für Brunsbüttel zu werden, und tja liebe Leute, genau viereinhalb Jahre Brunsbüttel brauchte Ingo Pohl, dann war er reif für die Insel... Diese intensive Vorbereitung hier muss doch einen Sinn gehabt haben: Wir sind sehr gespannt, von Dir zu hören!

Pass auf, dass Dich eigene und fremde Erwartungen nicht fressen. Eh Du aufgefressen bist, komm

zurück. Noch ein Wunsch von mir: Dein Abgang kommt zur Unzeit,

Abschiedsschmerz und andere Sorgen mischen sich in der Kirchengemeinde, aber dafür kannst Du nichts, belaste Dich nicht mit solchen Gedanken. Lass Dich frei davon. Und wir sind gespannt, ob die Sylter Nordfriesen Dich unruhigen Geist die Seßhaftigkeit lehren können.

 

Ein sehr herzlicher, sehr persönlicher Wunsch von mir. Nach meiner Auffassung hast Du viel von dem umsetzen können, was Augustinus, der alte Kirchenvater als christliche Freundschaft beschrieben hat, als eine Form wertvoller gelebter geistlicher Gemeinschaft. Ich lese das mal vor, wie er das meint, und hoffe, DU und Ihr könnt Euch darin wieder finden. Und mein Gebet ist, dass die Insel reif dafür ist, mit Ingo solchen Segen auch zu erleben. Und in Brunsbüttel möge es so bleiben...

 

Mit einander reden und lachen,

sich gegenseitig Gefälligkeiten erweisen,

zusammen schöne Bücher lesen,

sich necken,

dabei aber auch einander

Achtung erweisen,

mitunter sich auch streiten

– ohne Hass,

wie man es auch mit sich tut,

manchmal auch in den Meinungen

auseinandergehen

und damit die Eintracht würzen,

einander belehren

und von einander lernen,

die Abwesenden schmerzlich vermissen

und die Ankommenden freudig begrüßen

– lauter Zeichen der Liebe und Gegenliebe,

die aus dem Herzen kommen,

sich äußern in Miene, Wort

und tausend freundlichen Gesten,

und wie Zündstoff den Geist

in Gemeinsamkeit entflammen,

so dass aus den Vielen eine Einheit wird.

 

Augustinus, Confessiones

 

 

So Ingo Pohl, mit diesem Wunsch nach Segen zieh jetzt Leine, mach Dich vom Acker, acker woanders, biblisch gesprochen: sieh zu dass Du Land gewinnst.

Gott ist mit Dir, du sollst woanders ein Segen sein.

Amen.

Predigt zum Ökumenischen Gottesdienst am Pfingstmontag (16.05.2016)

Geist macht lebendig

Liebe Ökumenische Gemeinde,

in seinem Ursprung war das Pfingstfest das jüdische Erntedankfest, das Ende langer Mühen, das Einbringen der Ernte. Und ja, Pfingsten bildet den abschließenden Rahmen der Ostererfahrungen, aber es ist alles andere als ein Schlussstein, Pfingsten ist der Aufbruch ins Unendliche, es ist Wehen des Heiligen Geistes.

Pfingsten ist der Beginn, Religion auf eine Weise zu verstehen, die sich nicht in Verklausulierungen verliert, die sich nicht in sprachlichen Ab-straktionen nur um sich selber dreht, sondern die ganz und gar aus dem Innern der Menschen selber spricht. Pfingsten ist das Fest des Geistes Jesu.

Er fand Worte, die imstande waren Menschen aus Gräbern zu rufen. Er vermochte es, unmittelbar zum Herzen der Menschen zu sprechen, dass darunter das bleiernde Gewicht der Angst sich aufhob und Menschen zu ahnen begannen, was in ihnen lebendig werden könnte. Nichts davon hat Jesus selber aufgeschrieben, als war es seine Hoffnung, Leute wie wir vermöchten die göttliche Liebesbotschaft aus uns selbst heraus weiterzu-geben, wie einen Teil lebendiger Wahrheit aus uns.

Jesus gab an Karfreitag seinen Leib, zeigte an Ostern seinen Freunden seine verwundeten Hände, doch mehr als sein Körper waren es seine Worte, seine Gedanken, seine Leidenschaften, seine Träume und Visionen, all das, was wir Geist nennen, was die Wahrheit seines Lebens ausmacht. Und er traute den schlafenden Jüngern im Garten Gethsemane zu, sie könnten ihn begreifen und all das in eigenen Worten weitersagen.

Liebe Gottesbegeisterte,

Jesus wollte, dass er durch unser Herz hindurchginge und wir das Göttliche in eigenen Worten sprächen. Dann würde es leben und sich auch so weitersagen, dass es sich von einem Menschen zum anderen ent-zündet, dann hätte es auch die Lebendigkeit Gottes. Jesus verpflichtete niemanden auf  einen Katechismus oder eine Bekenntnisschrift. Niemand sollte sich die Meinung eines anderen zu eigen machen. Vielmehr versuchte er unmittelbar aus dem was Menschen erfahren zu schöpfen, es zu verdichten und Gott darin Gestalt werden zu lassen. So erfuhren es die Jünger vor 2000 Jahren und so lebt Kirche auch weiter: Jesus ist etwas Lebendiges in unseren Herzen. Was Menschen mit Gott erleben, lässt sich in Bildern und Worten unserer Träume weitertragen, aber nicht durch Lehramt und Moralepistel.

Und Kirche lebt dort, wo Gott in eurer Sprache zu Wort kommt, liebe Freunde, in Deiner, Deiner, und Deiner…Gottes Geist lebt in euch. Paulus schreibt es der Gemeinde in Korinth ins Stammbuch: Kirche lebt nicht von einem Amt her, also nicht der Pastor ist der Mittelpunkt gemeind-lichen Lebens. Mittelpunkt ist Gott der Herr allein und er erweckt verschieden Gaben: Menschen, in deren Nähe andere gesunden, Menschen, die es vermögen zu differenzieren und kluge Entscheidungen zu treffen, Menschen, die es vermögen, andere zu begeistern und Menschen ,die Gottes Wort begeisternd weitersagen. Und in dem lebendigen geistdurchwirkten Prozess der immerwährenden Kirche, sind wir alle die vielen Gaben des Geistes Gottes. Nur in dieser Einheit bilden wir den einen Geist ab.

Liebe Gemeinde, in jedem Leben spricht sich Geist aus. Und ja, es gibt auch unheilen Geist. Die Nachrichtensendungen sind täglich voll von Berichten, was Menschen in der Lage sind, anderen Menschen anzutun. Es ist kaum zu ertragen. Und doch bin ich als Christ ein Geistoptimist. Leben endet nie in einer Katastrophe. Leben findet immer seinen Weg in die Freiheit. Wie kann ich als Deutscher so etwas glauben nach Auschwitz, Dachau und Buchenwald? Weil ich schon oft auch in Tel Aviv und Jerusalem war. Weil alle menschliche Barbarei nicht vermochte die Sehnsucht zu ermorden, die ein Vogel weckt, wenn er am Himmel fliegt, weil alles menschliche Morden und kastrieren jeder Würde, nicht vermochte die Utopie von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit zu ersticken. Die Liebe ist eine größere Geistkraft als die Perversion menschlicher Gewalt.

Trotz allen Elends auf der Welt gibt es genug Grund, Vertrauen zu haben in den guten Geist Gottes. Er wirkt, manchmal bemerken wir es nicht gleich. Schaut man sich z.B. die Geschichte irgendeiner Familie an, die auseinanderbricht, man würde zunächst keinen Cent darauf verwetten, dass irgendetwas zum Guten gelangen könnte. Die Ehepartner vertragen sich nicht mehr, das Zusammenleben ist zerrüttet und die Kinder drohen Schaden zu nehmen. Sieht man dieselbe Familie nach zwei/ drei Jahren wieder, ist womöglich alles so gekommen, wie vorher gesehen. Die Ehe-leute sind auseinandergezogen und haben Dinge getan, von denen wir vorher gedacht haben, dass sie sie nicht tun dürfen. Und nun zeigt sich aber, dass es gut war. Nun lebt der Mann, lebt die Frau wieder von innen heraus mit einem Gefühl für das eigene Leben und ihr eigenes Glück. Die Kinder können sich an einem Vater und einer Mutter orientieren, die wirklich Halt bieten und nicht mehr hin und her schwanken müssen unter jeglichem fremden Druck. Glück und Zukunft lassen sich nicht binden, wenn einer für den andern weiß, was der tun soll.

Oder da ist der Mann, der nach 30 Jahre Ehe seine Frau bis in den Tod begleitet hat, gehofft hatten sie bis zum Schluss. Und er fährt 1,5 Jahre später auf eine Busreise und begegnet dort einer ebensolchen Witwe und lässt den Gefühlen seines Herzens freien Lauf – eben das ist Heiliger Geist- und beide entdecken neues Leben. Der Geist Gottes pendelt das Leben in seine Richtung, in die Offenheit des Himmels, in die Unendlichkeit himmlischen Aufgehobenseins.

Das Geheimnis des Pfingsttages ist es, dass wir einen Geist empfangen haben, der uns frei macht. Die bürgerliche Gesellschaft, totalitäre Systeme, aber sind wir ehrlich, auch lange Zeit die Kirche, fürchten diese Freiheit. Denn die Geistgabe Gottes an uns ist das Ende jeder doktrinären Verriegelung von oben oder außen. Die Vision eines Neuen geistlichen Jerusalem wächst dort, wo der Geist einem jeden von uns geschenkt, Raum hat für seine eigene Dynamik. Das neue geistliche Jerusalem ähnelt ja nicht einer klar angeordneten, Haus für Haus gleichen Plattenbau-siedlung. Das neue Jerusalem, an dem wir gemeinsam bauen, es ist bunt, schrill, verwinkelt wie ein Haus von Hundertwasser.

Die Pfingsterzählung berichtet, dass jeder in Jerusalem die Christen in seiner Sprache verstand. Und es ist meine feste Überzeugung, dass die Menschen uns auch heute wieder verstehen würden, wenn ein jeder von euch in seiner Sprache, mit seinen Bildern, mit den Tagträumen seiner Kindheit, mit den Fragen und Hoffnungen der eigenen Geschichte von sich und damit von Gott erzählen würde.

Das ist mein Traum von Kirche: das ein jeder seine Sprache wiederfindet und das Vertrauen lernt den Eingebungen des Geistes für sein Leben zu folgen.

AMEN

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Predigt zum Gründonnerstag (24.03.2016)

Ich, Judas Iskariot…

… so nennt ihr mich, als ob das mein richtiger Name sei. Nie hätte ich mich so nennen lassen. Sicariot…die Sprache unserer Besatzer, die unsere Mütter schändeten und unsere Brüder kreuzigten. Sicariot ist Latein und bezeichnet was ich war und worauf ich stolz bin: ein Zelot. Ich war nicht der einzige unter uns 12 en, der sich gegen die Römer ereiferte. Ja, ich träumte wie alle anderen vom Reich Gottes, von Gerechtigkeit und Frieden. Wir Zeloten waren aber keine Himmelsvertröster. Wir wollten das Elend in unserem gelobten Land verändern. Ja auch mit Gewalt. Ist Gewalt denn immer Sünde?

War der Kampf des Arminius in Germanien eine Sünde? War die Landung der Alliierten in der Normandie, um Hitlerdeutschland zu besiegen Sünde? Ist der Krieg gegen den Terror heute eine Sünde? Wir Zeloten wollten nichts anderes als Freiheit und die Römer hätten uns doch nicht aus ihren uns aussaugenden Fängen freiwillig entlassen.

Ihr sagt seit 2000 Jahren, ich sei Judas; der Judas, der hässliche Jude an sich. Der Verräter, dabei war ich der Einzige der den Willen meines geliebten Meisters erfüllte. Tu, was du tun musst, sagte er noch am letzten Abend und ich weiß, dass dein Schmerz dich zerbersten wird. Ich soll IHN verraten haben?

Ich habe ihn geliebt!

Alle haben sich abgewandt, haben den Garten fluchtartig verlassen. Vorher haben sie auch noch geschlafen, während ich den Heilsauftrag ausführte. Meine Freunde haben den lieben Meister allein gelassen. Und Ich?

Ich habe ihn geküsst.

Ein Kuss voll Liebe und Schmerz. Wie an unserem ersten Tag, als wir uns begegnet sind. Seine Worte, sein Blick, seine verströmende Achtsamkeit schenkten meiner zornigen Seele Ruhe. Und Liebe heilte meine Seelenwunden. Er berührte mein Innerstes und unter Schmerzen nahm ich Abschied von meiner Wut. Ich las die Propheten mit neuen Augen. Ich wäre für Jesus gestorben, für ihn, der mein Leben schon in dieser Welt rettete, weil er mich Erbarmen lehrte.

Das wundert euch wohl. Ihr meint noch immer, ich hätte ihn verraten. In den Schriften aus dem Leben Jesu findet ihr nur einen Hinweis auf Verrat und den gleich 3 mal. Petrus, den ihr den Felsen der Kirche nennt, er, der später der erste Bischof in Rom werden soll, er verrät Jesus und zwar 3 mal bis der Hahn kräht.

Aber als die junge Kirche sich vom Judentum löste, um die Botschaft Jesu ins römische Reich zu tragen, musste die Schuld auf mich und damit auf alle Juden geschoben werden. Macht sich nicht gut in Rom zu predigen, dass es der Imperialismus und die Gewaltherrschaft des römischen Sklavenhaltervolk war, welche Gottes Sohn gekreuzigt hat. Dann doch lieber die Juden, die ewigen Looser.

30 Silberlinge soll ich für den Verrat erhalten haben. Wie könnt ihr so etwas glauben? Eine derartige Währung gab es gar nicht in Israel zu meiner Zeit. Bezahlt heute bei euch jemand noch in Gulden? Seht ihr…. Ich hätte in Denaren oder Drachmen bezahlt werden müssen, aber nicht mit Geld, dass es seit 500 Jahren nicht mehr gab. Der Prophet Sacharja weissagte ca. 500 Jahre vor Jesu Geburt, dass der Preis der Auslieferung des Knechtes Gottes eben 30 Silberlinge sei, der geringste Kaufpreis für einen Sklaven. Matthäus kannte diese Bibelstelle und viele andere Gläubige auch, ok ihr nicht mehr… und deshalb, um den Opfertod Jesu zu erklären werden mir lange nach meinem Tod, nebst des Verrates, auch noch die 30 Silberlinge angedichtet.

Und was sollte ich denn verraten? Jesus war stadtbekannt. Er predigte im Tempel, war gern gesehen in allen Gelehrtenschulen, an seinem Leben war nichts geheim, das es zu verraten galt. Am Sonntag noch zog er, wie es die Propheten voraussagten, als der neue König in Jerusalem ein. Nicht nur ich, viele mit mir hofften, dass dies das Signal für das Errichten seiner göttlichen Herrschaft sei. Aber die Erhebung des Volkes blieb aus. Für die Herren des Tempels war er eben doch nur der Sohn eines Zimmermanns.

Mein Meister wusste es. Er erblickte die Gedanken ihrer Herzen. Er hat oft vorher schon von seinem Tod gesprochen. Ihm war klar, dass sein Einzug in Jerusalem nicht das Reich auf Erden errichten wird, sondern vielmehr die Römer zum entschiedenen Eingreifen provoziert.

Ja, ich habe meinen geliebten Herrn überliefert, wie es Jesu Wunsch war, weil Gottes Weg zum Heil eine ganz andere Dimension öffnet, als es eine materialistische, Raum Zeit gebundene irdische Wirklichkeit meint. Was du tust, dass tue jetzt, so wies Jesus in dieser Nacht mich an. Und ich musste es doch tun, ich musste die Römer zu ihm führen, um seinen Heilsplan zu erfüllen. Jesus war ein König, aber das war seine Botschaft: König bin ich als der leidende Gottesknecht. Diese Welt liegt noch immer in Geburtswehen. Die ganze Schöpfung ächzt vor Schmerzen. Und Gott leidet mit. Denn diese Welt ist Leid. Und er Jesus leidet nochmals den Schmerz der Welt, damit mein Schmerz, dein Schmerz, der Schmerz aller, seine Macht verliert.

Das Reich Gottes bricht an, aber nicht in irdischen Grenzen, sondern in der je eigenen göttlichen Berufung. Jeder von euch ist Erbe der göttlichen Einheit, Erbe des Paradieses. Das, was uns knechtet hat keine Macht über uns, denn das Leben ist mehr. Wie durch den Schleier eines Wasserfalls ging Jesus durch das Leid, um uns allen die wahre Wirklichkeit zu offenbaren. Macht euch frei von euren Ängsten und Zwängen. Wer glaubt an Gott betritt einen Raum unendlicher Weite. Das Reich Gottes ist nahe, gaaaanz nahe.

Woher ich das weiß?

Ich war doch dabei, als mein geliebter Jesus wieder zu uns kam am dritten Tag.

Ihr könnt es nachlesen: Paulus schreibt es an seine Gemeinde in Korinth. Das war um das Jahr 52, 20 Jahre vor dem ersten Evangelium als Juden und Christen noch eins waren. Paulus schreibt: Jesus erschien den 12en. Auch Petrus schreibt dies in seinem von der Kirche nie anerkannten Evangelium. Wie in einem schlechten Drehbuch lassen die Evangelisten mich aber in ihren viel späteren Berichten den Auferstandenen nicht sehen. Das passte nicht mehr in ihr Bild von mir. Bei der Art meines Ablebens waren sie sich allerdings uneinig. Bei Matthäus habe ich mich erhängt und bei Lukas bin ich während der Landarbeit gestürzt und dabei bis auf die Eingeweide hin zerborsten.

In Wahrheit stand ich Jesus viel näher als manch andere. Denn ich habe seinen für uns alle getragenen Schmerz mit erlitten. Seine bangen Stunden waren auch meine furchtsamsten Momente. Ich, sein Werkzeug musste den Blick Marias aushalten. Aber ich war es eben auch, der seiner Ankündigung, am dritten Tage werde er den Tempel seines Leibes wieder errichten, glaubte.

Ja, das Leben ist größer als der Tod, ich weiß es. Jesus hat mich nicht nur von meiner Angst und meiner unterdrückten Wut erlöst. Er hat mir vor allem seine Achtsamkeit und Gelassenheit geschenkt. Vielleicht liegt hier der Grund, warum mein Name in späteren Zeiten so schlecht gemacht wurde. Ich zog es vor, mit diesem großartigen Geschenk Jesu für mich zu sein. Ich verspürte nicht den Drang, andere zu missionieren. Ich war erschöpft und sehnte mich einzig in der Nähe Jesu zu bleiben. Und ich gründete keine Gemeinden und wählte auch keinen Opfertod.

Das eine Opfer, das meines Jesus, das ist nämlich genug!

Ich geriet in Vergessenheit und man erinnerte sich erst wieder meines Namens, als die neue Christengemeinde den verräterischen Juden brauchte, um die Geschichte meines Meisters weiter erzählen zu können.

Ich dachte, es wäre mal an der Zeit, euch meine Fassung der Ereignisse dieser Nacht zu erzählen. In dieser Nacht beginnt der Heilsleidensweg. Petrus wird 3 mal leugnen unseren geliebten Meister zu kennen. Er wird behaupten, nicht mal seine Sprache zu sprechen. Er, der zuvorderst stand, er wird Jesus im Stich lassen. Aber ich will gar nicht auf Petrus schimpfen. Mit ihm habe ich mich längst vertragen. Aber, was ist eigentlich mit euch?

Ihr sucht doch einen Verräter. Denkt daran: Ein Finger, der auf andere zeigt und drei Finger, die dabei auf einen selbst verweisen. Kennt ihr Jesus? Lebt ihr mit ihm? Wenn man euch fragt, erzählt ihr von ihm? Bekennt ihr euch zur Kirche? Oder ist es euch eher peinlich? Sprecht ihr denn öffentlich noch die Sprache Jesu, die Sprache der Güte, der Vergebung, der Allbarmherzigkeit? Oder kennt ihr diese Sprache nicht mehr? Habt ihr solches Sprechen auf dem Altar des Pragmatismus geopfert? Steht ihr Jesus bei? Oder lasst ihr ihn auch im Stich?

„Was ihr einem meiner geringsten Brüder und Schwestern getan habt das habt ihr mir getan“.

Steht ihr ihm bei, ihm der euch sein Gesicht zeigt an den Grenzzäunen Europas, der euch in den Fußgängerzonen seine verdreckte Hand entgegenstreckt und in den Altenheimen auf ein wenig Zuwendung wartet?

Wer verrät eigentlich Jesus?

Ich?

Oder nicht seit bald 2000 Jahren eben die, die seinen Beinamen Christus für sich in Anspruch nehmen? Seid ihr die lebendigen Steine, mit denen mein Freund Jesus den Tempel Gottes auf Erden baut? Oder übt ihr täglich Verrat an ihm?

Ich weiß es nicht und bin auch nicht euer Richter. Das wird ein Anderer sein.

Bedenkt: Umkehr und Neuanfang sind jederzeit möglich. Unser Freund Petrus ist da das beste Beispiel. Und Jesus lädt euch ein: bleibet hier und wachet mit mir. Wachet und betet. Nutzt eure Zeit!

AMEN

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das muss jetzt gesagt werden

 

Liebe Gemeinde

Ein Pastor sollte davon predigen, wovon sein Herz voll ist. Und ein Pastor nimmt auch den Prophetendienst in der Gemeinde wahr. Er mahnt und tröstet. Ich mag heute nicht über einen biblischen Predigttext sprechen, sondern vielmehr über das, was in diesen Tagen in unserem Land passiert, weil es mich bewegt und weil wir Christen an allen Orten, Stammtischen, Nachbarschaften, Familienfeiern Stellung beziehen müssen. Und das jetzt.

Liebe Mitchristen,

immer mehr Menschen in Deutschland und Europa leiden unter großer Angst.

Da sind jene, die sagen, sie hätten heute Angst vor Überfremdung, aber Bananen essen jene immer noch ungebrochen leidenschaftlich gerne. Auch füllen jene ihre Benzintanks mit in Brasilien und Nigeria angebauten Soja, ist ja billiger. Und mal ehrlich: wer kauft sich schon ein weißes T Shirt für den fairen Preis von 20 €, wenn es auch eines in Pakistan für 3 € produziertes bei einem Discouter gibt?      

Am Krieg haben auch alle Deutschen durch Umsatz-und Gewerbesteuer der Waffenexporteure Millionen verdient, aber von allen diesen Opfern unseres durch moderne globale Sklaverei errungenen Wohlstandes, fühlen jene sich jetzt bedroht. Und jedem Gerücht und jeder Lüge über Facebook geil verschlungen hetzen sie nach. Sie wollen für ein christliches Abendland streiten, dabei haben 80% der AFD Wähler so überhaupt keine Ahnung vom Christentum, geschweige denn, dass sie ihren Glauben in der Gemeinschaft der Kirche leben und teilen.

 

Ich glaube schon, dass sie leiden, aber in unserer narzistischen  und zu globaler Ausbeutung angelegt degenerierten Gesellschaft wohl mehr an eigenem Identitätsverlust als an einer realen Bedrohung  durch andere. Jene Ängstlichen sind sich in Wahrheit selber fremd geworden, weil sie in ihrer eigenen Antriebslosigkeit ersaufen und sich nun in ihrer ersulten „Fütter mich“ Mentalität bedroht fühlen durch die, die bereit sind Strapazen und Opfer zu bringen für ein besseres Leben.        

                                                                                                              

Und die sich jenen Ängstlichen Anschließenden, die besser gestellt sind, sind blind für die Chancen von für unser Land ja notwendiger Migration und können nun endlich unter dem Deckmantel bürgerlicher Besorgnis ihren latenten Rassismus und Ihre Aggression gegen alles was anders ist als die eigene Spießigkeit, herauslassen.

 

Trost finden all jene in Internetforen und eigenen Networkverbindungen, die die freie Presse als Lügenpresse titulieren und selber ideologisch einseitig Lüge und Hetze verbreiten. Ihre Gläubigen saugen deren Nachrichten auf, wie Verdurstende faules Wasser.

Ja mir macht dieses brodelnde Gemisch aus pöbelnder Dummheit und bürgerlicher Spießigkeit Angst.

Heute die Presse, morgen die Flüchtlinge, dann die Juden, die Schwulen und die Behinderten. Das hatten wir alles schon einmal.

Niemand soll seine nationale, kulturelle oder religiöse Identität aufgeben, glaubt doch nicht solchen Phantasien rechtsnationaler Propagandisten. Wenn unsere pluralistische, demokratische, Gesellschaft mit weit mehr als 80 Millionen Bürgerinnen und Bürgern ein Identitätsproblem bekommt, dann nicht wegen ein oder vielleicht sogar irgendwann drei oder vier Millionen Zuwanderern. Wenn es eine Bedrohung gibt, dann durch diesen Hass und die durch Angst, Dummheit und bürgerlich spießige Ressentiments verursachte Panik.

Die Unfallgaffer und „mit dem Finger auf andere Zeiger“, fühlen sich in ihren Vorurteilen durch die Vorfälle in der Sylvesternacht bestätigt. Dabei sind sie selber Täter, Weggucker und Verdränger. Nach einer Statistik der europäischen Agentur für Grundrechte aus dem Jahr 2014 haben 50 % aller in Deutschland lebenden Frauen Erfahrungen mit psychischer Gewalt. 20-29% aller Frauen in Deutschland erlitten bereits körperliche und sexuelle Gewalt. Deutschland steht mit diesen Opferzahlen im oberen Drittel Europas. Das muss jeden anständigen Bürger dieses Landes zu Debatten und Reaktionen nötigen, denn hierbei geht es um Formen in unserer Gesellschaft veranlagter struktureller Gewalt.

In Hamburg ärgern sich U-Bahn Benutzer darüber, dass sie mehr arabisch als deutsch während der Fahrt hören. Aber jene Volkserregten sind selber außer Stande, zu faul, zu bequem, zu angestrengt, um, wenn sie nach Hause kommen, sich mit ihren Kindern zu unterhalten wohlgemerkt auf Deutsch. Sie wollen in Ruhe ihren Feierabend genießen und sind froh wenn Deutschlands Suche nach dem nächsten Topmodel sie vor dem lästigen „sich für ihre Kinder interessieren Müssen“ befreit. In unseren Familien hält die Sprachlosigkeit ungezügelt Einzug bei gleichzeitigem gesteigertem Konsum medialen Schwachsinns. Aber wenn andere sich auf Arabisch in der U Bahn unterhalten fühlen jene sich belästigt.  Wer selber nicht mehr ein Buch auf Deutsch liest, darf sich doch nicht über andere Sprachen in seiner Umgebung ärgern, das ist doch absurd!

Nicht erst seit der Ankunft der ersten Flüchtlinge gibt es eine Diskussion in Deutschland, Gott sei Dank, über unseren Fleischkonsum. Der Kauf eines Kilo Schweinefleisch für weniger als 4 € ist die „Geiz ist geil“ Falle, hinter der sich in Wahrheit eine ökologische und Tierrechtliche Katastrophe verbirgt. Übersäuerte Böden, Antibiotikaresistenzen, Gift in allen Nahrungsketten, aber wir wollen unser billiges Schweinefleisch weiter. Diese Form des Schweinefleischkonsums ist doch kein Kulturgut, welches jetzt zu schützen ist, weil Jene, „wir verstehen euch Ängstlichen“ meinen, mehr Moslems könnten unsere wohlschmeckenden in KZ Mastfabriken erzeugten Schnitzel aus den Kantinen vertreiben.

Weniger Schweinefleisch täte uns allen gut. Das sagt mir mein gesunder Menschenverstand und nicht eine religiöse Norm. Diese Angst eben aber zu schüren von einer Partei mit dem C als Anspruch empfinde ich als absolut abstoßend.

 

Liebe Gemeinde,

 

auch ich bin ein Wutbürger. Mich macht unser kollektives stilles Zuschauen, ob dieses zunehmenden Konsens „wir hätten wieder etwas gerade zu rücken“ wütend.

 

Für alle möglichen kulturellen und sozialen Veränderungen suchen jene einen Sündenbock, weil sie selber nicht bereit sind zu kritischer Selbstreflexion. Es ist das alte immer wiederkehrende Kain und Abel Prinzip: wir erschlagen lieber den Bruder an unserer Seite anstatt wir unsere eigene Unzulänglichkeit reflektieren.

 

Liebe Gemeinde,

natürlich gibt es unter uns Menschen, die vergessen werden und die unter berechtigten Existenzängsten leiden.

Ich denke an Obdachlose unter ihnen immer mehr Frauen.

Ich denke an minderjährige alleinerziehende Mütter und Väter.

Ich denke an arbeitslose Künstler ohne Krankenversicherung.

Ich denke an Menschen mit einem Handicap, die der Arbeitsmarkt nicht zu integrieren vermag.        

Ich denke an Prostituierte ohne Lobby und an Straßenkinder, die nie familiäre  Wärme gespürt haben und ich denke an die vielen hilfsbedürftigen älteren Menschen, die in den Wohnsilos unserer Großstädte vereinsamen.

 

Wenn diese Menschen auf die Straße gingen, auf sich aufmerksam machen würden und ihre Ängste herausbrüllen würden, würde ich mich ihrem Demonstrationszug anschließen. An dessen Seite gehört meine christliche Solidarität. Aber all den Biedermännern in unserem Land, die Flüchtlingsfamilien niederbrüllen, weil sie nun endlich meinen, ihre unterdrückte Wut ob des eigenen Lebens in erstickendem Mittelmaß, auf unsere Straßen bringen zu können, denen gebührt unser entschiedenster Widerstand.

Jene behaupten, mein Gutmenschentum würde die Probleme nicht lösen. Muss es auch nicht. Ich vertraue der Politik! Mein Gutmenschentum wird aber den Esprit dieses Landes erhalten als frei, offen und veränderungsbereit. Geben wir der Politik ein wenig mehr Zeit. Lösungen deuten sich ja bereits an und immer mehr Flüchtlinge kehren auch schon wieder bitter enttäuscht in ihre Armut zurück, weil es dort lebenswerter erscheint, als bei uns.

Liebe Mitchristen,

Ich bin gerne ein sogenannter „Gutmensch, denn anders kann ich als Christ gar nicht leben. Und ich erwarte von jedem von uns den Aufstand eines Anständigen! Nicht irgendwann wenn wir erschrocken feststellen, dass es höchste Zeit wird, sondern jetzt!

Ich danke ausdrücklich allen Mitbürgern, die aus der Mitte der Gesellschaft kommend so viel ehrenamtliches Engagement zeigen und den Menschen, die ein neues Leben beginnen wollen zu Seite stehen und damit ob bewusst oder unbewusst die eigentlichen Bewahrer christlich abendländischer Kultur sind.

Wir Christen dürfen jenen Klakeuren, die unsere freiheitliche und unseren ethischen Prinzipien verpflichtete Gesellschaft bedrohen nicht belanglos das Feld der Bilder und der Parolen überlassen. Jene verdienen unseren Zorn, unseren Widerstand, ebenso wie unsere Vergebung und Liebe.

AMEN

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Epiphanias

Erscheinung des Herrn

 

Nur ein paar Gedanken

Die Sprache der Bibel schließt uns immer wieder die Geheimnisse des Lebens auf, wenn es uns denn gelingt, sie nach zu träumen, sie mit den Sinnen unserer Seele zu erfassen.

In der Welt, die wir kennen, die uns vertraut ist, in der Welt, die wir planen und machen, da existieren keine Könige, die unterwegs sind, der Ankunft eines Sternes zuliebe. In unserer erwachsenen Vernunftwelt existieren keine Könige, die eine heilige Wallfahrt wagen quer durch Wüsten und Einsamkeiten bis zu jenem Ort, an dem der Stern stillsteht. Die meisten von uns benötigen auch eindeutigere Prognosen, um sich selbst zu erlauben, aufzubrechen.

Aus der Geschichte der Sterndeuter formt die christliche Legende sehr richtig Könige, deren Dreizahl sich ergibt aus den Gaben, die sie mit sich führen (vielleicht waren es ja auch mehr, die Zahl drei wird jedenfalls nicht erwähnt). Die Geschichte erzählt von Menschen, die ausziehen, um das Heil zu finden. Menschen, die Aufbrechen, einer neuen Perspektive wegen und ja auch um neues Glück zu erfahren. Zu Unrecht wird gerade im religiösen Kontext Glück und Genuss diffamiert und kontrovers zu wahrer Frömmigkeit gesehen.

Auch Genussfähigkeit führt zu Demut und Gottesbegegnung, denn wer genießt, der weiß auch zu schätzen, wie wertvoll das Leben ist. Wer Glück verspürt, ahnt, was heilig ist und es fällt ihm schwer zu hassen und leichter zu lieben.

Die Könige verschenken Genussmittel. Ihre Gaben stehen für all das, was wir Menschen sind:

Goldglanz ruht über jedem Menschenleben und es ist das größte Geschenk, das wir einander machen können, die Größe des anderen wahrzunehmen und ihm zurückzugeben. Gold steht für den König und die Königin in uns. Jeder von uns ist herausragend. Machen wir einander nicht klein, sondern genießen wir unsere Größe und die der anderen.

Möglich auch, dass wir das menschliche Leben begreifen lernen, als eines wie Weihrauch, der aufsteigt von der Erde zum Himmel. Das Leben kann sein wie ein Gebet der Freiheit, ungehindert bis zu den Wolken. Weihrauch steht für das Göttliche in jedem von uns. Jeder vermag sich eins zu machen mit dem Himmel. Eins werden mit Gott, gewinnen wir diese Leichtigkeit für uns, was soll dann noch gegen uns sein?

Liebe Freunde, es ist auch möglich unser Leben zu verstehen und zu leben in der Sprache des Mitleids und der Linderung, der Besänftigung unserer Schmerzen und der Begleitung bis hin in den uns aufhebenden Tod. Dafür steht die Gabe der Myrrhe. Unser Tod ist auch ein Geschenk, ein Geschenk der Verschmelzung mit unserem „ureigensten“. Schenken wir einander Trost über das Vergängliche und Glück an all dem was uns bis dahin widerfährt.

Wir feiern heute Erscheinung des Herrn.

Er ist nicht fern von uns.

Er erscheint uns in der Größe eines jeden Menschen und in all dem was mich groß macht.  

Er erscheint uns in der Kraft unserer Sehnsucht und in jeder Geste des sich Verdichtens mit Gott.

Er erscheint uns in der Sanftmut unseres Mitleids und unserem Glauben, den Tod zu überwinden.

Ich wünsche uns allen, den Mut der drei magischen Könige zum Aufbruch in diese gelebte Wirklichkeit.

AMEN

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2. Sonntag nach Weihnachten

 

Umtausch ausgeschlossen.

Die Weihnachtstage liegen hinter uns. Die Beschäftigten des Einzelhandels haben nochmal richtig Stress. Nicht nur wegen der Wochenendeinkäufe, sondern auch wegen der zahllosen Geschenke, die gut gemeint waren, aber nicht gut genug. Schön, dass wir mit Umtauschgarantie schenken können. Was nicht ganz passt, wird passend gemacht. Mit diesem Kind, dass der Welt vor 2000 Jahren in die Krippe gelegt worden ist, konnten ja auch nur die Wenigsten etwas anfangen. Das passte nicht in die Erwartungen. Besser ist die Welt durch dieses Kind oberflächlich gesehen jedenfalls nicht geworden. Könnte man dieses Kind aus Bethlehem nicht auch umtauschen? Einen starken Mann bräuchten wir, mit einfachen Antworten und noch schnelleren Lösungen auf alle durch Globalität ausgelösten Probleme oder eine charmante, gutaussehende Leitungskraft, die alle mitreißt, um den Finger wickelt und begeistert. Wünschenswert wäre auch der "Weltverbessererpastor", dem die Senioren zu  Füßen liegen und die Jugend hinterherläuft, der immer erreichbar ist und stets unterwegs sieben Tage die Woche, dafür wird ja  schließlich bezahlt, der sich um alles kümmert und sich dabei nie beklagt.      

Und was bekamen wir stattdessen?

Ein Kind in der Krippe. Was soll das bewegen? Was leistet so ein Gottessohn denn?  Und dann auch noch ein Kind armer Leute. Nicht mal von hier; später wird man sagen: aus Nazareth kann nichts Gutes kommen.

Eigentlich ist dieser Gott unerwünscht. Und so teilt er das Schicksal aller Kinder, Frauen und Männer, die seit jeher irgendwie nicht ins Konzept passen. Gott teilt das Leben aller, die sich eine unerwachsene Perspektive bewahren. Gott teilt das Schicksal aller Unbequemen und aller, die scheinbar nichts bringen. Denn Gott rechnet nicht nach Leistung, sondern nach Liebesfähigkeit; nach der Art bedingungslos zu lieben und sich lieben zu lassen. Darin ist er ist unendlich menschenfreundlich und als Unerwünschter wirbt er permanent um unsere Freundschaft. So ist Gott.

Umtausch ausgeschlossen.

Die meiste unserer Lebenskraft investieren wir tagein tagaus darin, ein schönes Leben zu haben. Und ja die Hybris der Moderne ist es, so weit wie möglich dabei nach dem Pippi Langstrumpf Prinzip zu leben: ich mache mir das Leben, wie es mir gefällt.  All das Drehen und Wenden welches uns stresst, dient dem zeitlichen Leben. Und unsere Ansprüche an unser zeitliches Leben werden immer gewaltiger. Was sollen wir dabei mit einem göttlichen Kind?  Alle Religionskritiker werden nicht müde immer wieder daran zu erinnern, dass ein Gott, der die Welt in ihrem Elend belässt ja kein Gott sein kann. Der moderne- durch den Fortschrittsglauben unerlöste Mensch wünscht sich einen Gott, der uns das begrenzte Leben hier einrichtet, wie es uns gefällt. Ansonsten gäbe es ihn nicht.

 

Liebe Gemeinde, dieser Wahn auf unsere Endlichkeit  haben die Katastrophen der Moderne, von Auschwitz bis Fokushima erst möglich gemacht.

Und Gott wird diese von uns Menschen bedrohte Welt nicht durch wundersame Weise aus dem Dreck ziehen. Er wird sie erlösen.

Er wird sie an seinem Tag lösen von den Grenzen, die wir ins Leben denken. Denn es geht Gott um ewiges Leben. Es geht ihm um eine Zukunft, die über das hinausgeht, dass wir uns einrichten können, wie es uns gefällt.

Die Welt bekam an Weihnachten eben nicht „Jesus Christ Superstar“ geschenkt, sondern ein unfertiges Kind.  Und dieses Kind schließt Ewigkeit auf. Wer dieses Kindsein nicht annimmt  schreibt Johannes, der gewinnt auch kein ewiges Leben. Der verbleibt in den Zwängen der Umtauschgesellschaft und erwachsenen Vernunftglauben.   Aber so funktioniert Christsein eben nicht. In gerade meinem Unfertigsein, meiner Abhängigkeit von der Liebe und Sorge anderer und meinem kindlichen Staunen schlummert die Ewigkeit.

Gott spricht zu mir, wo ich bei einem Blick in die Sterne, Bilder meiner Seele zu entdecken vermag.     

                                                                                                                                     Gott spricht zu mir, wo im Schimmern einer Seifenblase, Momentaufnahmen meiner Träume aufleuchten.                                                                                                                                         

Gott spricht zu mir, wo trotz schmerzhaften Hinfallens, es selbstverständlich ist, die Gehversuche fortzusetzen. 

 

Im göttlichen Kind beginnt Gott sein Erlösungswerk. Denn dort wo Ich und Du  unserem Kindsein vertrauen, hat Gott Raum. Und dann gilt eben nicht mehr, ich richte die Welt, wie es mir gefällt, sondern ich nehme das Leben an, wie es Gott gefällt auch wenn es mir manchmal nicht möglich ist, dies zu begreifen. Jeder Versuch, diese Wahrheit umzutauschen, scheitert und führt zu größerer Verzweiflung. Vertröste ich Euch jetzt?

Ich versuche Euch, Ewigkeit schmackhaft zu machen. Unsere Zukunft liegt in der Einheit mit dem Sohn Gottes. Seit der ersten Weihnacht sind wir alle Töchter und Söhne des Allerhöchsten.  Zurückzukehren in die Wahrheit, die jeder von uns ist und zu verschmelzen mit der Urliebe, die unsere unendlichen Dimensionen gebildet hat, ist unser Ziel.

Ich bin ein Kind Gottes und Du und Du und Du…

Jeder Umtausch ist ausgeschlossen.

AMEN

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weihnachten 2015

Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der HERR.

 

Und es sollen zu der Zeit viele Völker sich zum HERRN wenden und sollen mein Volk sein, und ich will bei dir wohnen. – Und du sollst erkennen, dass mich der HERR Zebaoth zu dir gesandt hat. –

 

Und der HERR wird Juda in Besitz nehmen als sein Erbteil in dem heiligen Lande und wird Jerusalem wieder erwählen.

 

Alles Fleisch sei stille vor dem HERRN; denn er hat sich aufgemacht von seiner heiligen Stätte!

Sacharja 2,14-17

 

Liebe Gemeinde dieser Hl. Weihnacht,

der Braten ist gegessen, die Geschenke sind geöffnet, gefühlt scheint der Höhepunkt des Festes schon überschritten und doch fehlt etwas. Die Gespräche mit den Lieben klingen ab, Manches hängt noch nach, es war wieder bewegend und nun mündet all das Erlebte in die Geschichte und Deutung dieses Festes ein. Wir kommen zur Ruhe und erinnern uns der Jahrtausende alten Sehnsucht, die uns mit dem Volk Israel eint: das Gott Wohnung in unserer Mitte nehme.  Und wir machen uns dafür auf aus unseren Häusern in dieses Haus hier, das vor 300 Jahren in die Mitte Brunsbüttels gebaut wurde, um sich der Nähe Gottes gewiss zu sein. Es ist gut, dass wir in dieser Nacht, mit unserer manchmal vielleicht unbestimmten Sehnsucht in diese Kirche kommen; wohin denn auch sonst?

 

Die Sehnsucht, die Weihnachten zu so einem besonderen Fest macht, ist schwer zu fassen. Es schwingen darin Bilder aus unserer Kindheit mit, Geschichten, Gerüche, Vertrautheiten und Harmonien, Unbeschwertheit, Kleinigkeiten vermochten uns große Augen zu schenken. Und auch wenn es damals sicher auch mal Krach gab: Weihnachten bleibt für uns das Fest kindlichen Friedens und beschenkten Glückes. Und wir gehen besonders gerne in dieser Nacht zur Kirche, um unsere Freude von damals wieder etwas einzufangen und um das größte Geschenk zu suchen: Ruhe und Frieden.

 

Liebe Gemeinde,    

wir suchen nicht allein. Seit 2500 Jahren dauert schon diese Suche von Juden und Christen. Für den Propheten Sacharia wurde sein Verlangen nach dem „Gott mit uns“ und nach einer Ordnung in Frieden und Gerechtigkeit konkret mit der Rückkehr aus der Babylonischen Gefangenschaft. 58 Jahre waren die Priesteraristokratie wozu auch Sacharia gehörte, die regierende Oberschicht, alle Führungskräfte, Beamte, Lehrer mitsamt deren Familien ihrer Heimat beraubt und lebten in einer fremden Kultur. Die Erinnerung an den Berg Zion, wie Jerusalem hieß, bevor David ihn eroberte begann im Exil langsam zu verblassen. Nach der Eroberung Babylons durch die Perser kam dann, recht unerwartet die Rückkehr der Gefangenen nach Israel, nach Jerusalem, dem Berg Zion, dem Zentrum der eigenen spirituellen und nationalen Identität, bis heute.

 

Die Worte des Propheten Sacharia, die wir heute Abend gehört haben fallen genau in die Zeit der Rückkehr auf den Zion: freut euch und seid fröhlich, Söhne und Töchter Zions. Wir leben wieder an der heiligsten Stätte Gottes.         

     

Freut euch liebe Weihnachtsbegeisterten, freut euch, auch hier in Brunsbüttel ist Gott uns unendlich nahe. Gott kommt und will bei uns wohnen. Seit seiner ersten Geburt in Bethlehem in Judäa gehören auch wir zu den Erlösten. Und der Ort, wo er den Menschen nahe ist nicht mehr nur Jerusalem, der Ort des Tempelberges, sondern eines jeden Menschen Herz. Jeder von uns ist eine heilige Stätte. Schwer vorzustellen…die verwinkelten Orte der Kathedrale meiner Seele ein Wohnort Gottes?

 

Sacharia beschreibt uns so unseren Gott. In der alten Zeit hatte er keinen Namen. Jede Projektion war unvollständig und schemenhaft, so war Gott einzig der „Ich bin da“ Kein Name vermag ihn auszudrücken. Sacharia gibt ihm aber das Adjektiv Zebaoth. Zebaoth heißt so viel wie himmlisch/ kosmisch. Gott ist unbeschreibbare Energie. Schauen sie einfach mal nachts in den Sternenhimmel. Die Energie des Universums, die Urbewegung, die Möglichkeit alles Neuen, das ist Gott Zebaoth.

 

Und diese Dimension des Lebens und der Schöpferkraft hat Wohnung genommen in uns. Immer mehr Menschen behaupten es gäbe keinen Gott und Religion nehme ihnen ihre Freiheit. Vielleicht verbirgt sich bei Vielen dahinter aber nur ein bedrohliches Gottesbild aus düsteren Zeiten mit dem sie berechtig-terweise nichts zu tun haben wollen. Dabei ist Gott nichts anderes als alle in uns ruhenden Möglichkeiten.

 

Unsere Gestaltungsenergie, die Kraft unserer Traumbilder, die alle Mauern des Denkens und Fühlens überwindende Magie der Liebe wohnt in uns. Seit der ersten Geburt Gottes als Mensch ist jeder von uns ein Mosaiksteinchen im unendlichen Abbild des alles bewegenden Gottes. Und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade.  

 

Sacharia erwartete den Frieden der Welt noch ausgehend vom Berg Zion. Seit der ersten Weihnacht bekennen Christen, dass Gott nicht in einem Tempel aus Steinen wohnt, sondern  in Tempeln aus Fleisch und Blut. Das Wort ist Fleisch geworden.

Wir alle warten auf den Frieden der Welt. Dieses Jahr vielleicht bewusster als seit langem. Es soll Frieden werden, der schon ist, Frieden, der in uns wohnt, seit Gott Mensch geworden ist.       

 

Wir suchen an Weihnachten Herzenswärme und friedensstrahlende Geborgenheit. Wie der Prophet Sacharia vor 2500 Jahren versuchen wir diese Suche mit einem Ort zu konkretisieren, mit dem Haus Gottes. Das ist auch gut so, aber Gott hat sich und das ist das Geheimnis der Weihnacht, kein anderes Haus erwählt als das manchmal unaufgeräumte, renovierungsbedürftige, trotz Reichtums ärmliche Haus meines Selbst. Hier in dieser unzulänglichen Gestalt der Futterkrippe, die jeder von uns ist, ist Gottes Kind geboren.

 

Liebe Gemeinde,

wir beschließen und feiern diesen Abend mit Gebet und Gesang und erahnen den Geist der Weihnacht, sein wahres Mysterium: Gott wohnt in mir und die Sehnsucht nach Ruhe und Frieden eint uns alle, weil die Möglichkeit dazu eine uns allen bereits innewohnende Gabe ist.  Doch warum nur fällt es uns so schwer diesen Frieden zu erspüren, zu stiften und zu bewahren?

 

Was ringt ihn in uns immer wieder nieder?  Was ist so stark und überlagernd, dass uns der so unendlich nahe Frieden manchmal unerreichbar weit weg scheint?

 

Ich glaube, es ist der Lärm und die Unruhe der Welt. Die Möglichkeit zu permanenter Veränderung wird belobigt. Das Immer unterwegs sein heißt es sei erstrebenswert und durchsetzen kann wer viel Lärm um Nichts macht. In der Antike galt noch Seelenruhe als das Ideal. Seit der Neuzeit ist es der Fortschritt. Und was ist nicht alles auf diesem Altar menschlichen Geistes geopfert worden. Der  Mensch meint, es sei dazu bestimmt, dabei begeht er den Irrtum, die eigene Spezies als dazu berechtigt anzusehen.    

      

Der biblische Schöpfungsbericht endet aber nicht mit dem Menschen. Nicht er schreibt Erlösungsgeschichte fort. Die Schöpfung vollendet sich in der Ruhe. Das Eintreten Gottes in unsere Welt ist ein Akt der Vollendung und die vollzieht sich in der Ruhe des 7. Tages. Die Weihnachtsbotschaft des Propheten Sacharia endet mit der Aufforderung: seid stille vor dem Herrn.

 

Und liebe Gemeinde, wie sollte ich dem Wunder Gottes in mir auch anders begegnen, als in einem tiefen Schweigen und einem ehrfürchtigen Verstummen vor dieser Großartigkeit? Überall dort, wo die Welt wieder das Schweigen übt und Stille sich ausbreitet verteilt sich auch der Frieden Gottes wie der Same einer Pusteblume durch den Hauch meines Atems. Suchen wir den Frieden Gottes benötigen wir wieder eine Haltung des „Aufnehmens“, des inneren Hinhörens, des sich eins Machen mit den verschwebenen Bewegungen des Kosmos.

 

Lasst uns üben wieder stille zu werden vor dem Herrn bevor unsere Kultur weiter verlernt, Gott wahrzunehmen.

 

Stille Nacht heilige Nacht eben nicht nur heute bitte. Frieden braucht eine Abkehr von der Unruhe der Welt, hin zu einem dauerhaften Glück in Ruhe.

 

Nur so erspüren wir, dass Gott in unserer Mitte wohnt.

Nur so wird Frieden werden in unseren Tagen.

 

AMEN

 

 

 

 

 

 

 

 

 

6. Sonntag nach Trinitatis

 

Vor 70 Jahren verließ der Missionar Bruno Gutmann seine Gemeinde in Moshi, Tansania. Vor einigen Monaten besuchte die Familie des Enkelsohnes des Missionars diese Gemeinde. Vom Urenkel stammt folgender Bericht:

 

Am Sonntag stehen wir vor der Ge­meinde. Reverend Saria will es so. Er hat uns in den zweiten Gottesdienst geladen. Es gibt jeden Sonntag zwei Gottesdienste, weil die Kirche nicht alle Gemeindemitglieder fasst. Ein lutherischer Gottesdienst in Tan­sania ist mit einem deutscher Mach­art gar nicht zu vergleichen. Ich kenne nur Pfarrer, die einen schwarzen Talar tragen, hier sind es drei Priester in feierlichen weißen Roben mit grünen Schals. Zu Hause spielt die Orgel ge­tragene Lieder, hier singt der Gospel­chor zur Keyboardmusik, Baba as­sante, »Danke, Vater«.

 

Die Gemeinde klatscht mit, antwortet im Chor auf Fragen des Pfarrers, man spricht zu­sammen Psalmen. Ein bisschen schäme ich mich dafür, nur ich zu sein. Die Menschen hier denken, ich sei ein frommer Mensch, ein wahrer Nachfahr meines Urgroß­vaters. Aber ich bin nicht fromm. Ich bin auch kein übermäßiger Sünder, ich bin eben ich. Viel, viel kleiner, als die Menschen in Moshi glauben. Bislang war ich Agnostiker. Gott und ich, wir haben uns beide jeweils um unsere Geschäfte gekümmert und sind uns dabei nicht in die Quere ge­kommen. Vielen in Westeuropa gilt Gottesbegeisterung als naiv. Eigent­lich gibt es kaum eine Begeisterung für irgendwas. In meinem Umfeld ist man mehr oder weniger zufrieden mit der Regierung, mit dem neuen iPhone, mit dem Tatort am Sonntag, mit dem Sexualleben, dem Job. Wenn wir das Mittelmaß eine ganze Weile in Balance gehalten haben, sterben wir und werden eine Memorialseite auf Facebook. Das ist schon schal ge­nug. Aber im Sturm der Hingabe, die ich auf der Kirchenbank in Moshi er­lebe, fühlt es sich absolut ärmlich an.


Der Reverend ruft uns auf die Bühne, er spricht davon, wie geehrt man sei, dass die Familie Gutmann, die Nach­fahren des großen Bruno, ihren Weg nach Moshi gefunden habe.

 

 

 

“The Gutmanns are back home!”  Die Gemeinde klatscht, einzelne rufen Halleluja. Dann reicht er uns das Mikrofon. Mein Vater spricht als Erster. Eigent­lich hasst er es, eine Rede zu halten. Aber hier fühlt er sich wohl. Er spricht sogar Englisch. Wenn ich an den Hei­ligen Geist glauben würde, würde ich meinen, er sei auf meinen Vater her­niedergekommen. Er bedankt sich für die Gastfreundschaft und beschreibt, welch guten Eindruck man habe von der Lebendigkeit der Kirche. Die Ge­meinde applaudiert wieder. Meine Mutter stellt sich vor und wird be­klatscht.

 

Dann habe ich das Mikro­fon in der Hand. Einen Moment bin ich wie gelähmt. Ich sehe in Hunder­te Augenpaare. Alle diese Menschen wollen etwas hören, etwas Frommes. Sie meinen nicht mich, sondern den Mann, der sie vor 70 Jahren verlassen hat. Was ich denke und glaube, ist hier nun nicht von Belang. Dann höre ich mich sprechen.

 

"Wir Gutmanns leben in Deutschland, einem regneri­schen, kalten Land, weit weg von hier, aber wir sind doch eng verwandt mit euch, denn wir haben denselben Vor­fahren, Bruno Gutmann. Bruno Gut­manns Körper ist in Deutschland be­graben, aber sein Herz, das wussten wir immer, liegt in Moshi beerdigt.“ «


Ich sage, dass die Gutmanns vor mehr als hundert Jahren den Gospel nach Moshi gebracht hätten, und nun hät­ten die Leute den Glauben zurück zu uns, den Gutmanns, gebracht. Es ist das erste Mal, dass ich mich als Gut­mann bezeichne. Zu Hause wären das schwülstige Worte gewesen, hier werden sie mit Applaus und Halleluja ­Rufen quittiert. Eine Frau ruft laut  Amen.

Mir kommen die Tränen. In diesem Moment beschließe ich, in Deutsch-land wieder in die Kirche zu gehen. Weil ich spüre, dass dieses »rnehr oder weniger« in meinem Leben, das gepflegte Mittelmaß mir eben nicht genug ist.

 

Liebe Gemeinde,

der Missionar Bruno Gutmann nahm den Taufauftrag Jesu für sich wörtlich. Er ließ sich senden, um in einem von seiner Heimat entfernten Teil der Erde, Kirche aufzubauen. Seine Nachfahren nun ihrerseits spüren etwas von der Begeisterung dieser lebendigen Kirche. Sie spüren die Begeisterung für Leben und den schalen Geschmack den die oftmals gefühlte Banalität ihres Alltags hinterlässt. Der Missionar ließ sich bewegen, Vertrautes aufzugeben und aufzubrechen in ein neues Land. Seine Nachfahren lassen sich innerlich bewegen und entscheiden sich dafür, Weichen in ihrem Leben umzustellen und andere Lebensperspektiven in den Blick zu nehmen. Was bewegt uns heute an diesem 6. Sontag nach Trinitatis mitten im Leben, mitten im Alltag?

Sollte uns denn was bewegen?

 

Aber ja doch, warum sonst sind wir denn hier?

Der Sendungsauftrag Jesu ist doch nicht eine nette Geschichte von vor 2000 Jahren und wir sitzen hier und warten, wie in einem Kino, was als Nächstes passiert. Der Sendungsauftrag gilt doch jedem von uns, hier und heute in Brunsbüttel.

 

Wie seine Freunde nimmt uns Jesus mit auf einen Berg. Es geht nicht um einen Ort wie wir ihn in Israel besuchen werden; vielmehr geht es um Standpunkte, Verortungen, an denen sich Festlegungen und Programme, die uns bislang wichtig erschienen aufheben ins Weite und wir lernen, Wesentliches zu erfassen.

 

Liebe Gemeinde,

Jesus lädt uns ein zu einer Wallfahrt an den Ort wo sich Himmel und Erde berühren. Jeder von uns ist in der Lage, diesen Ort zu finden. Dies ist unsere christliche Berufung, nicht mehr, aber eben auch nicht weniger. Der Raum, wo der menschliche Richtungswechsel sich vollzieht, wo die innere Begeisterung alles Schwere wegweht und uns das Leben entlässt hinaus ins Weite zu den Herzen der Anderen, dieser Raum öffnet sich dort, wo alle Bestimmungen, die von außen an uns herangetragen werden, ihren Einfluss und ihre Geltung verlieren und wir ganz einfach frei werden etwas Unhörbares zu hören, etwas Unsichtbares zu sehen, etwas längst gekanntes wieder zu erfahren, dem Traum unseres Herzens nahe sein.

 

Dieser Raum der Begegnung mit Gott ist wie ein innerer Seelenberg, der mir vielleicht zunächst zu anstrengend erscheint, den es sich aber zu besteigen lohnt, weil er mir Überblick verschafft, weil er mich erhebt, über das, was mich niederdrückt, weil er meine Lebensperspektive dahin lenkt, wo die Zukunft eines jeden Glaubenden nun einmal ist, nämlich himmelwärts. Christen dürfen ihre Bodenhaftung aufgeben. Nein sie müssen es sogar.

 

Christ sein bedeutet sich befreien zu lassen von dem  verordneten und antrainierten Mittelmaß hin zu einer Schwerelosigkeit des Geistes. Christ sein bedeutet aus der inneren Freiheit heraus für die Leichtigkeit des Himmels zu leben. Für den Himmel.

 

Was der Urenkel des Missionars als Mittelmaß beklagte ist unsere primäre Lebensausrichtung auf völlig banale und wertlose Lebenshaltungen und Lebenseinrichtungen. Ob materieller Natur oder auch religiös verordneter, wenn es um Glaubensverklausulierungen oder Fundamentalismen geht. Nicht jedem Frommen geht es um den Himmel um das mal ganz deutlich zu sagen. Hinter so mancher frommer Fassade verbirgt sich Angst und Schuld. Gerade jene meinen aber, sie seien die dem Himmel Nahen, dabei verbleiben sie in erdrückendem Mittelmaß, denn allein, es fehlt ihnen an Glauben, den sie doch so gerne anderen absprechen. Aber Glaube, der sich meint in Regelwerken auszudrücken ist Mittelmaß. Dem Christen geht es um den Glauben, der aufleuchtet in der Begegnung mit der Unendlichkeit des Himmels. Und was ist angesichts dessen, eine Moral verfasst von Menschenhand?

 

Liebe Gemeinde,

der Urenkel des Missionars Bruno Gutmann beklagte nach seinem Aufenthalt in Tansania, dass wir Europäer eigentlich kaum noch für irgendwas zu begeistern sind. Wir sind irgendwie gesättigt und langweilig wie ein Sportwagen, der immer nur im dritten Gang fährt, laut und langsam.

Wie ist das mit uns als Christen in Brunsbüttel? Sind wir hier heute Christusbegeisterte?

Die Frage lässt mich nicht los und mit der möchte ich meine Gedanken heute auch beenden.

Sind wir, die wir heute zusammen kommen Christusbegeistert?

Vermögen wir in der kommenden Woche wenigstens einem Anderen, dem wir begegnen zu vermitteln, dass es mehr im Leben gibt, als dieses mehr oder weniger unseres Wohlseins? Vielleicht gelingt es ihnen ja auch dieses einen mitzubringen in einen Gottesdienst.

 

Geht hinaus in unsere Welt und lehrt, was Jesus aufgetragen hat, er ist bei uns alle Tage bis zum Ende der Welt.

 

AMEN

 

 

 

 

 

 

 

 

 

10. Sonntag nach Trinitatis

 

Als er näher kam

Liebe Gemeinde, Gott kam uns nahe.

Gott ist uns Christen nicht der unberührbare Weltenlenker.

Gott ist uns Christen nicht eine bloße Idee.

Gott ist uns Christen nicht eine menschenfreundliche Ethik.

Er kam uns nahe.

Mir geht etwas nahe.

Damit will ich sagen: mich berührt etwas. Da ist etwas mir nicht mehr egal.

Nähe verändert.

Wenn jemand oder etwas mir zu nahe tritt, werde ich beunruhigt. Ich fühle mich ertappt. Da hat etwas meinen wunden Punkt getroffen.

Er kam uns nahe. Ganz konkret in Jesus aus Nazareth;

uns als Gemeinschaft und mir als einen Teil davon;

lasse ich ihn in meine Nähe?

Manchmal fragt er auch gar nicht und sucht mich. Spüre ich seine Nähe? Oder bin ich so abgestumpft, dass es mich nicht berührt, das er da ist?

Nähe verändert! Er soll mir bloß nicht zu nahe kommen. Ich möchte mein Christsein gerne auf Abstand leben, so irgendwie…

wie es eben passt.

 

Als er näher kam und die Stadt sah

Jesus bleibt nicht auf Abstand.

Er ist dabei.

Er ist da.

Er mischt sich ein.

Er macht sich ein Bild.

Er schaut auf die Stadt.

Zunächst Jerusalem, heute auch Brunsbüttel.

Eine naive, aber dennoch spannende Idee: Gott schaut auf Brunsbüttel.

Was gibt es hier zu sehen?

Als er näher kam und die Stadt sah, weinte er über sie

Manchmal ist es echt zum Heulen. Das in Jerusalem und auch das in Brunsbüttel.

Wenn uns das schon so geht, wie dann erst ihm, dem Fluchtpunkt der Weltgeschichte, dem universellen Du aus dem alles kam und zu dem alles hinstrebt, bis zu dem letzten Tag.

Gott weint.

Soll er doch alles in Ordnung bringen, wenn er Gott ist. Stattdessen weint er.

Ohje, wir haben nichts gelernt. Wir sind kein Deut besser, als die Wundersüchtigen Leute vor 2000 Jahren im von den Römern besetzten Israel. Die warteten auch auf irgendein Rambazamba. Aber Gott macht ernst mit seiner Welt. Er überlässt sie ihrer eigenen emanzipierten Geschichte.

Und er weint.

Ich finde das ist enorm. Er ist eben nicht distanziert. Gott lässt sich berühren und zeigt Gefühl.

Ich bitte euch, weinen wir einem Flüchtling, der ertrinkt, eine Träne nach, berührt uns das Elend dieser Welt überhaupt noch? Weinen wir mit den Griechen? Weinen wir mit Jessiden und Kurden?

Oder bleiben wir nicht doch besser auf Abstand?

Das war doch immer schon so. Wir machen doch nichts anders als all die anderen Generationen vor uns auch.

Genau das liebe Gemeinde, eben diese Haltung besiegelt das Schicksal unserer vergänglichen Welt.

Wenn du doch an diesem Tag erkannt hättest, was dir zum Frieden dient. Jetzt aber bleibt es vor deinen Augen verborgen.

Ich bemühe mich, aber ich kann wenig Tröstliches in diesem Satz finden. Helene Fischer besingt „Unseren Tag“.

Der Tag, wo man vor Glück schier zerplatzen kann. Der Tag, an dem aus einsam zweisam wird. Der Tag, wo die Liebe sich konzentriert in einem Ja. Aber den Tag, der uns allen zum Frieden dient, den haben wir Menschen wohl verpasst. Die Chance wurde vertan. Die erste Ankunft des Gottessohnes, die haben wir mal so richtig verbockt. Viel besser ist unsere Welt nämlich nicht geworden. Wir morden einander in steigender Qualität und Grausamkeit, vergiften die Schöpfung und nehmen allen Lebewesen im wahrsten Sinn des Wortes auf absehbare Zeit die Luft zum Atmen.

Die Heilszusage für seine Welt aber, die hat Gott nicht zurückgenommen. Das Neue Jerusalem ist uns jedoch verborgen. Frieden muss erst noch werden. Die Wirklichkeit Gottes wird wieder in dieser Welt einbrechen. Noch ist diese Dimension aber uns nicht greifbar. Aber es kommt, es kommt ganz sicher. Und Christen warten auf die Wiederkunft Gottes.

Liebe Gemeinde, so ganz verborgen ist die Vision des neuen Jerusalem uns doch nicht. Wir feiern gleich gemeinsam Abendmahl. Dieses Zeichen hat uns Jesus Christus ganz bewusst hinterlassen für diese Zeit des Wartens. Im Teilen von Brot und Wein erahnen wir, wie es sein kann in dem neuen Jerusalem:

Alle Menschen sind ein Leib zusammengefügt aus den Gebrochenheiten ihres Lebens. Alle Menschen berauschen sich an der Nähe Gottes, die uns durchströmt und verwandelt.

Er hat einen Anfang gemacht.

Als Gott uns besuchte

Und er erneuert sein Angebot in der Feier von Brot und Wein hier und heute

AMEN

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Predigt zum Pfingstsonntag 24. Mai 2015

Geist macht lebendig

 

Liebe Gemeinde,

in seinem Ursprung war das Pfingstfest das jüdische Erntedankfest, das Ende langer Mühen, das Einbringen der Ernte. Und ja, Pfingsten bildet den abschließenden Rahmen der Ostererfahrungen, aber es ist alles andere als ein Schlussstein, Pfingsten ist der Anfang von allem, der Aufbruch ins Unendliche, Heiliger Geist.

Pfingsten ist der Anfang, Religion auf eine Weise zu verstehen, die sich nicht in Verklausulierungen verliert, die sich nicht in sprachlichen Abstraktionen nur um sich selber dreht, sondern die ganz und gar aus dem Innern der Menschen selber spricht. Pfingsten ist das Fest des Geistes Jesu.                                                   

Er fand Worte, die imstande waren Menschen aus Gräbern zu rufen. Er vermochte es, unmittelbar zum Herzen der Menschen zu sprechen, dass darunter das bleiernde Gewicht der Angst sich aufhob und Menschen zu ahnen begannen, was in ihnen lebendig werden könnte. Nichts davon hat Jesus selber aufgeschrieben, als war es seine Hoffnung, Leute wie wir vermöchten die göttliche Liebesbotschaft aus uns selbst heraus weiterzugeben, wie einen Teil lebendiger Wahrheit aus uns.

Jesus gab an Karfreitag seinen Leib, zeigte an Ostern seinen Freunden seine Hände, doch mehr als sein Körper waren es seine Worte, seine Gedanken, seine Leidenschaften, seine Träume und Visionen, all das, was wir Geist nennen, was die Wahrheit seines Lebens ausmacht. Und er traute den schlafenden Jüngern im Garten Gethsemane zu, sie könnten ihn begreifen und all das in eigenen Worten weitersagen.

Liebe Gemeinde,

Jesus wollte, dass er durch unser Herz hindurchginge und wir das Göttliche in eigenen Worten sprächen. Dann würde es leben und sich auch so weitersagen, dass es sich von einem Menschen zum anderen entzündet, dann hätte es auch die Lebendigkeit Gottes. Jesus verpflichtete niemanden auf einen Katechismus oder eine Bekenntnisschrift. Niemand sollte sich die Meinung eines anderen zu eigen machen. Vielmehr versuchte er unmittelbar aus dem was Menschen erfahren zu schöpfen, es zu verdichten und Gott darin Gestalt werden zu lassen. So erfuhren es die Jünger vor 2000 Jahren und so lebt Kirche auch weiter: Jesus ist etwas Lebendiges in unseren Herzen. Was Menschen mit Gott erleben, lässt sich in Bildern und Worten unserer Träume weitertragen, aber nicht durch Lehre und Moral.

Und Kirche lebt dort, wo Gott in eurer Sprache zu Wort kommt, liebe Freunde, in Deiner, Deiner, und Deiner…Gottes Geist lebt in euch und nicht zuallererst durch das Wirken des Pastors um es ganz deutlich zu sagen. Eine gute Show lebt doch auch nur zum Teil vom Moderator. Wichtiger sind die Stars, die auftreten. Und in dem lebendigen geistdurchwirkten Prozess der immerwährenden Kirche, seid ihr die Stars.

 

Liebe Gemeinde, in jedem Leben spricht sich Geist aus. Und ja, es gibt auch unheilen Geist. Die Nachrichtensendungen sind täglich voll von Berichten, was Menschen in der Lage sind, anderen Menschen anzutun. Es ist kaum zu ertragen. Und doch bin ich als Christ ein Geistoptimist. Leben endet nie in einer Katastrophe. Leben findet immer seinen Weg in die Freiheit. Wie kann ich so etwas glauben nach Auschwitz, Dachau und Buchenwald? Weil alle menschliche Barbarei nicht vermochte die Sehnsucht zu ermorden, die ein Vogel weckt, wenn er am Himmel fliegt, weil alles Menschliche morden und kastrieren jeder Würde, nicht ver-mochte die Utopie von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit zu ersticken. Die Liebe ist eine größere Geistkraft als die Perversion menschlicher Gewalt.

Trotz allen Elends auf der Welt gibt es genug Grund, Vertrauen zu haben in den guten Geist Gottes. Er wirkt, manchmal bemerken wir es nicht gleich. Schaut man sich z.B. die Geschichte irgendeiner Familie an, die auseinanderbricht, man würde zunächst keinen Cent darauf verwetten, dass irgendetwas zum Guten gelangen könnte. Die Ehepartner vertragen sich nicht mehr, das Zusammenleben ist zerrüttet und die Kinder drohen Schaden zu nehmen. Sieht man dieselbe Familie nach zwei/ drei Jahren wieder, ist womöglich alles so gekommen, wie vorher gesehen. Die Ehe-leute sind auseinandergezogen und haben Dinge getan, von denen wir vorher gedacht haben, dass sie sie nicht tun dürfen. Und nun zeigt sich aber, dass es gut war. Zum ersten Mal lebt der Mann, lebt die Frau von innen heraus mit einem Gefühl für das eigene Leben und ihr eigenes Glück. Die Kinder können sich an einem Vater und einer Mutter orientieren, die wirklich Halt bieten und nicht mehr hin und her schwanken müssen unter jeglichem fremden Druck. Glück und Zukunft lassen sich nicht garantieren, wenn einer für den andern weiß, was er tun soll. Der Geist Gottes pendelt das Leben in seine Richtung, in die Offenheit des Himmels, in die Unendlichkeit himmlischen „aufgehoben“ seins.

Das Geheimnis des Pfingsttages ist es, dass wir einen Geist empfangen haben, der uns frei macht. Die bürgerliche Gesellschaft, totalitäre Systeme, aber sind wir ehrlich, auch lange Zeit die Kirche, fürchten diese Freiheit. Denn die Geistgabe Gottes an uns ist das Ende jeder doktrinären Verriegelung von oben oder außen. Die Vision eines Neuen geistlichen Jerusalem wächst dort, wo der Geist einem jeden von uns geschenkt, Raum hat für seine eigene Dynamik.

Die Pfingsterzählung berichtet, dass jeder in Jerusalem die Christen in seiner Sprache verstand. Und es ist meine feste Überzeugung, dass die Menschen uns auch heute wieder verstehen würden, wenn ein jeder von euch in seiner Sprache, mit seinen Bildern, mit den Tagträumen seiner Kindheit, mit den Fragen und Hoffnungen der eigenen Geschichte von sich und damit von Gott erzählen würde.

Das ist mein Traum von Kirche: das ein jeder seine Sprache wiederfindet und das Vertrauen lernt den Eingebungen des Geistes für sein Leben zu folgen.

 

AMEN

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Predigt zum Pfingstmontag 25. Mai 2015

Für Gott in Schleswig Holstein

Liebe Ökumenische Gemeinde

Gottes Geist weht in der Welt. Dies bekennen Christen am Pfingstfest und dies ist unsere je eigene spirituelle Motivation, Leben zu bewegen, und Gesellschaft zu gestalten. Jesus von Nazareth rückt den Stein weg, der Menschen in grund-legende Unfreiheit und Angst setzt, den Stein des Todes. Gott überwindet Endlichkeit und eröffnet eine Perspektive, die bleibt.

Auf dieser Erfahrung baut das 2. Testament, das wir das Neue nennen auf. Zentrale Botschaft ist die Bergpredigt. Wollten wir diese zusammenfassen, kommen wir auf die drei Grundfesten die die französischen Revolutionäre 1789 übernommen haben: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Ohne das Christentum, ohne die Bergpredigt Jesu, ohne die sich daraus entwickelte Ethik, ist europäische Kulturgeschichte und unser Wertesystem nicht denkbar. Diese Grundwerte finden sie nicht im Islam nicht im Hinduismus, nicht im Schamanismus und auch nicht im sogenannten Humanismus. Wer ernsthaft den Wert eines Gottesbezuges in einer Verfassung leugnet, bedroht, die sich daraus ergebenen Werte. Gesellschaften, die bewusst sich zu gründen versuchten ohne Gottesbezug, wie z.B. der Nationalsozialismus oder der Stalinismus wurden zu menschenverachtenden, millionenfach mordenden, nicht Freiheit, sondern Terror bringenden Systemen. Eine Welt ohne formulierten Gottes-bezug vergöttert den Menschen. Wir erleben dies doch täglich im Körperkult und Gesundheitswahn. Eine Gesellschaft, in deren Denken der Mensch das oberste Prinzip, ist der Grund der schlimmsten Katastrophen, die die Menschheit bisher erlebt hat.

Ich sehe unsere Freiheit heute wieder bedroht. Der Kapitalismus agiert nach der Logik von Effizienz, Leistungssteigerung, Optimierung aller Lebenslagen. Und wir leben dabei in der Meinung, es sei frei und wir könnten alles kontrollieren. Eine Gesellschaftsform, die die unablässige Optimierung von sozialen, ökonomischen, kulturellen und körperlichen Ressourcen erfordert, die mechanisiert, sie hängt die Langsamen bewusst ab, orientiert sich an den Starken, sie verliert an Lebendigkeit.

Leben ist Beziehung und Lebendigkeit ist unverfügbar, nicht kontrollierbar. Auch dies besagt ein Gottesbezug. Er weist auf das Unverfügbare hin. Und das ist Freiheit und nicht das,  was menschlich manipulierbar ist.

Ich wünsche mir eine Welt, die nicht so technokratisch, sondern auch theokratisch ist. Wenn wir über Gott reden, dann meinen wir doch nicht den Mann  mit dem weißen Bart, der ein großes Schuldbuch auf dem Schoß hat. Wir meinen das, was Gesetze nicht zu fassen vermögen, grenzenlose Liebe.

Ja und ich würde mich freuen, wenn ein Bezug auf diese Liebe in die Landesverfassung käme.

Die Kritiker weisen auf die Trennung von Staat und Kirche hin. Ja dem stimme ich irgendwie auch zu. Aber Gott hat ja zunächst nicht nur was mit Kirche zu tun. Den Anstoß zur Volksinitiative geben Bürger aus Schleswig Holstein wie z.B. Björn Engholm und Peter Harry Carstensen. Die Kirchen ebenso wie die Islamischen und jüdischen Gemeinden des Landes unterstützen den Wunsch nach einem Gottesbezug. Gott ist das Bekenntnis, dass es mehr gibt, als das vom Menschen selber Machbare, dass eben nicht alles selbst verfügbar ist.

Trennung von Staat und Kirche -  warum kommt keiner der Kritiker des Gottesbezuges auf die berechtigte Forderung, Karfreitag, Ostermontag, Weihnachten oder Himmelfahrt zu normalen Arbeitstagen zu machen? Sollen doch die wenigen Christen, die da feiern wollen, sich Urlaub nehmen. Warum noch arbeitsfrei an christlichen Feiertagen? Beachtlich, dass dies keiner der Bewahrer der Trennung von Staat und Kirche fordert, oder nicht?

Trennung von Staat und Kirche. Ist Glaube Privatsache?

30 000 Menschen arbeiten in Diakonie und Caritas zum Wohle aller Schleswig Holsteiner. 36 700 Kitaplätze sind in Trägerschaft der christlichen Kirchen. Die weitaus größte Zahl an Friedhöfen ist in kirchlicher Verwaltung. Was hieße das, wenn Glaube Privatsache ist, dann muss ehrlicherweise das gesamte System hinterfragt werden.

Was ist so bedrohlich für die sogenannten Freidenker daran, die Möglichkeit miteinzuschließen, dass es einen Gott gibt, dass es eine Liebe gibt die übermenschlich ist? Die Anerkennung des Kontrollverlustes. Der Mensch hat aber nicht alles selber unter Kontrolle! Dass er dies hätte, ist der historische Irrtum der Aufklärung. Ich glaube, eine Gesellschaft in der der Glaube zur Privatsache erklärt wird, eine solche Gesellschaft ist ideologieanfälliger.

Wer fromm ist, muss auch politisch sein. Dietrich Bonhoefer, der vier Wochen vor Kriegsende im KZ Flossenbürg ermordet wurde von einem politischen System und seinen verblendeten Anhängern, die glaubten, ein Staat ohne Gott sei menschenförderlich, er beschreibt drei Formen, in denen Kirche ihre Verantwortung gegenüber dem Staat ausüben muss: Kirche stelle erstens die an den Staat gerichtete Frage nach dem legitimen Charakter seines Handelns.

Liebe Gemeinde, darf ein Staat aufgrund parlamentarischer Mehrheit alles tun oder legitimiert sein Handeln nicht doch auch die Verantwortung einer göttlichen Ethik gegenüber? Bonhoefer nennt das die Verantwortlichmachung des Staates. Und wenn die Kirchen ihre Kultur der Einmischung aufgeben, wer tritt dann bitteschön, für all die Opfer ein, die keine Stimme haben?

Bonhoefer führt daher weiter aus, das Kirche zweitens, den Dienst an den Opfern staatlichen Handelns verrichte. Weil Kirche sich in erster Linie denen verpflichtet weiß, die unter die Räder kommen.

Die dritte Aufgabe von Kirche sieht Bonhoefer darin, nicht nur denen zu helfen, die unter dem Rad liegen, sondern dem Rad selber in die Speichen zu fallen. Und auch in demokratischen Systemen gibt es genug Anlass, staatliche Entscheidungen zu hinterfragen wo menschliche im ethischen Kanon festgelegte Rechte bedroht sind.

Ist Glaube wirklich Privatsache?

Mein Glaube auf jeden Fall nicht.

Liebe Gemeinde,  

ich sehe die Initiative für die ich heute werbe, durchaus auch kritisch, nicht wegen ihres Inhalts, sondern der fehlenden Grundlage in der Bevölkerung. Ist es eine Volksinitiative, wenn ich den Leuten erst erklären muss, warum ich meine, dass Gott eine Relevanz ist? Eine Gesellschaft, die und das ist mein Eindruck, mehrheitlich keinen Gottesbezug lebt, ist schwer für dieses Thema zu sensibilisieren. Die Diskussion zeigt auf, welche enormen Vermittlungsdefizite die Religionen haben. Dies ist ein innerreligiöses Problem. Wenn ich Unter-schriftenlisten für die Abschaffung von Legebatterien ausläge, hätte ich weniger ein Problem das Thema zu vermitteln, als mit dem Thema Gottesbezug.  Auch wenn es schmerzt, Gott ist für viele schon ganz weit weg. Die Trauer über diesen Verlust und die Angst vor der daraus erwachsenen Bedrohung können wir aber doch nicht bearbeiten, indem wir, weil wir es evtl. politisch könnten, etwas herbeizwingen, was gar keinen Sitz im Leben mehr hat. Müssen wir uns als Kirche nicht vielmehr die Frage stellen, wie wir damit umgehen, dass die Mehrheit der Schleswig Holsteiner scheinbar lieber ohne, als mit Gott in der Verfassung leben möchte. Ihren Glauben Lebende sind eine Minderheit im Land. Was heißt das für Leben und Organisation von Kirche selbst?

Ich bin ratlos angesichts der zunehmenden Gottvergessenheit und des enor-men Glaubensverlustes. Ich und wir müssen aber lernen, das zu ertragen. Nein mehr noch, nicht nur ertragen, sondern zu verstehen, dass auch wie der Zweifler Thomas auch all die, die nicht glauben können, mit uns eine Gemeinschaft bilden. Und vielleicht spüren jene unseren Glauben an Erlösung eher, wenn wir nicht gegen sie anargumentieren, sondern sie lieben wie sie sind, ihnen den Raum für ihre Zweifel lassen und eine Kultur entspannter, fröhlicher Einladung leben.

Liebe Gemeinde, mit ihrer Unterschrift unterstützen sie zunächst das weiter über das Thema diskutiert wird mit dem Ziel ein Volksbegehren  oder vielleicht sogar eine weitere parlamentarische Debatte zu erwirken. Und das möchte ich ganz deutlich sagen, dass über Gott gesprochen wird ist natürlich ein Effekt der Volksinitiative, die wir alle begrüßen.

Für Gott in Schleswig Holstein,

als Pastor ist es auch meine Aufgabe auf die spirituelle, ethische und soziale Bedeutung einer Gesellschaft ohne verfassten Gottesbezug hinzuweisen. Ebenso möchte ich die Glaubenden ermutigen, neue Wege zu suchen einer Kirche, die Raum einer Minderheit in der Gesellschaft ist und nicht mehr Volkskirche. Lasst uns leben mit uns und allen versöhnt als Menschen des bewegenden Geistes Gottes.

Amen Halleluja

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Trau Dich,

sei sein Schaf

 

Ich bin der gute Hirte

Sie kennen dieses Bild…

Wer vermeintlich etwas auf sich hält, hat dieses Bild auf den Dachboden entsorgt, versucht es auf Flohmärkten zu verkaufen und schüttelt verwundert den Kopf ob solchen Kitsches.

Und ich kenne viele, die sich wähnen, erwachen zu sein, modern, selbstbewusst und aufgeklärt, die haben dieses Bild von der internen Festplatte kindlichen Glaubens gelöscht, oder verbergen es in einer Erinnerungsecke, in die man nur gelegentlich einen Blick wirft.

Wer will heute noch ein Schaf sein?

Sei doch nicht blöd heißt es, sei eigenständig, zieh doch nicht mit der Herde, man will sich doch von der Masse abheben, folge doch nicht dem Ruf eines anderen, du Allein bestimmst.

Auch engagierte Christen verbanden negative Assoziationen mit dem Bild des guten Hirten. Sie vermuteten dahinter eine verordnete Unmündigkeit und einen persönlichen Autonomieverlust. Der Hirte könnte ja was wollen, was ich nicht will.

Liebe Gemeinde,

Ich habe dieses Bild wiederentdeckt auch mit Hilfe meines Hausbibelkreises. 

Mehr als die Fremdgelenktheit und den unindividuellen Nachfolgetrieb, war uns im Gespräch das Bild des Trostes, welches der Gute Hirte auslöst.

Eigentlich tut es doch gut, um einen guten Hirten zu wissen.

Eigentlich sehnen wir uns doch auch nach Geborgenheit und der Möglichkeit, sich fallen zu lassen- sich, das eigene Selbst, mit allem Phantastischen und allem Niederschmetternden aufgehoben zu wissen. Warum dann diese Angst, Schaf zu sein in der Herde Gottes?

Ich möchte gerne das auf den Dachboden verbannte Bild abstauben und zurückholen in die Möglichkeit unseres Empfindens.

Mein Herr und mein Gott

Nimm alles von mir was mich hindert zu dir

Mein Herr und mein Gott

gib alles mir, was mich fördert zu dir,

Mein Herr und mein Gott, nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen dir.

Selber Ganz sein dürfen, weil ich in ihm sein darf,

um wieviel entspannter und unaufgeregter könnte ich  zu mir und für andere sein.

Er kennt mich. Das ist keine Bedrohung, das ist eine Entlastung, ich muss ihm Nichts vormachen.  Ich muss mich nicht behaupten. Ich muss mich im Druck der Andern nicht immer neu erfinden um originell zu sein. Für ihn, der mich führt in das Land , das keine Grenzen kennt, der weiß , was mir fehlt, der meinen Ruheplatz findet, für ihn bin ich ein Original,

unverwechselbar und einmalig.

Ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich,

Meine Lieben, dieses Hirtenverhältnis ist ein Dialogisches. Das ist eben der berührende Punkt, im wahrsten Sinn des Wortes, für all diejenigen, für die der Gute Hirte unnahbar scheint, für diejenigen, die an der Existenz Gottes zweifeln. Das menschliche Autonomiebestreben hat uns in unserer Grundexistenz vereinsamt. Und als diese vereinsamten auf selbst gewählten Pfaden mit den Schicksalsschlägen des Lebens Hadernden, blöken wir plötzlich nach Gott und wundern uns, dass er uns so fern erscheint. In der Not zweifeln wir, weil wir an den grünen Wiesen, uns nicht haben lieben lassen.

Gott zu kennen, heißt doch auch, sich auf ihn einzulassen und mit ihm in Beziehung zu treten. Spiritualität durchdringt das eigene Leben und wirkt nicht wenn es nur zu abrufbaren Zeitpunkten bereit zu sein hat.

Der Herr ist mein Hirte

und es ist erleichternd, sich von ihm führen zu lassen,

auch wenn ich deswegen Leid und Schmerz nicht verstehe, weiß ich doch um mein Geliebtsein, gerade in Momenten des Verlustes.

Liebe Gemeinde,

auch wenn ich von Amtswegen seit nunmehr 15 Jahren den Titel Pastor trage und ich gestehe ab und zu darauf Wert lege, dass diese Anrede aus Respekt vor diesem Dienst auch verwandt wird, weiß ich doch, dass ich im Sinne des Johannesevangeliums nicht der Pastor, der Hirte bin.

Ich gehöre zu der Gruppe der bezahlten Knechte. Ich kann nicht der perfekte Hirte sein. Ich werde niemals allen alles sein können und immer wieder werden Menschen aus der mir anvertrauten Herde die Erfahrung machen, dass sie sich wie vom Wolf zerrissen fühlen und ich konnte ihnen nicht die Hilfe geben, die sie erwartet haben. Ich bitte Sie und Euch, mir dies zu vergeben!

Der Gute Hirte gibt sein Leben für die Schafe. Der bezahlte Knecht gibt soviel seines Lebens wie ihm möglich.  

Auch darin liegt der Trost und die Kraft des Bildes vom Guten Hirten. Nicht das „Bodenpersonal“ ist der Hirte.  Wir sind Menschen mit unseren Grenzen. Und wer sein „in der Kirche sein“, und Kirche ist mehr als Menschenwerk- es ist die Lebens- und Kommunikationsgemeinschaft mit Gott, wer diese Gemeinschaft abhängig macht von den bezahlten Knechten, dem mangelt es, entschuldigt bitte, an einem persönlichen Verhältnis zum Hirten, und das ist Jesus Christus allein. Er sammelt die Herde.

Er sammelt die Herde und diese Herde wird viel größer sein, als wir uns das denken. Wir brauchen uns da gar nichts einbilden. Es ist gut, das wir als Kirche und Gottesdienstgemeinschaft mit dem Unaussprechlichen in Beziehung treten. Es ist gut, wenn wir aneinander wachsen und im Alltag solidarisch mit uns und füreinander das neue Jerusalem erbauen. Es ist gut, dass wir als Christen diese Aufgabe übernehmen, aber die Herde für die Jesus Christus der Hirte ist, die wird größer als die Gemeinschaft Kirche sein. Ein Hirte und eine Herde; dies ist Vision und Zusage in Einem. Das Bild des Hirten lebt aus einer Spiritualität der Einheit. Alle Menschen sind eins. Uns verbindet mehr als uns trennt: unsere Ursehnsucht nach Geborgenheit, sich fallen lassen, nach „Schaf sein dürfen“ behütet wunderbar, macht alle Menschen zu einer Herde. Eine Welt, die sich begreift als eine Herde, wie einfach könnte das Leben doch sein.

Liebe Gemeinde,

so ist es doch ein Lebenssignal von Vertrauen und Glauben an das kommende Reich Gottes, wenn wir uns trauen,  Schaf zu sein.

AMEN

 

 

 

 

 

 

 

Thomas genannt der Zwilling, einer der Zwölf

 

Liebe Gemeinde,

die Auferstehungsgeschichten der Evangelien beschreiben einen enormen Umbruch in der Möglichkeit der Menschen, im Leben, auch mit den eigenen schmerzhaften Lebenserfahrungen,  zusammenzuwachsen.

In der Erzählung des Zweifels des Thomas begegnet uns die uns allen immer wieder betreffende Frage nach dem Warum und einem Gott, der Leid zulässt. Wie kann diese Erfahrung, dieser schmerzhafte Bruch der menschlichen Existenz, geheilt werden?

Alles Leid kann dazu führen, dass der menschliche Zusammenhalt zerbricht. Jeder zieht sich in sich selber zurück und verbittert. Am Ende sind Menschen wie hinter verriegelten Türen, Vereinsamte, Trauernde, sich selber Aufgeben-de. Und der Graben, welcher das Leid schlägt, geht nicht nur zwischen Mensch und Mensch. Tiefer reicht die Kluft in der eigenen Person, zwischen Denken und Fühlen, zwischen Verzweifeln und Hoffen, zwischen dem Mut zum Leben und dem Zerbrechen jeglicher Kraft dazu. Der Zweifel des Thomas ist wie der Klageruf einer ganzen Menschheit. Und dann diese hinwegtröstenden Phrasen, die wir alle kennen: die Zeit heilt alle Wunden; das Leben geht weiter; man darf den Kopf nicht hängen lassen; Niemand will das hören. Worte gut gemeint, die aber den Abstand zwischen Menschen nur wachsen lässt. Abstand zwischen denen, die schnell wieder Tritt gefasst haben und denen, Denen das Leid den Boden unter den Füßen gerissen hat.

So ging es auch dem Thomas genannt der Zwilling einer der Zwölf, der aber bei der ersten Auferstehungserfahrung seiner Freunde nicht dabei gewesen ist. Wie hilft man einem Menschen über den Abgrund seiner Verzweiflung, dem das Beste in seinem Leben genommen wurde? Er lässt sich nicht ein X für ein U vormachen. Thomas möchte ja glauben. Sehnsucht und Verlangen verspürt er genug, aber sein Denken verlangt nach Gründen. Zwischen Herz und Hirn, da geht ein Riss, der sich nicht schließen will. Die Zwillingsseiten des Menschen und die Suche nach der inneren Einheit.

Thomas genannt der Zwilling, jeder von uns kennt ihn.

Thomas möchte über seinen Schmerz getragen werden mit etwas, das sich wirklich erfahren lässt. Er möchte nicht belehrt werden, er muss spüren. Er möchte seine Hände in die durchbohrte Hände Jesu legen. Das ist ihm wie ein Beweis.

Hände verkörpern Willensäußerungen. Als Erstes lernt der Mensch zuzugreifen. Kindern auf die Hände zu schlagen verfolgte gerade dieses: du hast kein Recht, dir etwas zu nehmen. Du hast zu bitten, zu warten, aber nicht eigenhändig etwa zu fordern.

An der Seite Jesu durfte Thomas eigenhändig leben. Die durchbohrten Hände Jesu muss er berühren und spüren als wieder lebendig um an das eigene eigenhändige Leben glauben zu dürfen. Das ihm Geschenkte ist nicht wieder festgenagelt worden.

Jeder hat das Recht, die eigenen Hände, die eigene Wunschwelt zu entfalten.

Thomas muss seine Hand auch in die durchbohrte Seite Jesu legen. Sind mit dem Tode Jesu alle Herzenswünsche aufgespießt? Müssen alle wahren Regungen der Herzen in dieser Welt im wahrsten Sinn des Wortes ausbluten? Manchmal reichen schon die Mittel permanenter Ironie, hämischer Besserwisserei und Empathie freier Kritik, um Menschen abzugewöhnen, auf das eigene Herz zu hören. Thomas indessen muss an der Seite Jesu gespürt haben, dass ihm sein eigenes Herz, sein eigenes Gefühl wiedergegeben wurde. Und alles was er verlangt, um zu glauben, ist, wieder so fühlen zu dürfen. Sein Herzensinneres ist nicht mit Jesus ausgeblutet. Das in ihm erweckte, es lebt mit Jesus weiter.

Die Erfahrung, die Thomas macht lässt sich aber weder befehlen noch dogmatisch verordnen. Sie gestaltet sich wie von selbst aus den Händen und dem Herzen Gottes oder eben nicht. Es ist vor allem ein Prozess. Dem Zweifel und der Frage des Warum liegt doch ein enormer Schmerz zu Grunde. Den kann man nicht wegsäuseln mit frommen Sprüchen. Menschen, die die Frage nach dem Warum zermürbt, brauchen eine beliebig lange Zeit, um dem Schmerz Raum zu lassen. Es ist eine sehr sensible innere Erfahrung, die es Thomas gestattet, dass, was ihn in der Gestalt Jesu leben ließ und was ihm durch seinen Tod genommen schien, wiederzufinden,

indem er Schritt für Schritt, Wunde für Wunde, dem Verlust nachgeht. Nur so kann er sich selbst in der Gegenwart als lebend entdecken und Jesus an seiner Seite.

Mein Herr und mein Gott

Glauben bedeutet in dieser Art, ein langsames Reifen zu sich selbst. Der Glaube an Jesus als 

Mein Herr und mein Gott

setzt sogar ein heil werden in sich selbst voraus.

Du bist mein Gott

ist das Ergebnis eines Prozesses des mit sich Zusammenwachsens. Dafür erhält Thomas zunächst die Möglichkeit, allem Schmerz, allem Verlust noch einmal gegenüber zu treten und nachzuspüren, bis er fühlt:  Das, was mich meint, was mich leben lässt, ist nicht tot. Ich darf leben, wirklich Ich.

Der Unaussprechliche, der ganz anders Große, er lässt mich, er ermöglicht mein Ich-Sein und er ist nicht tot.

Und niemand von außen ist über diesen inneren Prozess Bestimmer oder Richter.

 

Liebe Gemeinde,

Thomas ist einer der Zwölf. Auch im Moment, wo er nicht anwesend war, bei der ersten Auferstehungserfahrung seiner Freunde, war er doch Teil der Gemeinschaft.

Die Gemeinschaft, die sich im Geiste Jesu formte, schloss niemanden aus. Sie gründete sich auch nicht in einem dogmatischen Anspruch. Es war dem Thomas möglich, auch wenn er sich kategorisch weigerte, von den anderen eine ihm selbst fremde Erfahrung zu übernehmen, nicht nur geduldet zu werden, sondern weiter als einer von ihnen betrachtet zu werden. Für die anderen gehörte er weiter dazu – mit seinen Zweifeln, mit seinem „Selber Erfahren Wollen“.

Wie gehen wir heute mit Menschen des Zweifelns um? Wir vermeintlich Gläubigen fühlen uns zunehmend in dieser Welt des Gottvergessens heraus-gefordert, unverstanden und provoziert. Berge an Papier produzieren engagierte Theologen, um die Thomasse von heute zu überzeugen. Ich mache da auch fleißig mit. Alle möglichen Ideen werden entwickelt, um die Auferstehungsbotschaft modern und verständlich weiterzugeben. Und mir geht es jedenfalls so: es ist mühsam und schmerzvoll. Vielleicht liegt es an meiner Ungeduld, vielleicht an der mangelnden Geduld der Kirche, vielleicht an mangelndem Glauben. Denn die Erfahrung des Thomas gestaltet sich von Gott her und dem inneren Prozess, den seine Freunde Thomas erlauben zu durchleben.

Vielleicht müssen wir umdenken.

Ist unser ganzes Bemühen wirklich einladend?

Steckt dahinter nicht vielmehr unser Denken: wir hier drinnen, im verriegelten Raum und die Thomasse da draußen.

Spüren die Thomasse unserer Tage, dass sie dazu gehören, dass ich ihnen ihre Zweifel und ihr „Sehen Wollen“ nicht übel nehme, ihnen gar den Raum und die Zeit lasse, die sie brauchen?

Ja, ich bin ratlos angesichts der zunehmenden Gottvergessenheit, des enormen Glaubensverlustes. Ich und wir müssen aber lernen, das zu ertragen. Nein mehr sogar noch- nicht ertragen, sondern auch die Zweifler sind Erlöste, gehören zu unserer Gemeinschaft, auch wenn sie den Weg in unseren Raum nicht nehmen.

Dass ich mich als erlöst erspüre, kann ich nicht glaubhaft weitergeben, mit krampfigen,  gutgemeinten und gerne immer neu aufgepeppten Versuchen der Glaubensweitergabe. Worte sind wahrlich genug gemacht in den letzten 2000 Jahren. Die Thomasse wollen spüren und nicht belehrt oder neu motiviert werden. Sehnsucht ist ja da!

Vielleicht erspüren die Zweifler etwas von der Botschaft des Auferstandenen, wenn Kirche deren Fragen und Enttäuschungen einfach stehen lässt und verstehen lernt, anstatt dagegen an zu argumentieren und an zu pastoralisieren.

Vielleicht erspüren die Zweifler etwas von der Erlösung, wenn ich nicht  das Gefühl der Enttäuschung und des „ihr Müsst aber“ rüberbringe, sondern vielmehr jedem seine Zeit zubillige, jeden in seinem Schmerz zulasse.

Vielleicht erspüren die Zweifler etwas von Gottes Nähe wenn ich selber aus der Spiritualität lebe: wir sind alle eins. Und nicht ich bewerte, wem sich Gott wie zeigt und wem nicht. Gott ist der Handelnde, Kirche ist eine Einladung.

Liebe Gemeinde,

die Zukunft der Kirche hängt nicht daran, diesen Raum hier wieder zu füllen. Kirche ist unendlich mehr. Das Heil der Auferstehung lässt uns alle eins sein.

Mein Herr und mein Gott

 

Ich wünsche jedem von uns, dass er und sie so zu sprechen vermag und wir alle es glaubend erfassen mögen, dass dieses Bekenntnis nicht exklusiv ist, sondern inklusiv: jeder Mensch, der den Weltenschmerz teilt, der seine Hände in die Wunden der Welt legt berührt den Schmerz Gottes und ist auf dem Weg der Verwandlung. Wir sind alle eins.

Der Herr ist auferstanden

Er ist wahrhaft auferstanden

Halleluja

 

 

 

 

Palmarum

 

„Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit“

Nanu ein Adventslied, es ist doch kurz vor Ostern. Wer den Text ungefähr kennt, der ahnt aber, dass gerade dieser „Adventsschlager“ das passende Lied zum heutigen Palmsonntag ist. Die Woche in der die Christen des Todes und der Auferstehung Jesu gedenken, beginnt mit seinem Einzug in die Stadt Jerusalem.

 „Sanftmütigkeit ist sein Gefährt“. Auf einem Esel reitet er in die Stadt und „Zweiglein der Gottseligkeit“, Palmzweige, werden ihm entgegengestreckt. Das es eben ein Esel ist auf dem er reitet ist eine  gezielte Provokation. Denn es steht in den Texten der Propheten, dass der Messias, der neue König, auf einem Esel durch das David‘s Tor reiten wird. Die ganze Dramaturgie dieses Tages ist eine bewusste Inszenierung des Anspruchs Jesu, „ein König aller Königreich zu sein, ein Heiland aller Welt zugleich“. Jesus fordert die Besatzungsmacht heraus. Er setzt ein politisches Zeichen.

Liebe Gemeinde,                                                                                                                     ja Christentum ist auch politisch, weil Jesu Botschaft vom Hereinbrechen des Reiches Gottes auch politisch war. Seine Ansprachen zum Thema Steuer zahlen und der Rangordnung in seinem, d.h. Gottes Reich, waren politische Aussagen. Und sein Empfang in der Stadt Jerusalem dessen wir heute gedenken, zeigt, wie sehr seine Ideen die Massen auch bewegen konnten. Jesus hatte Einfluss. Er wurde immer mächtiger. Er war glaubhaft und wirkte durchsetzungsstark.

So einen als starken Mann im Staate, Hosianna. So einen als Staatslenker, das täte gut auch für das eigene Ego. Alle anderen, die etwas wollen, ob Kredite, Finanzausgleiche, Schuldenerlasse, würden sich vor ihm klein machen und ihm die Füße küssen. Das würde uns selber mächtig machen, vom Gefühl her.

Aber die Politik dieses Mannes aus Nazareth, der da auf einem Esel einreitet, würde gerade alles umdrehen. Alles, was wir meinen von Politik und Macht verstanden zu haben, wie wir meinen, dass es funktioniert, dreht dieser Mann einfach um. Die Ethik Jesu ist gerade umgekehrt unseres üblichen, ach so vertrauten und gewohnten Kalküls. Und das ist das Ungeheuerliche, das Skandalöse, das uns Angsthasen Provozierende. Das was wir nicht ertragen können und ein ums andere Mal ans Kreuz schlagen:

Die Grundordnung, die sich Jesus vorstellt besteht im Mut, sich klein zu machen.

Nicht herrschen befreit

Nicht recht haben wollen setzt Recht durch

Nicht Macht, Alles zu tun ermächtigt Menschen zu begleiten und zu führen,

sondern Mut zu dienen – Demut- setzt Kräfte in anderen frei,

in Achtsamkeit auf den Anderen achten erweckt im Anderen das, wovon er wirklich leben kann,

und Ohnmacht, hinhören, nicht alles selber tun wollen, mitleiden, der Kraft des Schweigens Raum lassen, schenkt Menschen die Macht, Ihr Leben zu führen.

In der Ordnung Gottes, die Jesus verkörperte, lässt man sich nicht die Füße küssen, man küsst anderen die Füße. Wahre Würde, Respekt und Macht verdienen, die, die arm und bittend sind. So sieht das Königreich Gottes aus für das Jesus eintritt und für dessen Umsetzung er in Jerusalem einreitet. Ein System in dem es nicht um Leistungsstärke und Effizienz geht, sondern um Solidarität und Teilen, der Traum eines solchen Landes ist damals wie auch heute anarchisch, so ist aber Reich Gottes.

Und Jesus erwartet dafür auch eine Entscheidung von der religiösen Oberklasse. Also von uns Pastoren und Bischöfen. Verwalten wir den Glauben oder leben wir Anbruch des Reiches Gottes. Begleiten wir Menschen hin zu ihrer Sehnsucht nach diesem Reich Gottes oder ist Kirche nur noch ein um sich selbst drehender Verein?

Liebe Gemeinde,  

Religion wie Jesus sie lebte, ist angesichts des nahen Reiches Gottes keine Religion, die von bezahlten Hauptamtlichen dominiert wird. Nicht der rechte Vollzug des Kultes am Tempel ist wesentlich für den Glauben, sondern eine wahre Umkehr der Herzen. Das Anbrechen des Reiches Gottes bedarf keiner Vorbeter. Es bedarf eines jeden von euch. In Gottes Reich haben auch nicht die Mächtigen das Sagen, sondern die Barmherzigen, nicht die von Beamten verwaltete Religion, sondern unsere Herzen werden der neue Tempel Gottes sein und Jerusalem ist überall dort, wo Menschen Gott in ihr Leben einlassen.

Wir können den heutigen Palmsonntag feiern, wie jeden Sonntag auch. Oder wir machen Brunsbüttel zu Gottes  Jerusalem. Hier wo wir leben will Gott Einzug halten. Wir sind eingeladen nicht einfach nur den Gottesdienst abzusitzen, sondern Gott einzulassen in unsere Mitte, in unsere Straßen, in unsere Nachbarschaften, in unsere Herzen

Macht hoch die Tür, die Tor macht weit!

Gott will kommen, wir müssen ihn nur einlassen!

Wenn nicht wir Christen Gottes verwandelnder Kraft eine Chance geben, wer denn dann?

Liebe Gemeinde,                                                                                                                  Manfred und ich waren am vergangenen Wochenende in Barcelona. 1 1/2 Tage nach unserem Rückflug stürzte auf gleicher Route der Germanwings Flug ab. Natürlich sind unsere Gedanken und Gebete sehr bei den Angehörigen der Verunglückten. Wir werden auch in diesem Gottesdienst im Gebet ihre Trauer teilen. Und eine Nebenbemerkung: der journalist voyeuristische Hype der Medien auf die Familie des Copiloten finde ich schlichtweg widerlich.

In Barcelona nahmen wir uns einen halben Tag Zeit für das wahrscheinlich beeindruckenste Bauwerk der Jetztzeit, die Sacrada Familia. Kein Wolkenkratzer, kein Fußballstadion, eine Kirche ist der aktuelle archetektonische Höhepunkt menschlichen Geistes. Ihr Baumeister Antonio Gaudi erschuf ein einmaliges Glaubenszeugnis. Inmitten eines atheistischen Stadtviertels und geprägt von einem gottfeindlichen Zeitgeistes baut er ein neues Jerusalem. Betritt man die Kirche durch das Portal des Leidensweges, so ist im Fußboden die Bildszene des Einzugs in Jerusalem eingelassen. Steht man im Innern dieses lichterfüllten Raumes, werden alle Blicke permanent in die Höhe gezogen. Und in was für eine Höhe. Der Raum scheint kein Ende zu nehmen. Seine Formgebung entnimmt Gaudi der Natur.

Alles ist Gott. Gott hält hier bei uns Einzug: inmitten aller Gottvergessenheit, inmitten sozialer Spannungen, inmitten wachsender Entfremdung von der Kirche hält Gott Einzug. Es gibt kein anderes, kein besseres Jerusalem auf Erden als eben diese Realität.  Und hier ist jeder von uns aufgefordert den Palmsonntag Realität werden zu lassen.

Wo Menschen die Tore ihrer Herzen für das Kommen Jesu öffnen, leben sie Gottesbezug. Lasst Gott ein!

Und ich möchte hier nochmals für die guten Gründe eines Gottesbezugs in unserer Landesverfassung werben. Es hat eben nicht rückwärtsgewandtes, ganz im Gegenteil. Ein Gottesbezug ist völlig realitätsbezogen und das ist es, was seine liberalistischen Gegner meiden, Realität. Die sich als aufgeklärt, liberal bezeichnenden Gegner ertragen nicht, dass unsere Welt eine Welt der Grenzen ist, der Grenzen zwischen Verstehbarem und Unverständlichen, der Grenzen zwischen erkennbarem Raum und Unendlichkeit, der Grenzen zwischen Freude und Lust und Trauer und Verlust. Die Katastrophe dieser Woche macht aber gerade diese Grenzen deutlich. Der Mensch allein hat eben nicht alles unter Kontrolle. Warum fällt es uns so schwer trotz täglich sichtbarer Beispiele, dies zu akzeptieren? Der Glaube an die Technik oder gar an die Menschheit, wie in Diskussionen immer wieder behauptet, der ist doch zum Scheitern verurteilt, das beweisen die letzten 200 Jahre auf dramatische Weise.

Aber, es ist auch wahr, der Palmsonntag ist der Anfang eines Leidensweges. Und das letzte Buch der Bibel, die Apokalypse schildert eben das Scheitern der Menschheit.

Liebe Gemeinde,                                                                                                                     die Realität beweist, wie sehr wir auf Gott verwiesen sind, wie begrenzt unser Machen ist und das Undenkbare faktisch gegeben und daher ein Gottesbezug notwendig ist. Gaudi hat diese Welt der Grenzen und des sich darin offenbaren-den Gottes in seiner wundervollen Kathedrale bezeugt.  Ich bitte sie alle als bekennende Christen in ihren Möglichkeiten in der Öffentlichkeit auch Zeugnis zu geben für die Wirklichkeit Gottes in unserer Zeit. Es kommt der Herr der Herrlichkeit, ganz sicher.

 

AMEN

 

 

 

 

Predigt zu Joh. 16, 32-33

Die Welt hat ihre Spíelregeln. Das Spiel der Welt spielt aber nicht mehr vor Gott. Eigene Regeln hat die Welt sich gegeben. Wir möchten uns nicht mehr verantworten. Wir wollen keine Antwort geben müssen auf unser Leben, schon gar nicht Gott. Mit ihm zu spielen, würde ja bedeuten, eine Bindung einzugehen. Die Welt entwickelt eigene Spielregeln, um damit Unabhängigkeit zu demonstrieren und gerät dabei in immer größere Abhängigkeiten. Der gesellschaftliche Verlust des Gottesbezuges wird uns zur Endzeit begleiten, denn wer sich nicht mehr der unendlichen Energie der Schöpfung und dem personalen Jesus Christus zu verantworten meint, der wird in seiner Beliebigkeit diese Welt zu ihrer Endkatastrophe führen. Wenn ich von Welt spreche, dann, ist diese nicht nur etwas außerhalb meiner Selbst, es ist auch ein Stück von mir.

Nach welcher Regel spielt denn die Welt?

Werde stark, indem du dich mit den Starken verbindest, mit den Intelligenten, den Einflussreichen, den Sympathischen, was willst du schon allein? Alleine kann man ja nicht gegen den Strom schwimmen. Du musst dich optimieren, sonst wirst du scheitern.

Dagegen sagt die Spielregel Christi:

Sei kritisch gegen allen Götzendienst politischer Systeme und weltanschaulicher Ideologien, aller Moden und Trends, die dir einreden wollen, Gott könne nicht dort sein, wo auch gelitten und gestorben wird. Das Kreuz von Golgotha ist dein ganz persönliches Kreuz. Wir Christen stellen uns unter das Kreuz. Niemand anders steht für meine Schwächen und Defizite ein, das hat Gott längst getan. Er hat dich befreit von Fremdbestimmung. Und ja, du allein bist schön vor Gott.

Die Spielregel der Welt sagt:

Genieße dein Leben und erspare dir alle Unannehmlichkeiten und Schmerzen.

Dagegen sagt die Spielregel Christi:

Suche deinen Trost nicht in vordergründigem Genuss. Lass dir deinen Blick nicht vernebeln. Beruhige dich nicht mit Oberflächlichkeiten. Höre nicht auf, nach dem eigentlichen Sinn deiner Existenz zu suchen.

Die Welt versucht ihre Spielregeln mit Gewalt durchzusetzen. Wer sich nicht daran hält, der wird gemoppt, verlacht, bekämpft. Wer versucht anders zu spielen, der wird aufs Kreuz gelegt.

Aber, liebe Gemeinde, wer schon dem Gekreuzigten folgt, den kann diese Möglichkeit nicht wirklich berühren, denn Christus hat alle Kreuze überwunden. Und aus dieser Freiheit heraus leben wir Christen.

Diese Freiheit, dass das Kreuz zu mir gehört, dass Gottes Geschichte mit mir aber in Auferstehung mündet, diese Freiheit ist die Antwort auf die zerstörerische Angst einer Welt ohne Gottesbezug. Einer Welt, die sich aus sich selbst zu erklären versucht und daran scheitert.                                                                                                              

Die Freiheit des Kreuzes ist die Antwort auf die den modernen Menschen beherrschenden Angst vor der befreienden Bindung und der Verantwortung vor dem Allerhöchsten. Und diese Angst führt uns an den Abgrund. Der Mensch des 21.Jahrhunderts macht Apokalypse möglich.

Gott hat die Spielregeln dieser Welt besiegt. Und wenn es stimmt, dass es angenehmer ist auf der Seite des Sieges zu stehen, als im Abseits, dann empfehle ich, einem jeden von uns, unserer Gemeinde und unsere Kirche die Suche nach Freiheit, nach Gerechtigkeit, nach Glück zu 100% in einer Ausrichtung auf Jesus Christus zu begründen. Das heißt in einer personalen Beziehung. Für jeden von uns wie auch für unsere Kirche sollte das Motto lauten, weg von jeder Egozentrik hin zu erneuerter „Christozentrik“.

 

Liebe Gemeinde, 

es wird nicht reichen, in den nächsten Wochen verstärkt über den Gottesbezug in der Verfassung zu diskutieren und Unterschriften zu sammeln. Glaubhaft ist dieses Anliegen nur, wenn jeder von uns und die Kirche als Institution, diesen Gottesbezug auch lebt. Für mich ist dies natürlich auch eine Anfrage an mich selbst. Nicht Egozentrik, sondern „Christozentrik“.

Siehe es kommt eine Zeit- und sie ist schon gekommen.

AMEN

 

 

 

 

Gottesdienst zum Aschermittwoch

 

Liebe ökumenische Gemeinde,

 

folgende Episode möchte ich an den Anfang meiner Betrachtungen heute stellen: es war ungefähr 10 Tage vor Weihnachten, dass ich in unserem beliebten Edeka Markt an der Kasse stand. Vor mir eine Mutter mit quengelndem Kind. Der Einkaufswagen nebst dem Notwendigen reichlich gefüllt mit Modenaschkram. An der Kasse dann bestand das Kind auf den Einkauf weiterer ja so verführerisch angerichteter Süßigkeiten. Wer mich von Ihnen kennt, manchmal kann ich ja einfach meine Klappe nicht halten, mischte mich dreist in die Szene. Ich sagte zu dem Naschkätzchen: wenn du heute schon sooo viele Süßigkeiten bekommst, dann freust du dich doch gar nicht mehr über deinen bunten Teller an Weihnachten. Das Kind schaute verdutzt und die Mutter nicht weniger. Sie stimmte mir zwar zu, blieb aber bei ihrer Appeacementpolitik und tat was ihr Kind von ihr verlangte.

 

Wir verlieren die Maße. Es ist alles gleich. Ob Fastenzeit oder Advent, welcher eigentlich auch eine Fastenzeit ist, ob Ostern oder Kindergeburtstag, merkt man noch Unterschiede? Wir werden zunehmend maßlos, was sich dann, wenn es mal etwas zu feiern gibt darin äußert, dass es immer größer und doller werden muss, damit es sich noch irgendwie anders anfühlt. Gehetzt und verführt von der Konsumindustrie und nicht Willens, sich selbst zu beschränken, wird das Maß, unsere Angst, etwas zu verpassen, wird das Maß unser Stress permanenter Genusshöhepunkte. Wenn ich stets versuche, mir alles zu gönnen, hat der erfüllte Wunsch keinen besonderen Wert mehr.

 

Und heute nun beginnt die Fastenzeit. Es ist die Einladung, wieder ein Maß zu finden. Es ist die konkrete Möglichkeit zu Entschleunigung. Mäßigung ist eine Lebenshaltung, die kein Selbstzweck ist, sondern der Weg zu anschließender maßloser Freude. Wenn die Fastenzeit uns einlädt, etwas zu lassen, geht es dabei nicht um den Verzicht, um des Verzichtens wegen. Wenn ich im rechten Maß der Fastenzeit lebe, hat das kommende Osterfest doch einen viel heraus-ragenderen Charakter. Es geht beim Fasten eben nicht um ein Weniger, es geht um ein Mehr!

 

Das Wort fasten leitet sich aus dem Gotischen fastan ab:  halten, beobachten, bewahren.

 

Was bewahre ich, wenn ich von etwas loslasse?

 

Woraus lebe ich?

 

Welche positiven Erinnerungen kehren wieder, wenn ich nicht alles für selbstverständlich nehme?

 

Was gewinne ich im Weniger?

 

Was gewinnt mein Umfeld?

 

Was beobachte ich an Veränderungen?

 

Veränderungen sind Lebensqualität!

 

Worauf kann ich mich wieder freuen, wenn ich mal darauf verzichte?

 

Und woran möchte ich gerne festhalten?

 

Welches Maß der Dinge ist mir eigentlich wirklich wichtig, was vielleicht im Zuge der allgemeinen Maßlosigkeit aus dem Blick gerät.

 

Liebe Gemeinde,

 

die Zeit des Maßhaltens, die Fastenzeit, ist eine Zeit der Bewusstwerdung. Was brauche ich wirklich fürs Glück. In den Kirchen haben wir in dieser Zeit keine Blumen auf dem Altar. Klar mit Blumen ist es schöner, kommt ja auch wieder -an Ostern. Bis dahin lenkt kein Blick ab, ertrage ich das Weniger, um den Blick in mich zu führen. Auch wenn wir uns alles leisten können, wird unser Leben irgendwann so kahl und leer erscheinen, wie dieser Altar. Mitnehmen kann keiner von uns etwas. Das letzte Hemd hat keine Taschen. Auch wenn wir uns noch so bemühen, es zu verbergen, es mit Maßlosigkeit zu kompensieren, vor dem Tod sind wir alle genauso nackt wie der kalte Altarstein. Mein Leben als ein Begrenztes annehmen, damit ich umso intensiver Auferstehung feiern kann, das ist Sinn von Fastenzeit. Mir selber ein Maß auferlegen, um den Wert des Eigentlichen zu erspüren, um keine Angst mehr zu haben vor dem Moment des radikalen, nackten Ausgeliefertseins im Tod. Wie soll, wer maßlos lebt, denn das letzte Maß, das keiner meiden kann, den Tod, annehmen?

 

Mein Wenig annehmen, um mich auf das Mehr, die Auferstehung zu freuen, so lasst uns Fastenzeit leben. Und so werden Diakon Motzien und ich euch auch gleich segnen:

 

bedenke Mensch, dass du Staub bist, doch Gott befreit zum Leben.

 

 

Liebe ökumenische Gemeinde,

 

jeder Vorsatz, den wir uns heute machen, jeden Verzicht, den wir für die nächsten Wochen anpeilen, ist die Bewusstwerdung der eigenen Bedürftigkeit. In letzter Lebenskonsequenz zerfällt meine Hülle zu Staub. Was tue ich für das, was bleibt, meine Seele? Wie lebe  ich Anbetracht der Tatsache, dass ich des Zuspruchs bedarf:

 

Ingo, trotz allem, was dir zur Ganzheit mit dir, zum vollen Glück, fehlt,

egal, ich,

 

Gott, habe dich so gewollt und ich liebe dich!

 

Das möchte ich erkennen. In diesem Glück möchte ich leben. Und daher:

 

Weniger ist mehr, Verzicht wird zum Gewinn.

 

Neben dem konkreten Verzicht habe ich noch einen weiteren Vorschlag für die nächsten Wochen. Die Fastenaktion der evangelischen Kirche hat ja stets das Motto: Sieben Wochen ohne.

 

In diesem Jahr: sieben Wochen ohne Runtermachen. Wir sehen gerne die Fehler und Macken, gerade bei anderen. Ich möchte jeden von uns einladen, ach Quatsch, auffordern, in den nächsten Wochen jeden Tag irgendeinem Menschen ein Kompliment zu machen.

 

Vielleicht insbesondere Menschen Komplimente machen für das Eigenwillige, was sie auszeichnet. Das Unverwechselbare im Andern zu entdecken. Und vielleicht sind wir ja auch mutig und vielleicht wagen wir es ja als lebensbejahende, frohmachende Christen die wir sind, einfach so Leute unterwegs mit einem Kompliment zu begegnen, auf der Straße, bei Frauen, oder im Friseursalon. Soll es doch in Brunsbüttel rumgehen: die Christen, die machen jetzt Komplimente.

 

Ich wünsche uns allen die Entdeckung von Mehr im Leben, denn Gott befreit zum Leben.

AMEN

 

 

 

 

2. Sonntag nach Epiphanias

Die Hochzeit zu Kana

Am Anfang der Wundererzählungen im Johannesevangelium steht die Geschichte von der Hochzeit zu Kana.

Angesichts all der Not in der Welt, von Terror, Schmerz, Hunger und Durst erscheint es mir fast lächerlich, dass Gott seine Kraft dafür hergeben mag, irgendeinem Bräutigam, dem der Wein ausgeht, nachdem seine Gäste allerdings offensichtlich alle schon bis zum Anschlag genug getrunken haben, Wein herbei zu zaubern.

Liebe Gemeinde,                                                                                                                     in dieser Erzählung geht es vielleicht auch gar nicht um irgendeinen „Hokus-pokus“, einen Partyspaß oder eine die Naturgesetze außer Kraft setzende Demonstration, sondern es geht um die Verwandlung des Lebens selbst. Deshalb steht sie wie programmatisch am Anfang des Evangeliums. Wasser, Wein und die leeren Krüge sind Traumbilder für so viel mehr. Die Hochzeit ist seit der Mensch sich in Sprache auszudrücken vermag, ein Bild für die Einheit des Menschen mit sich selbst, für die Verschmelzung von Geist und Körper, von Seele und Leib, von der Klarheit und Strahlkraft des Gottes Apoll und der Lust und Triebkraft des Gottes Dionysos. Hochzeit ist die Einheit der äußersten Gegensätze. Wenn ein Mensch selber aus den Kontrasten seiner Seele zur Harmonie findet, wenn der Himmel die Erde berührt, wenn Gott und Mensch aufhören einander unverständig gegenüber zu stehen dann ereignet sich dieses Liebeslied der Welt, dann feiert der Mensch Hochzeit, dann verschmilzt das All zu einer klangvollen Symphonie.

An diesem Tag der Hochzeit, so die Dramaturgie der Erzählung, geht das Mittel zur Freude, der Wein, aus. Maria seine Mutter, der Mensch, in der das Gött-liche Substanz angenommen hat, die Gottesgebärerin, sie macht Jesus auf den Mangel aufmerksam. Etwas schroff gibt der Sohn zur Antwort: „meine Stunde ist noch nicht gekommen“ Jeder der den Satz liest oder hört, weiß um seine Bedeutung, weil wir alle auch die ersten Hörer des Evangeliums vor 2000 Jahren wussten, wie die Geschichte Jesu ausgehen wird. Die Stunde des Gott-sohnes ist die Stunde auf Golgatha: „Herr, es ist vollbracht!“ Auch hier wird Maria wieder an seiner Seite sein. Göttliches Leben begegnet der Tiefe des Todes. Unendlicher Schmerz wird eins mit unendlicher Liebe. Die Ausweglosigkeit des Todes wird verwandelt in ein Leben in Fülle. Mehr Fisch können die Jünger nicht fischen, als mit dem Auferstandenen Jesus in ihrer Mitte. Das ganze Evangelium zieht diesen Spannungsbogen: mit dem Glauben an Jesus Christus verwandelt sich unser ganzes Leben und zwar grundsätzlich.

Wir müssten zunächst nur eines tun, so sagt Maria den Hausdienern in Kana:

„Was er euch sagt, das tut.“

Das Wunder der Verwandlung geschieht, wenn Menschenwille sich loslässt und verschmilzt mit Gotteswillen.

Das Wunder der Verwandlung geschieht, wenn ich das scheinbar faktisch gesicherte, das was sich aber entleert, bereit bin einzutauschen gegen die Vision des Lebens in Fülle, gegen das Eintauchen in den unendlichen Rausch der Liebe.

Das Wunder der Verwandlung geschieht, wenn ich dem Gottesfunken in mir die Möglichkeit gebe sich zu entwickeln.

Hierfür muss ich zunächst gar nicht viel tun: ich muss Gott nur meine leeren Krüge hinstellen.

Liebe Gemeinde,                                                                                                                     wenn ich die Hochzeit in Kana verstehe als die Vermählung von Himmel und Erde, zwischen Gott und Tochter Zion, zwischen dem Alldurchwirker und mir Bodenbehaftetem, dann werden auch die Requisiten dieser Erzählung zu Bildern.

Ich bin der Bräutigam ohne Wein.

Und meine Krüge für das Reinigungswasser sind leer. Hier wird ein bestimmtes Lebensgefühl beschrieben: naämlich Scham und Blamage. Der hier beschrie-bene Charakter hat eine negative Selbstwahrnehmung; ich hab’s nicht, ich bringe es nicht, ich kann es nicht. Ich meine, was ich den anderen zu bieten habe, sei nicht genug.  Als wäre ich ein leeres Gefäß, gefüllt war es nie, Mittelmaß und das, wo doch ringsum allen anderen alles zu gelingen scheint.

Da ist z.B. der junge Mann, der schon mit Anfang 30 am Stock geht wegen einer Nervenentzündung. Für seine Freundin gilt er als gescheitert, für seine Krankenkasse als Katastrophe, für Freunde als Belastung, seine Firma nutzt ihn aus, weil er stets mehr gibt um Erfolg zu spüren, doch Anerkennung bleibt ihm verwehrt, weil jedes Lob ihn nicht beruhigt, sondern Druck macht, noch besser sein zu müssen.

Da ist die Frau, die ständig mit ihren Versagensängsten kämpft. Sie fühlt sich wie die Müllerstochter im Märchen Rumpelstielzchen, die aus Stroh Gold machen soll. Ein ganzes Leben rinnt dahin jahrein jahraus unter Erwartungen, die nicht erfüllt werden können.

Da ist die Mutter, die sich beruflich nicht verwirklichen konnte. Sie war den Prüfungsbelastungen nicht gewachsen. Ihre Selbstverwirklichungsversuche in verschiedenen Gebieten zieht sie mit Perfektionssucht durch, weil sie gegen ihr Gefühl nicht ankommt, alles was sie tue bliebe laienspielerhaft. Maßlose Wut gegen sich und andere entzieht ihr jede Liebenswürdigkeit.

Da ist die Witwe, die ihr Leben lang meinte ihr Lebenskrug sei voll, wenn sie sich denn stets für ihren Mann zurücknähme. Und nun da er nicht mehr da ist zieht sie ein Resümee nicht gelebten Lebens. Im Nachhinein meint sie, alles falsch gemacht zu haben.

Da ist der Familienvater, den eine Ahnung umtreibt, wie das Leben sein könnte. Aber er hat Familie, er hat Verpflichtungen. Er fährt Karussell und kann nicht abspringen. Manchmal träumt er sich weit weg, um dann doch wieder sich zu schwindeln im drehenden Alltag.

Jeder von uns ist dazu bestimmt Hochzeit zu feiern, Einheit, nichts mehr abzuspalten von dem was einen auszeichnet, zu verschmelzen mit dem Bild Gottes das in mir schlummert, dass ich erahne und das in meinen Tagträumen zu leben wagt. Wie abgetrennt komme ich mir manchmal vor, von der eigentlichen Person, die ich sein möchte und das Leben geht weiter an mir vorüber, ewig Vertanes.

Das sind die leeren Krüge.

Ich müsste, so sagt die Erzählung nichts weiter tun, als die leeren Krüge Gott selbst zu überlasen. Er füllt sie mit dem Wasser der Reinigung.

Es kann passieren, wenn wir ehrlich auf das eigene Leben schauen,  wenn wir reflektieren, wo wollte ich mal hin und wo stehe ich jetzt, wenn ich so mit Gott ins Gespräch trete oder mit einem guten Engel den er mir zur Seite stellt, dass sich meine Krüge mit Tränen zu füllen beginnen. Unsere Tränen haben in der Tat etwas Reinigendes. Sie sind Folge des ehrlichen Blickes und verhindern den Ungeist des Zynismus. Wer vermag zu weinen, lässt sich berühren. Vielleicht sogar berühren von der Möglichkeit zur Verwandlung.

Unsere Einladung als Christen ist es eben nicht, wie es in einem beliebten Kirchenlied heißt, wir das Jammertal des Lebens demütig und auch noch dankbar hinnehmen. Im Gegenteil, Gott lädt uns ein zu einem Prozess der Verwandlung. Die bitteren Wasser des Lebens sollen sich wandeln in berauschenden Wein. Wenn ich denn erkennen möge, dass mein Gefühl des nicht Genügens, des Klein- und Leerseins, der Überforderung und der Entfremdung von mir selbst, das Gefühl der Entwertung nichts, aber auch gar nichts mit meiner Person zu tun hat, die ja in den Augen Gottes unendlich groß und unbeschreiblich phantastisch ist, sondern nur mit Maßstäben, die in meinem Kopf sich festsetzten gesät von Erziehung, Angst und abwertender Normierung anderer.

Unser Leben auf Erden sei wie eine Hochzeit, dies ist die Botschaft der Erzählung im Johannesevangelium. Dort wo ich Trost verspüre, in der Möglichkeit mehr aus meinem Leben zu machen,  Schritte zu wagen, dem göttlichen Bild in mir ähnlicher zu werden, darf ich auch denen, die auf meiner Hochzeit herumwuseln die Verwandlung zumuten.

Textfeld: Vorher prüfe ich die Möglichkeiten, akzeptiere ich die Risiken, wähle den richtigen Zeitpunkt und vertraue auf die Einheit mit Gott. Viel öfter, als wir es tun, können wir auch beten, um gute Entscheidungen.
Ungelebtes darf sich wandeln in Lebensrausch.

Liebe Gemeinde, 

unser Leben ist Verwandlung. Über jedem von uns ruht das unbesiegbare Versprechen der Erlösung. Meine Entscheidungen ausgelöst von Angst und Verdrängung kann ich zurücknehmen und mich dem Willen Gottes überlassen. „ Was er euch sagt, das tut“. Alles was zu mir gehört, übergebe ich Gott. Meine vielen Bedenken lasse ich los und lebe die Person, die ich immer schon lebe wollte, denn das ist Gottes Verwandlung für mich. Nur in diesem Überlassen, werde ich mir selbst gehören. Und Gott spricht zu mir nicht in den wirren Erwartungen anderer, sondern in der in mir ruhenden Verheißung auf hochzeitliches Leben. Nur in diesem Überlassen kann Gott dann zu seiner Stunde meine eigentliche Verwandlung erwirken. Der entscheidende Zeitpunkt der Verwandlung ist ja nicht die Hochzeitsfeier im Leben. Dies ist ein Entwicklungsprozess. Die Stunde, die für jeden von uns kommt und uns nicht mehr von Angst, vielmehr von tiefem Trost sein darf, ist die Stunde unseres Todes.

Jesus erwirkt jedem von uns in Tod und Auferstehung die Verwandlung von irdischem Leben in Göttliches Leben. Daraufhin leben wir Christen.

Alle unsere Lebenswandlungen haben dieses Ziel: leben in unendlicher Einheit mit dem Grund und Ursprung von Allem.

Es tut gut Christ zu sein und die eigenen Unvollkommenheiten aufgehoben zu wissen in dieser unverrückbaren Zusage Gottes: mein Leben sei eine Hochzeit, Jetzt und in Ewigkeit.         

AMEN

 

 

 

 

Weihnachtspredigt 2014

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/a/a5/Autun%2C_Dream_of_Three_Wise_Men.JPG/640px-Autun%2C_Dream_of_Three_Wise_Men.JPG

 

 

Drei Männer unter einer Decke.

Sie führen was im Schilde.

So sieht die Decke auch aus,

wie ein Schild.

Ihre Köpfe ruhen auf einem Kissen

Die Männer schlafen.

Sie tragen Kronen auf ihren Köpfen

Es sind Könige.

Lustig und vielsagend.

Die Könige gehen mit ihren Kronen ins Bett.

Wer Macht hat, legt diese nicht einfach ab.

 

Die drei Könige sind unterwegs.

Sie wollen einen neuen König begrüßen,

sozusagen einen Kollegen.

Davor waren sie, wie es sich gehört, bei dem Herrscher dieser Gegend dort

Bei König Herodes. Er wird der Große genannt.

Und ja, es ist ihm gelungen trotz römischer Okkupation für sein Königreich relativ viel Unabhängigkeit gewahrt zu haben,

er baut viel, erneuert das Staatswesen und er mordet,

getrieben von Angst ermordet er seine eigenen Kinder.

Jeder, der ihm gefährlich werden könnte lässt er umbringen.

Er ist groß auch im Blutvergießen

Unsere drei Könige wissen aber was sich gehört.

Sie erweisen der Macht ihre Referenz.

Wie schwer ist es für die Mächtigen, ihre Kronen abzulegen.

Aber sind wir doch mal ehrlich.

Das Gefühl kennen wir doch.

Auch wir haben doch oft genug Angst, dass uns ein Zacken aus der Krone bricht.

Auch wir stehen doch lieber an der Seite der Macht,

als der Ohnmacht.

Wir spielen alle das Spiel Macht mit Macht zu begegnen.

Die drei Könige sind unterwegs einen der ihren zu treffen.

Sie werden sich wundern.

Der König, dem sie begegnen wird einen anderen Weg einschlagen als den der Macht.

Die drei stecken zwar unter einer Decke,

aber sie sind verschieden,

einer schläft noch fest und tief,

er ist noch im Land der Träume.

Träume deuten unser Leben.

Träume führen uns auf Pfade, die unser Verstand gemieden hätte.

Der zweite König, öffnet schon ein Auge,

er blinzelt, na kann ich es wagen?

Was passiert, wenn ich jetzt aufwache?

Welche Entscheidung steht an?

Wegsehen ist manchmal so viel einfacher und angenehmer.

Die Augen verschließen vor dem, was mich evtl. herausfordert ist eine immerwährende Versuchung.

Der dritte König hat bereits einen geöffneten Blick.

Er schaut zu seinen Gefährten.

Er ist wach, weil er sich berühren ließ.

Was berührt uns diese Tage?

Angst oder Neugier?

Lassen wir uns vom Schmerz der Anderen berühren?

Der König lässt sich von seinem Engel berühren.

Zart und vorsichtig tupft er ihn an,

doch der König nimmt es wahr.

Würden wir eigentlich eine so leise, zarte Berührung des Himmels wahrnehmen? Und wenn nicht, warum bloß?

Der Engel weist hin auf den Stern.

Macht euch auf,

die Zeit drängt.

Begrüßt den König der Himmel.

 

Liebe Gemeinde,

die Begegnung der Drei mit dem Kind in der Krippe wird ihr Leben verändern.

Sie werden nicht mehr zu König Herodes zurückkehren. Sie werden einen anderen Weg einschlagen, einen anderen Weg, als den der Macht und Lüge, der Intrige und der Gier.

Sie bringen Geschenke mit und werden selbst beschenkt.

Das obdachlose Flüchtlingskind ist der menschliche Leib Gottes. Der König des Friedens und der Gerechtigkeit kommt nicht mit Macht. Sein Weg, sein Herrscherprinzip ist die Ohnmacht. Und das ist seine Gabe an uns: Die eigene Ohnmacht ist nicht mehr ein gefühlter Rückzug, eine Schwäche.

Meine Ohnmacht ist meine Stärke. Die Lauten haben nicht Recht. Die Wütenden setzen sich nicht durch, sie blamieren sich. Gott macht mich groß, wo ich auf Hilfe angewiesen bin, wo ich geliebt bin, ohne Leistung bringen zu müssen. Das Unscheinbare in mir, wo jeder von uns noch Kind ist, das ist göttlich.

 

Liebe Festgemeinde,

ich wünsche uns allen, dass uns Weihnachten verändert.

Das wir das Kleine wertschätzen lernen.

Das wir uns berühren lassen von den zarten Tönen.

Das wir es machen wie die Könige.

Und nicht der Macht vertrauen und unser Handeln von der Angst leiten lassen, Besitz zu verlieren.

Lasst uns wieder mehr Kinder werden.

Lasst uns einander reich machen, mit unseren Schwächen, mit unseren Unperfektheiten.

Lasst uns einander stark machen, mit dem, was uns misslingt;

lasst uns einander groß machen mit dem Mut klein zu sein, denn das sind wir in Wahrheit im unendlichen Raum des Universums.

Lassen wir uns von Weihnachten verändern

und wie die Könige neue Wege einschlagen.

AMEN

 

 

 

 

Advent 2014

 

Liebe Gemeinde,

 

Advent
Ankunft- dieses Wort ist jedem von uns aus einem ganz anderen Zusammenhang geläufig:
Wir stehen am Bahnhof, fixieren unseren Blick auf die Anzeigetafel. Um zu lesen, wann unser Zug ankommt, der Zug auf den wir warten. Nun…mit sehr großer Wahrscheinlichkeit werden wir der Leuchtschrift entnehmen, dass unser Zug Verspätung hat. Man erwartet schon fast nichts Anderes mehr.
Advent, Christen erwarten die Ankunft Gottes. Dem Täufer Johannes wird berichtet, woran die Ankunft Gottes zu erkennen ist: Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein, Taube können hören, Tote werden auferweckt und die Armen tragen die Freudenbotschaft in die Welt. Aus den Erzählungen des Neuen Testamentes wissen wir, dass viele Menschen in Israel zur Zeit Jesu diese Erfahrungen gemacht haben. Gott hatte Fleisch angenommen. Er war nicht mehr nur eine Idee, ein sich in der Dynamik des Universums zwar ausdrückendes Wort, dem menschlichen Erleben aber nicht wahrnehmbare Existenz,
er kam in Menschengestalt.
Gott machte einen Neuanfang mit uns Menschen. Aber wir wissen, wie dieser Neuanfang endete: die Welt hat das Angebot Gottes nicht angenommen. Die Ordnung Gottes, in der das Schwache im Menschen den Ton angibt, die Langsamen das Tempo, die Armen der Schatz einer Gesellschaft sind,
diese Ordnung gelebt und verkündet im zerbrechlichen Leib Gottes in Jesus aus Nazareth
wird von den Menschen abgelehnt. Und Jesus ahnt dies und geht einen noch radikaleren Weg der Nähe Gottes: er teilt all unser menschliches Leid. Gott lässt sich zerbrechen, um jedem von uns im Leid unserer Tage bis zum Einbruch des Reiches Gottes nahe zu sein.

 


Advent
Ankunft- Christen erwarten die Wiederankunft Gottes in unsere Welt. Und wenn ich sein Kommen erkenne, an dem, was Jesus Johannes ausrichten ließ…
Dann muss ich feststellen, es geht uns Christen wie uns Fahrgästen auf dem Bahnhof: die Ankunft Gottes hat Verspätung. Alle 10 sec. verhungert ein Kind in dieser Welt des Überfluss. Noch nie gab es ein so umfangreiches Artensterben auf der Erde wie in den letzten Jahren. Leben stirbt unwiederbringlich. Und in der Menschheitsgeschichte waren noch nie so viele Menschen heimatlos auf der Flucht vor Krieg, Folter, Vergewaltigung und Völkermord. Doch nicht diese Not ist uns Maßstab, sondern Gewalt und Angst zu teilen und selbst etwas zu verlieren. Nicht unsere Schwäche wird zur Stärke, sondern unser stark sein wollen zerstört Leben und Lebensraum.
Depression wird zur Volkskrankheit, weil immer weniger Menschen dem Tempo der alltäglichen Abläufe folgen können. Wir erlahmen, weil wir die Langsamkeit nicht mehr zulassen.
Hören auf das, was das Leben ausmacht können wir schon lange nicht mehr in der uns permanent umgebenden Geräuschkulisse. Feine Töne des Lebens, das Flüstern der Bäume
Regungen der Herzen gehen verloren im uns betäubenden Brummen von uns produzierten Lärms. Wir werden taub für die sanften Töne, die wahrhaft unsere Seelen zum Schwingen bringen, weil wir ständig in Geräuschen leben.
 Das Funkeln im Auge des Geliebten vermögen wir nicht mehr wahrzunehmen, weil wir den Sinn für den Zauber der kleinen Lichter verloren haben. Wir erblinden, weil wir alles permanent beleuchten.
Unendlich weit scheinen wir von der Ankunft Gottes.
Und so stehen wir weiter auf dem Bahnhof und warten.

 

Tröstet, tröstet mein Volk
Eine Stimme ruft in der Wüste
, in der Wüste unserer modernen Welt
Genau in diese Welt müsst ihr Gott einen Weg bahnen,
Täler erheben und Berge abtragen.

 

Liebe Gemeinde,
das Wort des Propheten Jesaja meint natürlich damit nicht den florierenden Autobahnbau.
Im Gegensatz zu unserem Warten auf dem Bahnsteig, sind wir in unserer Erwartung auf die Wiederankunft Gottes nicht zu reiner Passivität verurteilt. Ja, natürlich, niemand kennt die Stunde, Gott wird selbst entscheiden, aber wir können etwas dafür tun, dass seine Ankunft gelingt, dass der Zug nicht wieder vorbei fährt,
sondern Halt macht in dieser Welt und diese Welt erneuert. Der Glanz Gottes kann offenbar werden, wenn Täler aufgefüllt- und Berge abgesenkt werden.
Wenn wir denn in der Erwartung leben auf die Wiederankunft Gottes und ernst machen wollen damit und ich gehe davon aus, dass jeder von uns das will, warum sollten wir sonst heute hier Gottesdienst feiern,
dann gilt das Wort des Propheten Jesaja zunächst jedem von uns ganz persönlich: jeder hat die Erfahrung schon gemacht: ein tiefes Lebenstal durchschreiten zu müssen; eine Verlusterfahrung, Trauer, ein notwendiger Neubeginn, Unverständnis in der Familie, Angst, die Erfahrung des Alleinseins, des Nicht Verstanden Werdens, vielleicht Kontrollverlust, Abhängigkeit und Flucht in eine Sucht, „ich sehe den Wald vor lauter Bäumen nicht“.
Jeder von uns kennt das Gefühl, vor einem Berg zu stehen: Themen, die bearbeitet werden müssen, Rechnungen, die offen sind, Entscheidungen, die aufgeschoben werden, Gespräche, die nicht geführt werden, Lebenshürden, die mir als zu groß erscheinen.
Füllt die Täler auf, baut die Berge ab.
So bereiten wir Gott den Weg.
Lasst uns leben in Wahrhaftigkeit.
Nur die Wahrheit lässt uns frei leben. Und nur ein Leben in Freiheit ist das Tor, durch das Gott uns führen will.
Ein Christ, der keine Angst mehr hat vor den Lebenstälern und dem kein Berg als zu bedrohlich erscheint, weil er sein eigenes Leben ebnet,
ein solcher Christ kann eine starke Gemeinschaft bilden, die dann die Täler und Berge der Weltpolitik in Angriff in nimmt.

 

Advent
Ankunft- wir warten auf das Kommen Gottes in unsere Welt.
Vielleicht kommt er aus Afghanistan, vielleicht aus dem Iran, vielleicht als Frau
Wer will es wissen?
Aber als Christen bemühen wir uns mit all unserem Sehnen, mit all unserer Kraft, mit allen Möglichkeiten, die wir haben, eine gerechtere Welt aufzubauen.
Liebe Gemeinde, wir können nicht Weihnachten feiern, wenn uns das nicht eint.
Wir können nicht Weihnachten feiern, wenn wir nicht bereit sind, den Weg zu bereiten. Das ist wie mit dem Warten auf ein Wachstum des Industriestandortes Süderdithmarschen. Ohne Infrastruktur wird es nicht funktionieren. Die Ankunft Gottes in unserer Zeit bleibt ein moderner Konsumrausch ohne nachhaltige Bedeutung, wenn wir nicht bereit sind Gott in unserem Leben den Weg zu ebnen. Weihnachten bleibt eine Party auf dem Vulkan, wenn wir nicht bereit sind Gott in dieser Welt eine Heimat zu geben.
Und wir geben ihm Heimat, in jedem Schwachen, in jedem Armen, in jedem Flüchtling in dessen Blick uns Gott selbst begegnet.
Wir geben ihm Heimat, wenn unser eigenes Leben eine Futterkrippe wird, in der Gott leben kann, in der die Liebe Fleisch wird, grenzenlos
ohne Vorurteile, ohne Barrieren anerzogenen Anstandes, voll Lust und Leidenschaft, ohne Bedingungen, wo die Liebe lebt, lebt Gott.
Liebe Gemeinde
Ihr spürt Advent ist auch eine Zeit der Entscheidung. Die Hirten entscheiden sich, keine Angst mehr zu haben.
Die Weisen entscheiden sich, aufzubrechen in unbekanntes Land, einzig dem Funkeln am Himmel vertrauend.
Maria entscheidet sich, Gott Wohnung zu geben in ihrem Leib.
Lasst uns entscheiden, Gott den Weg zu ebnen,
heute, hier und jetzt

AMEN

Predigt zum Reformationstag 2014

 

Äußerlich wahrnehmbar läutete die Veröffentlichung von 95 Thesen durch Martin Luther die Reformation ein.
Liebe Gemeinde,
was würde Dr. Luther heute bewegen?
Mit welchen Thesen und Forderungen an die Kirche würde der Reformator heute an die Öffentlichkeit hier in Brunsbüttel gehen?
Luther wollte die Verkündigung der christlichen Botschaft wieder auf ihren Kern zurückführen. Kirche entwickelte sich zu einer Institution, der es mehr um die eigenen Belange ging, als um ihren ureigenen Auftrag. Eine Kirche aber, die nicht mehr dient, die dient zu nichts. Das galt vor 500 Jahren, wie es auch heute gilt.
Wo sind in der Verkündigung der Kirche heute die größten Defizite? Klar, ich weiß natürlich nicht, wie Luther das sehen würde. Ich kann ihnen nur meine Wahrnehmung anbieten.
1. Kernbotschaft des Christentums ist die Erwartung auf die Wiederkehr Jesu Christi.
Na da frag ich doch zunächst einmal, ob den Meisten von uns dies überhaupt bewusst ist?
Christen leben auf den Tag hin, dass Jesus Christus zurückkehrt in dieses konkrete Leben.

Und was tun wir bis dahin?
Denken Sie mal, was wir tun, wenn wir in wenigen Tagen einen tollen Besuch erwarten. Wir überlegen uns, was es zu essen geben soll. Wir decken den Tisch mit passender Deko. Wir beziehen das Gästebett. Welche Musik könnte passen? Was wollen wir dem Besuch zeigen? Was würde dem Besuch Freude machen? Wen möchten wir dem Besuch vorstellen?
Was tut die Kirche in der Erwartung des Besuches des Sohnes Gottes?
Abgesehen davon, dass ich gar nicht weiß, ob wir ihn erkennen würden, würde Jesus sich in der Kirche wohlfühlen? Was tut die Kirche dafür, dass er sich in der Welt von heute willkommen fühlen würde?
Weiß die Welt, dass er kommt?
Nutzt die Kirche ihre noch vorhandene Position, um unserer zunehmend gottvergessenden Welt laut, deutlich und verständlich anzukündigen, dass dieser Besuch kommt?
Hören tue ich diesbezüglich jedenfalls wenig. Irgendwie verständlich: ist doch mit diesem Besuch Jesu das Reich Gottes verbunden und damit das Ende aller Gewalt, die Menschen sich, einander, den Geschöpfen und der Umwelt antun, das Ende unserer sich momentan rasant selbstzerstö-renden Zivilisation. Ich weiß, sowas mag man von der Kanzel nicht hören, aber ein Verschweigen macht dies doch nicht Ungeschehen. Wir zerstören mehr als das wir neu aufbauen. Wir leben bereits von den Ressourcen, die unser Planet zu bieten hat, die brauchen wir jetzt auf d.h. die Uhr tickt.

Liebe Gemeinde,
wie bereiten wir Christen uns auf den Besuch Gottes vor?
Wie decke ich den Tisch meines Herzen?
Was habe ich ihm anzubieten?
Wen bringe ich mit?
Merkt man mir an, dass ich mich auf diesen Besuch freue?
Bin ich, der Christ, auch im Wissen um die Apokalypse, ein fröhlicher, lebensbejahender, einladener Mensch, dem man abnimmt, dass er keine Angst hat, weil er aus dem Glauben lebt; aus dem Glauben in dem es in Psalm 23 heißt: Gott führt mich hinaus ins Weite und wird mich führen an den Ruheplatz am Wasser?

Wir erwarten die Wiederkehr Jesu Christi. Christen richten danach ihr Leben aus. Ich glaube, als Kirche müssen wir die Menschen konkreter hierin begleiten.

2. Die frühe christliche Gemeinde, die Urkirche, sie lebte und hatte darin ihre Impulskraft und Ausstrahlung: durch ihre Gastfreundschaft. In der Apostelgeschichte heißt es. Sie teilten untereinander alles, was sie hatten.

Wie wird Gastfreundschaft in unserem christlichen Alltag hier in Brunsbüttel konkret? Laden wir unsere Nachbarn mal zum Gottesdienst ein? Haben wir im Blick, wer vielleicht einen Fahrservice bräuchte? Nehmen wir wahr, wem in unserer Nähe ein Besuch, eine Geste, eine Form von Zuwendung das Herz erwärmen würde?
Und das kirchliche Leben…
Empfinden Jugendliche Kirche als gastfreundlich?
Und die im Leben Gescheiterten, die Beschämten und die, denen es irgendwie nicht gelingt an unsere Angebote anzudocken,
erleben die Kirche als gastfreundlich? Und ich gestehe ganz offen: in meiner Enttäuschung über die Vielen, die nicht mehr kommen, komme ich vielleicht auch nicht immer gastfreundlich rüber.

Und mal jetzt auf den Punkt gebracht: schaffen wir es, dass jeder unserer Asylsuchenden, der es möchte, am Weihnachtsabend in einer Familie unserer Gemeinde einen zauberhaften Hl. Abend erlebt? Uops, jetzt wird’s brenzlig… Mir selbst kam der Gedanke auch erst beim Schreiben der Predigt. Aber das wäre ein starkes Zeichen.

Christen sind offene Menschen, gastfreundlich und zum Teilen bereit auch an des Deutschen heiligsten Familienfest.

3. Kirche muss ein Ort heilsamer Begegnung sein. Es war den Autoren des Neuen Testamentes sehr wichtig, herauszustellen, dass Jesus Menschen heilte. Er selbst trat in Beziehung zu den Gekrümmten, den Erlahmten, den von etwas Besessenen, denen, die erschöpft waren und nicht mehr handeln konnten. Gottes Nähe hatte etwas Aufrichtendes so berichten es die Evangelien. In die Schule Jesu gegangen, hatten auch seine Apostel diese heilende Ausstrahlung.
Der Kirche ist dies über die Jahrhunderte großteils abhanden gekommen.
Theologen werden nur mäßig in Medizin, Psychiatrie und Psychologie ausgebildet. Auch einfachstes empathisches Verstehen ist vielen meiner Kollegen nicht zuteil. Die Menschen vertrauen mehr den Ärzten als den Pastoren. Dieses Vertrauen haben wir selbst verspielt. Gar keine Frage. Obwohl es auch in unserer Kirche möglich ist
auch das ist in Vergessenheit geraten
ein Beichtgespräch zu führen,
habe ich solches in meiner Zeit als Lutherischer Pastor erst einmal erlebt. Dabei machen Psychologen nicht viel anderes: sie schaffen Raum für Gespräch, für das Spiegeln der Sackgasse, in der man steckt.

 

Liebe Gemeinde,
nehmen sie uns Pastores auch dafür in Anspruch. Wir sind nicht Verwalter eures Glaubens, sondern zu allererst Seelsorger. Eine christliche Gemeinde in Brunsbüttel muss auch der Raum für persönliche Heilungsprozesse sein.
Und liebe Mitchristen, unter uns allen soll es anders sein, als im Kegelclub oder Bürgerverein; jeder von uns soll dem anderen zum Segen werden. Keine Begegnung unter Christen sollte trostlos sein. Daran lasst uns gemeinsam arbeiten. Unser Miteinander soll jeden reich machen an Trost, an gesundem Selbst und segensreichem Wir.

Meine liebe Kollegin auf Helgoland feiert regelmäßig Segnungs-und Salbungsgottesdienste, die dort einen enormen Zuspruch finden. Sie wird sich freuen, wenn sie hört, dass dieser Schatz der geistlichen Begegnung auch bald hier in Brunsbüttel wieder angeboten wird.
Unsere Lebensbrüche, unsere Gebrechlichkeit, unsere Ängste, Verspannungen und Lähmungen haben Bedeutung auch und gerade im Leben der christlichen Gemeinschaft. Wenn nicht wo denn hier ist der Raum für Erfahrungen des Mittragens und Heilens. Überlassen wir dies doch nicht esoterischen Spinnern und korrumpierenden Sekten.

Liebe Gemeinde,
ich weiß nicht, was Martin Luther heute für Reformen von der Kirche fordern würde.
Ich glaube aber diese Drei wären dabei:
Kirche und zwar auch jeder von uns soll leben in der Erwartung der Wiederkehr Jesu Christi in unsere Zeit.
Kirche und zwar auch jeder von uns lebe gastfreundschaftlich.
Kirche und zwar jeder von uns ermöglicht heilsame und trostvolle Begegnungen.

Ich wünsche uns allen ein nachhaltiges Reformationsfest

AMEN

Predigt zum Abendgottesdienst am 29. Oktober 2014
 

Gedanken zu Apg. 3,1-10

Es ist nicht meine Art auf eine biblische Geschichte mit einer anderen Geschichte zu antworten, aber in diesem Fall mache ich eine Ausnahme, weil die folgende Geschichte das in der Apostelgeschichte beschriebene Wunder so vortrefflich beschreibt und erklärt:

Die Bettlerin und die Rose
Von Rainer Maria Rilke gibt es eine Geschichte aus der Zeit seines Pariser Aufenthaltes.

Gemeinsam mit einer jungen Französin kam er um die Mittagszeit an einem Platz vorbei, an dem eine Bettlerin saß, die um Geld bettelte. Ohne zu irgendeinem Geber je aufzusehen, ohne ein anderes Zeichen des Bittens oder Dankens zu äußern als nur immer die Hand auszustrecken, saß die Frau stets am gleichen Ort. Vielleicht kenne sie die Skulptur die Bettlerin von Barlach. So kauerte die alte Frau Tag für Tag. Rilke gab nie etwas, worüber sich seine Begleiterin wunderte. Sie gab häufig ein Geldstück. Eines Tages brachte Rilke eine eben aufgeblühte weiße Rose mit, legte sie in die offene, abgezehrte Hand der Bettlerin und wollte weitergehen.
Da geschah das Unerwartete: Die Bettlerin blickte auf, sah den Geber, erhob sich mühsam von der Erde, tastete nach der Hand des fremden Mannes, küsste sie und ging mit der Rose davon.
Eine Woche lang war die Alte verschwunden, der Platz, an dem sie vorher gebettelt hatte, blieb leer.
Nach acht Tagen saß plötzlich die Bettlerin wieder wie früher am gewohnten Platz. Sie war stumm wie damals, wiederum nur ihre Bedürftigkeit zeigend durch die ausgestreckte Hand. "Aber wovon hat sie denn all die Tage, da sie nichts erhielt, nur gelebt?", frage die Französin.
Rilke antwortete: "Von der Rose . . ."

Pastor Ingo Pohl

Predigt zum Abendgottesdienst am 8. Oktober 2014

 

„Eigentlich bin ich ganz anders,
ich komme nur so selten dazu.“

                                            Ödön v. Horvath

 

Ich kann dieses Empfinden gut nachvollziehen,
dieses Gefühl ist mir bekannt. Selbstverständlich will ich authentisch sein, echt, keine Kopie, kein Abklatsch, ein Original.

Aber es stimmt auch, dass ich versuche,
manchmal weil ich es muss,
manchmal weil es mir vermeintlich schmeichelt,
gefällig zu sein, d.h. ich,
mein ICH fällt, um anderen zu gefallen.

Dann bin ich nicht mehr das Geschenk, das Gott mir macht. Ich mutiere zu einer Rolle. Manchmal schützt mich diese Rolle, sie hilft mir
und manchmal steht sie wie eine Wand zwischen mir und dem, der ich bin, wenn ich eintauche in verschwebendes Schweigen zwischen mir und dem unendlichen Gott.

Und jeden Mittwoch lade ich sie alle ein, die halbe Stunde mitten im Alltag zu nutzen, dass jeder von uns seine Wand durchlässiger macht, für den oder die, die wir selber sind. Dann geschieht das Wunder der Begegnung,
dann ereignet sich das Wunder der Verwandlung.

Liebe Gemeinde,
stellen sie sich mal ein Chamäleon in einem Spiegelkabinett vor.
Woran passt es sich an, wenn es keine andere Umgebung hat, als sich selbst?
Pendelt es zwischen verschiedenen Tönen hin und her?
Wird es in den Wahnsinn getrieben?

Natürlich wurden entsprechende Experimente durchgeführt. Eine eindeutige Antwort kann die Wissenschaft allerdings nicht geben. Das Ergebnis ließ Interpretationsspielraum zu. Das Tier nahm allerdings jenen Grünton an, den es bei Schreckreaktionen zeigt. Bloß warum?
Die Wissenschaftler vermuten, das Chamäleon befindet sich im Spiegelkabinett in einem Zustand andauernder Furcht vor seiner eigenen verstärkten Fremdartigkeit. Das rundherum Spiegeln entfremdet. Purer Stress also vor sich selbst.

In diesem kuriosen Experiment finden oft genug auch wir uns wieder.
Ist die moderne Medienwelt nicht auch eine Art Spiegelkabinett?  Wird nicht die kleinste Lebensregung
umgehend per Selfie festgehalten, auf Facebook gepostet, per Twitter verbreitet oder auf You Tube hochgeladen?

Und auch ohne Handy,
sind wir nicht pausenlos bemüht, unser Abbild im Spiegelblick der anderen zu optimieren?

Im Büro geben wir die Gewissenhafte,
in der Familie die Kümmerin,
unter Freunden den Bespaßer,
Im Fußballstadion den Wilden,
unter Mitschülern den Coolen
usw.

Ähnlich wie das bedauernswerte Chamäleon machen auch wir die Erfahrung, dass die zahlreichen Selbstbilder auf uns zurückwirken und uns in immer neue Rollen zwingen. Und je zahlreicher die Schablonen, in denen das ICH steckt, desto ratloser fragt es sich:
Wer bin ich eigentlich?
Vorbei die Zeiten, in denen stabile soziale Gefüge unsere Identität bestimmten. Heute ist alles sich permanent verändernd, vorläufig und auf Abruf.

Wo ist die Konstante, die uns hilft, wenn alles im Fluss ist?
Und zurück zu meinem Anfangszitat: wie komme ich dahin, der zu sein, der ich eigentlich bin?

Liebe Gemeinde,
im vordergründlichen Alltag bestehe ich und jeder von uns
aus dem Pragmatismus alltäglicher Angelegenheiten. Das ist so

Aber manchmal gelingt es mir
und vielleicht sind ja unsere Mittwochabende auch für sie eine Schule dieses inneren Gebetes

manchmal gelingt es mir, die vielen Bilder,
die ich selber mache
und die sich andere von mir machen
zu lassen,
mich selbst
loszulassen,
bildlos
einzutauchen in innere Leere.

Dann erfahre ich, dass ein Augenblick um seiner Willen geschieht,
dann erfüllt mich ein Staunen,
wie kostbar das Leben ist.

Nur wenn ich vermag, mich selber loszulassen,
Distanz zu gewinnen zu Fremdbildern
vermag ich, bei mir selber anzukommen.

Und da, wo ich das berühre, was eben unverfügbar ist,
was unveränderlich ist
was da ist
berühre ich Gott.

„Eigentlich bin ich ganz anders,
ich komme nur so selten dazu.“

Gebet ist die Erfahrung zu spüren, dass wir eigentlich ganz anders sind.
Ich komme in Berührung mit dem was mich ausmacht
Und das ist eben nicht das, was ich aus mir mache, sondern was der ganz Andere aus mir gemacht hat.

Liebe Gemeinde,
haben wir Mut zum Anderssein. Nur so werden wir nicht länger ein Leben leben, wie das Chamäleon im Spiegelkabinett.

 


Lassen wir los von uns, um dem wahren Bild Gottes in uns zu begegnen. Nur so können wir der Welt, die gerade aus den Fugen zu geraten scheint, etwas von ihrer unendlich innerwohnenden Wahrheit wiederschenken.

Amen

 

2.Mose 2-3, 11-18

Wieder murrte die ganze Gemeinde Israel gegen Mose und Aaron dort in der Wüste. Sie sagten zu den beiden:“ ER hätte uns doch auch in Ägypten töten können; da saßen wir bei vollen Fleischtöpfen und hatten genug Brot zu essen. Aber ihr habt uns hier in die Wüste geführt, damit die ganze Gemeinde verhungert.“

ER sprach zu Mose:“ Ich habe das Murren der Gemeinde Israel gehört. Sage ihnen: Gegen Abend bekommt ihr Fleisch zu essen, am Morgen sollt ihr euch an Brot sättigen. Ihr sollt sehen, dass ich der Ich bin Da bin, eure Gottheit. Am Abend kamen Wachteln geflogen und bedeckten das Lager; am nächsten Morgen schlug Tau sich rings um den Zeltplatz nieder. Als der Tau verdunstete, blieb auf dem Wüstensand etwas Feines, Flockiges, wie feiner Raureif übrig. Die Leute sahen es und riefen einander zu: “Was ist denn das?“ Sie kannten das Zeug nicht. Mose klärte sie auf: das ist das Brot, das ER euch zur Nahrung gibt. Im Hinblick darauf gilt IHRE (der Gottheit) Anweisung: sammelt soviel ihr braucht, einen Krug pro Kopf der Bevölkerung.Jede Zeltgemeinschaft soll sich versorgen. Die Israelitinnen und Israeliten taten das; die einen sammelten mehr, die anderen weniger. Als sie alles Gesammelte maßen, da hatten die Vielsammler keinen Überschuss und die Wenigsammler keinen Mangel, sie hatten gerade soviel heimgebracht, wie jede Person brauchte.

Übersetzung

Bibel in gerechter Sprache 2011

 

 

Das Geschenk der Freiheit gibt es nicht zum Nulltarif

 

Die zentrale Erfahrung jüdischer und christlicher Gotteserfahrung ist das Geschenk der Freiheit.

Der Gott „Ich bin Da“ beruft und führt die Menschen in die Freiheit.                                            Freiheit von Handlungsmustern, die abhängig machen.                                                                 Freiheit von Strukturen, die den Einzelnen ebenso wie das Kollektiv in Angst und in einem Leben ohne Authentizität belassen. Gottes Weg mit dem Menschen führt aber in eigenes Land; weg von Erwartungen anderer;                                                                                              weg von Systemen und Bindungen, die die eigenen Lebensträume verunmöglichen;                    weg von bei Anderen eingemieteten Leben, hin zu Selbstbestimmung. Dem Gott „Ich bin Da“ begegnen wir im Aufbruch in das eigene gelobte Land.

Solche Lebensaufbrüche kosten Mut, bedeuten die Erfahrung des Loslassens und das Wagnis des Neuen. Vergangene Lebensmuster waren vertraut. Die Umsetzung der eigenen Lebens-sehnsucht ist konkret zunächst mit Verlust und Anstrengung verbunden. Damit der Lebens-traum wahr wird, muss auch eine Wüstenzeit durchschritten werden.                                   Jeder von uns, der solche Aufbrüche schon erlebt hat, wird dies erfahren haben: Im Wort Aufbruch steckt auch das Wort Bruch. Und gerade wenn dieser Bruch noch frisch ist, sehnt man sich, nach den „alten Fleischtöpfen“ zurück. Im Erleben der Anstrengung meinen wir, so schlimm wäre es früher ja doch nicht gewesen. Ist das ehemals Vertraute, wenn auch krän-kende, nicht doch sicherer? Angst und Selbstzweifel verlocken uns zur Flucht zurück.

Liebe Mitchrist/innen

Lassen sie uns den eigenen Lebensträumen, denn dort spricht sich Gott aus, mehr Vertrauen schenken, als den Strukturen der Angst.                                                                                          Dort, wo wir den Geist der Freiheit bewahren und die Freiheit des Anderen respektieren und schützen, dort sind Aufbrüche gesegnet.                                                                                                      Dort, wo wir dem Zauber des Aufbruchs in neues Land vertrauen, sorgt Gott für mich als öffne sich der Himmel. Das Bild von der Nahrung, die vom Himmel kommt, entspricht un-serer tiefen menschlichen Sehnsucht nach der Urgeborgenheit und unendlichen Aufgeho-benheit unter dem Licht der Sterne.

Der Gott“ Ich bin Da“ ist da, wo ich bin. ( so die Deutung des Gottesnamen nach Martin Buber) Der Traum vom eigenen gelobten Land beginnt, wo ich dem, was mich ausmacht und der Sehnsucht, die mich erfüllt, wenn ich mein Leben unter dem Glanz der Sterne betrachte, mehr Glauben schenke, als der verlockenden Flucht zurück in Strukturen fremdbestimmter Muster. Einheit mit mir, mit dem was mir der Himmel ist, mit dem Gott “Ich bin da“ kostet aber unbedingtes Vertrauen.                                                                                                                     Vertrauen darin, dass gerade die Wüstenzeit eine von Gott begleitete ist.                              Vertrauen, dass der Weg sich lohnt                                                                                                                                  Vertrauen, dass es ein Ankommen gibt in eigenem Land

und der Gott “Ich bin Da“ allezeit mit mir geht.

 

Trinitatis

 

Liebe Gemeinde

Was ist der Mensch?

Was unterscheidet ihn von einem Tier?

Der Mensch ist in der Lage nach seiner eigenen Bestimmung zu fragen.

Wer bin ich

und

Wohin gehe ich?

Was ist der Grund meines Daseins?

Was ist Ziel meines Lebens?

Und unausweichlich berühren wir damit die Frage nach Gott.

Der Mensch kann Unendlichkeit denken und hat die Möglichkeit spirituell auch mit dem Unvorstellbaren in Kontakt zu treten. Erklärte Atheisten versuchen diese Möglichkeit mit neurobiologischen Prozessen andere mit anerzogenen soziologischen Ursachen zu erklären.

Selbst die, die sich genötigt fühlen Gottes Existenz zu leugnen, müssen jedoch ja eine Idee von ihm haben, sonst würden sie sich ja nicht gegen ihn aussprechen können.

Ist diese Idee vom Menschen nur ausgedacht oder tief in ihm verwurzelt, weil wir Unendlichkeit denken können und dieses Denken sich danach sehnt mit seinem Schöpfer Die Unendlichkeit selbst in Kontakt zu treten.

Immer wieder kommt der Versuch des Menschen, Gott auszudrücken an seine Grenzen. Aber selbst das ist ein Beweis für Gottes Existenz. Dort, wo mein Vermögen an eine Grenze stößt, erahnt es doch Gott. Eine Grenze, so ist sie definiert, kann es ja nur geben, wenn etwas hinter dieser Grenze ist, sonst gäbe es keine Grenze. Und daher ist der Mensch, weil er die Unendlichkeit zu denken vermag, weil er erahnt dass es ein Darüberhinaus geben muss, ein mit Gott in Beziehung stehendes Wesen.

 

Gott zu leugnen, dafür gibt es bis heute weder eine philosophische noch physikalische Begründung, die unanfechtbar ist. Der einzige Grund, die Existenz Gottes zu bezweifeln, gibt uns das erste Buch der Bibel, die Genesis in seiner Erzählung vom Sündenfall: es ist die unergründliche Angst des Menschen vor Autonomieverlust. Denn wenn es Gott gäbe, dann hätte dies ja Konsequenzen für mein individuelles Leben. Um dies eben zu vermeiden versucht der Atheist, Gott zu leugnen, nur deshalb.

 

Ich bin fest davon überzeugt, in allen Menschen lebt das Wissen um eine Energie, die uns begrenzten Wesen unendlich überlegen ist.

Wir wissen um die verborgenen Prozesse die aus dem Staub explodierter Fixsternsonnen ganze Galaxien erstehen lassen.

Wir wissen, dass winzigste Einzeller technologisch unserer modernsten Computertechnik weit im Voraus sind. In ihnen lebt ein Speicherwissen enormer Potenz und Sensibilität.

Wir wissen, dass aus einer Haarspitze das lebendige Programm unseres menschlichen Körpers zu entschlüsseln ist.

 

Liebe Gemeinde, je mehr wir von der Natur begreifen, desto staunender und demütiger stehen wir davor.

Der Gott des unendlichen Schöpfungsprozesses hat auch uns Menschen in diesem evolutionären Geist hervorgebracht. Aber vermag der Mensch mit diesem Ursprung in Kontakt zu treten? Bleibt dieser Gott nicht auch im-mer ein Gott der Enttäuschungen? Den Gott der Schöpfung verstehen, wie könnten wir dies? Er bliebe ein Gott, der Bedrohung, des Klagens und der Hilfeschreie.

Ein anderer Weg ist nötig, um dem Gott der Schöpfung ohne Angst begeg-nen zu können. Dieser Weg beginnt für uns Christen mit Jesus aus Naza-reth. Sicher hat er den Gott des jüdischen Glaubens nicht neu erfunden, aber er hat uns einen neuen Zugang ermöglicht:

 

Du inmitten deiner Angst, vereinsamt in der Leere des Raumes, ohnmächtig in der Unendlichkeit der Zeit, in genau deinem eigenen Wesen, in der Gestalt eben deiner Seele ist etwas unendlich Einmaliges und Kostbares.

Du bist mehr als ein zufälliges Zusammenspiel von Samenzellen, mehr als ein Lotteriespielergebnis biologischer Zusammenhänge, sondern ein Wille, der dich allein so wollte, spricht sich in dir aus. Du bist der Spiegel einer unendlichen Liebe, die dich nie vergisst und die dich umgriffen hat von Ewigkeit. Jenseits der Vergänglichkeit, wird es dich weiter geben. Und alle miteinander verbindet uns diese Beziehung in Unendlichkeit. Wir alle sind Teil des Unendlichen, Söhne und Töchter Gottes.

 

Liebe Gemeinde, wir brauchen um den Gott der Schöpfung unseren Vater zu nennen, einen anderen Menschen als unseren Bruder an unserer Seite. So hat es begonnen in Jesus Christus.

In Christus

in seiner Art, sich berühren zu lassen,

in seinem Blick, mit dem er sich von Gott anschauen ließ und seine Freunde anschaute

in seiner Sprache, mit der er mit Gott sprach und sich uns zuwendet

finden wir die Kraft unserer eigenen Seele

finden wir zur Liebe.

Und dann

entdecken wir die feine, kaum hörbare Sprache unseres Herzens,

den Geist, der in uns lebt.

Es ist die tiefe Wahrheit, die wir eigentlich immer schon über uns wussten. Es ist der innere Sturm, mit dem wir gestalten. Mit diesem Geist Gottes in Einklang zu gelangen, ist die Dynamik allen Lebens. Unsichtbar und sensibel verbindet uns diese Macht des Innern mit aller Welt ringsum.

 

 

 

Und all dies ist Gott:

Der unbegrenzte Schöpfer, den wir Vater nennen,

sein Sohn, der uns Bruder ist

der Geist, der die Wahrheit unseres Selbst ist.

Gott ist dreifaltig einer!

Dreifaltigkeit ist eine sich durchwirkende Beziehung. Gott ist in sich eine lebendige Dynamik,                                                                            eine nicht endende Kommunikation.

Und wir Menschen sind hineingenommen in dieses schöpferische Gespräch allumfassender Liebe.

Jeder von uns ist dazu besselt, sich an diesem Gespräch zu beteiligen.

 

Liebe Gemeinde,

lasst uns miteinander den trinitarischen Gott in der Wirklichkeit des Lebens hier in Brunsbüttel abbilden,                                                      lasst uns in Geschwisterlichkeit für der Wahrheit des Geistes der Liebe anderen ein Zeugnis sein. So schwer ist das gar nicht

Wir müssen nur diesem Geist in uns vertrauen.

 

AMEN

 

Predigt zum Sonntag Cantate

Konfirmation

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Gemeinde

wir singen zu wenig!

Auch heute; wir hören der Kantorei zu und Pastor Marten auf der Gitarre, aber dafür dass unsere Kirche heute voll ist, klingt der Gesang etwas mau.

Noch nie wurde weltweit so viel Musik gehört wie heute. Ich z.B. greife nach dem Anlasser in meinem Auto reflexartig zum Radio.

In gleicher Weise wie wir verstärkt Musik hören, nimmt aber das selber singen ab. Wir hören lieber, als das wir selber produzieren. Ich glaube, ein echter Stimmungsverlust. Als ich so alt war wie ihr und soooo lange ist das ja auch noch nicht her, da gabs kein Lagerfeuer ohne Lieder, die wir selber gesungen haben. Vom Text her waren die schon zu meiner Jugend blöde, „wenn die bunten Fahnen wehen“, oder „kein schöner Land“…aber sie sorgten für Stimmung, für Gemeinschaft.

Singen ist eine Einladung zum Leben. Ich gebe Gefühlen Ausdruck, meine Seele bekommt Flügel. Tiefes Einatmen und Ausatmen und dabei auch noch Töne erzeugen, das gibt Energie

Echt ist so!!

Singen macht was mit denen die singen. Singen macht glücklich. Das ist erwiesen, selbst bei denen, die meinen, nicht singen zu können. Das ist wie mit dem Joggen; ist zunächst anstrengend und nervig,  setzt dann aber Glückshormone frei. In einigen Wochen ist Fussball WM. Gemeinsame Fangesänge machen public viewing doch erst zu einem Ereignis. Und mal ehrlich, da achtet auch keiner auf die Texte. Wir fühlen uns dabei gemeinsam stark; bilden uns sogar ein, irgendwie ein Teil der Mannschaft zu sein und sie zu unterstützen. Nicht anders übrigens im Gottesdienst. Der würde auch mehr Spaß machen, wenn wir alle dabei kräftig mitsängen.

Gesang überträgt Gefühle. Die können von der erlebten Gemeinschaft her rühren wie z.B. beim Fussball. Die können vom Interpreten ausgelöst werden, wie  beim ESC von Conchita Wurst, das Gefühl von es ist Wurst, jeder so wie er mag. Gefühle können auch vom Text des Gesanges ausgehen, wie beim Text der biblischen Lesung heute.

Es sind Bilder wie im Traum: ein gläsernes Meer, Feuerzungen und dazu Musik.

Der Seher Johannes ruft im Letzten Buch der Bibel ein altes Lied in Erinnerung. Das Volk Israel sang dieses Lied nach seiner Befreiung aus der Sklaverei. Mose war der Interpret. Dieses Lied besingt den Sieg Gottes. Es kann kommen, was kommt und das Volk Israel hat mehr als alle anderen schrecklichste Abgründe menschlicher Barberei erlebt und doch:                                                               Immer wenn dieses Lied erklingt erinnern wir uns mit ihnen daran, dass nicht das Böse, sondern Gott siegen wird.

Das letzte Wort in dieser Welt spricht Gott.“ Gerecht und wahrhaftig sind deine Wege, du König der Völker… Du allein bist heilig“ und deine gerechten Gerichte werden offenbar. Dieses Lied des Mose ist Ausdruck unserer jüdischen und christlichen Hoffnung, dass im Letzten Gott siegen wird. Mose sang dieses Lied nachdem das Volk Israel in die Freiheit geführt wurde, in die Selbstbestimmung, auf dem Weg in eigenes Land.

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,                                                                         

deshalb ist dieses Lied auch heute euer Lied.                                                        Wer vermag an Gott zu glauben, der wird frei. Freiheit bedeutet nicht Beliebigkeit. Freiheit ist immer Freiheit von etwas für etwas. Freiheit heißt nicht: es ist alles egal.

Ihr bekennt euch heute zu Gott, zur Freiheit. Nicht mein Outfit ist heilig. Der Zwang der Moden macht unfrei. Nicht die Zahl meiner Facebookkontakte ist heilig, dieser Zeitterror macht unfrei. Nicht die Höhe der Geschenke, die ihr heute bekommt ist heilig, Was euch so wertvoll macht ist doch nicht bezahlbar. Wer sich durch Geld definiert bleibt unfrei. Da ist einer, der ist heilig und unendlich größer als all das: Der Glaube an Gott schenkt Freiheit!

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,

die Kirche entlässt euch heute in Selbstbestimmung. Ihr könnt selber nun euch einbringen, wie Kirche sein soll. Ihr könnt als Teamer Konfirmanden begleiten. Ihr könnt Taufpaten werden. Ihr könnt euch in den Kirchengemeinderat wählen lassen. Ihr könnt auch sagen, nach dem Jahr Vorbereitung auf diesen Tag, brauche ich erstmal wieder etwas Abstand. Aber Gott lädt euch ein, jeden ganz individuell, wie damals vor 3000 Jahren das Volk Israel, jetzt eigenes Land in Besitz zu nehmen. Das ist zum einen das eigene Land des Glaubens. Und wir die Kirchengemeinde Brunsbüttel laden euch ein, uns, die wir schon in „diesem Land“ Kirchengemeinde“ wohnen zu verändern. Ihr dürft die Regeln mitbe-stimmen. Ihr dürft sagen, wie ihr es haben wollt, dass ihr euch in diesem Land wohl fühlt. Ihr könnt Mehrheiten verändern. Und wir freuen uns sogar darauf.

Und im Gegensatz zu damals vor 3000 Jahren müsst ihr nichtmals gegen Mauern anrennen; wir haben alle Türen geöffnet und freuen uns auf euch.

Bringt den Geist der Freiheit, bringt euren Witz, eure Fragen, eure Wünsche, aber auch euren Ärger, eure Zickigkeit ein in das Leben der Gemeinde. Damit bringt ihr den Geist der Freiheit Gottes nach Brunsbüttel.

Liebe Gemeinde,

Alleine singen ist doch bescheuert. Macht ersten keinen Spaß und zweitens andere halten einen auch für nicht ganz richtig im Kopf. Singen bringt nur was in Gemeinschaft.

Alleine Christsein ist auch bescheuert. Ist nämlich meist eine Lüge und funktioniert nicht. Christsein kann ich auch nur in Gemeinschaft. Nur wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind sagt Jesus, da bin ich mitten unter ihnen. Wer das anders sieht                                                                         Sorry, ist eben dann auch kein Anhänger dieses Jesus. Christsein heißt nicht vor sich alleine etwas hintrillern, sondern gemeinsam singen. Aufeinander hören, einen gemeinsamen Klangkörper bilden, gemeinsam Stimmungen erleben und Botschaften weitergeben.

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Festgemeinde,

nur so, bleibt Glaube lebendig, erneuert sich Kirche und nur so bleibt unsere Gesellschaft eine freiheitlich solidarische.

In diesem Sinne freue ich mich, wenn wir alle miteinander viel mehr singen

 

AMEN

Ostern 2014

 

 

Liebe Gemeinde,

wir feiern Ostern

Auferstehung

(übrigens nur noch jeder vierte Deutsche weiß um diese Bedeutung)

Und wir tun es heute besonders anschaulich:

Wir feiern heute auch Taufe

Taufe von

 

 

Und wir werden uns auch gleich unserer eigenen Taufe erinnern und sie erneuern.

Es gibt dafür keinen geeigneteren Tag als den Ostertag,

weil Taufe ist Auferstehung.

Mit der Taufe hat Gott uns allen zugesagt: Ihr steht auf zu neuem Leben!

 

Jeder von uns hat schon mal die Erfahrung gemacht, dass einem das Wasser bis zum Hals steht, ob in finanzieller, beruflicher oder familiärer Not. Jeder kennt die Erfahrung existentieller Not in den Strudeln der Wasser des Lebens drohen unterzugehen; dass einem alles zu viel wird; eine Welle nach der anderen schlägt über uns ein.

 

Liebe Freunde,

wie Christen aber sind  „mit allen Wassern gewaschen“.

Mit allen Wassern in dem EINEN.

 

Es kann kommen was will,

wir können in den Erfahrungen des alltäglichen Karfreitags nicht zu Grunde gehen. Weil der EINE uns in der Feier der Taufe sich an jeden von uns ge-bunden hat mit der Zusage: Ich bin der Herr dein Gott, wer an mich glaubt wird leben in Ewigkeit. Unsere All Existenz ruht in dieser Gewissheit, dass wir alle ruhen in der Aufgehobenheit der unendlichen Liebe. Und selbst wenn dann der Tag kommt, an dem wir uns von dieser Welt verabschieden mit all ihren Gren-zen, die wir erlebt haben, stehen wir auf zu neuem Leben durch den und in dem, der mit seiner Auferstehung die Todesgrenze überwunden hat.

 

Aus dem Wasser heraus, dass uns Tod bringen kann, hat Gott sich uns angetraut, dass in ihm lebendiges Wasser sei, dass wir leben dürfen in unendlich bergen-dem Trost. Nichts mehr müssen wir fürchten,

liebe Freunde

was soll uns denn passieren?

Gott ist immer größer

Und wir wérden leben in seinem achtsamen

liebenden

aufmerksamen,

bunten

phantastischen

weiten

freien

Sein

Grenzenlos vereint mit der Allwirklichkeit.

 

Liebe Gemeinde

Jedem von uns ist in der Taufe diese Zusage der Auferstehung gemacht worden.

Wir sind alle besiegelt mit dem Wasser des Lebens.

WOW

 

Wir feiern heute Ostern

Die Auferstehung Jesu

und unsere Auferstehung,

etwas Grossartigeres kann es nicht geben.

Wir werden uns unserer Taufe gleich gemeinsam erinnern.

 

Vorher darf ich fünf Mitgliedern unserer Gemeinde die Taufe spenden.

Unseren Glauben an die Auferstehung

unser Christsein können wir nicht alleine leben.

Christsein kann man nur in Gemeinschaft.

In diese konkrete Gemeinschaft der Ev. Kirchengemeinde Brunsbüttel

werden…

heute aufgenommen.

Für drei Täuflinge übernehmen zunächst stellvertretend Eltern und Paten das Bekenntnis des Glaubens.

Zwei, nämlich…

Sprechen ihren Glauben an die Unbedingtheit des Lebens selber.

Wir alle leben und feiern in der Gewissheit,

dass Gott seine Zusage an uns wahr macht:

wir dürfen leben in Ewigkeit

 

AMEN

 

 

Aschermittwoch

 

Liebe ökumenische Gemeinde,

 

Am Aschermittwoch ist alles vorbei…

Naja vielleicht nicht gleich alles,

aber es beginnt ein neuer Abschnitt im Jahresverlauf.

 

Ich glaube, es macht Sinn, dass es verschieden geprägte Zeiten im Jahr gibt. Es ermöglicht uns, in Rhythmen einzuschwingen

und verschiedenen Klangfarben des Lebens eine Bedeutung zu geben.

Tun wir dies nicht, klingt alles immer ähnlich, gehen einzelne Nuancen unter

in Belanglosigkeit. Wenn alles irgendwie egal ist, machen wir es nicht heute, machen wir es morgen,

machen wir es irgendwie nämlich gar nicht. Wir berauben uns selbst der Lebensqualität, wenn wir die Möglichkeit der Gezeiten nicht nutzen. Gerade wir hier an der Küste müssten doch dafür ein Gespür haben.

 

Und jetzt ist Fastenzeit.

 

Wieso fasten?

Warum sollten wir auf irgendwas verzichten?

Das widerspricht völlig dem, auf das der moderne Mensch von der Konsumindustrie hin konditioniert ist.

Wir wurden darauf hinerzogen, alles, was wir kriegen können, mitzunehmen. Und das möglichst billig. Geiz sei ja angeblich geil und Konsum diene der Selbstverwirklichung. Die Theorien der Marktwirtschaft deklarieren Konsum als Ausdruck der Freiheit.

Wessen Freiheit frage ich uns…

Die Freiheit der Menschen in Indien, Bolivien, Ägypten, deren Land Spekulationsobjekte geworden sind, die Sojabohnen anbauen müssen, damit wir E 10 tanken können. Denen der Zugang zu eigenem Wasser genommen wird, die abhängig sind vom Kaffeepreis an der Börse?

Die Freiheit der Tiere, die um schneller schlachtfett zu sein, bewegungsunfähig in Mastkonzentrationslagern mit Medikamenten vollgepumpt dahinvegetieren, damit wir billig Fleisch in Discountern kaufen können?

Die Freiheit unserer gequälten Schöpfung die ein noch nie dagewesenes Artensterben erleidet, weil wir nicht mehr wissen, wohin mit unserem Wohlstandsmüll?

 

 

 

 

 

Liebe Christengemeinde,

 

ein immer weiter so, dient nicht der Freiheit. Es führt zur Selbstzerstörung.

Die Respektlosigkeit des Menschen vor allem Kreatürlichen,

das Nicht achten auf die natürlichen Cyklen, auf die schöpferischen Gezeiten, auf die Möglichkeit des Regenerierens

nimmt endzeitliche Dimensionen an.

Uns Menschen geht das Mitfühlen mit der Schöpfung verloren. Wir verstehen nicht mehr die Abläufe des Werden und Vergehens, weil wir alles was geht zum regelmäßigen Verbrauch auf den Altären der Moderne, den Regalen der Supermärkte, verfügbar haben möchten.

Freiheit ist nicht die Möglichkeit alles haben zu können.

Freiheit ist die Entscheidung für oder gegen das Leben.

Spargel schmeckt im Juni

Erdbeeren im August,

Kürbis im Oktober.

Es schmeckt, weil ich mich drauf freue.

Dieser Geschmack wird banal, wenn ich es ständig haben kann.

 

Weihnachten ist besonders, weil es nur einmal im Jahr ist, worin liege sonst der Zauber?

 

Lasst uns wieder die Chance der Gezeiten leben. Damit verschaffen wir uns wahre Lebensqualität. Und jetzt ist die Zeit des Fastens. Wir fasten nicht, um uns gerecht vor Gott zu machen. Wir sind eingeladen auf etwas zu verzichten, um den Wert dessen wieder schätzen zu lernen; um wieder sensibel zu werden für Genuss.

Und wir sind eingeladen, diese Fastenzeit als Zeit der Besinnung und der Umkehr zu nutzen. Umkehren zu den Werten, die wirklich frei machen.

Sich Zeit nehmen für Gespräche, ein gutes Buch, Ruhe, Gebet;

die kommenden Wochen sich ganz bewusst, be-sinnen, auf Sinnsuche gehen.

Umkehren hin zu einer gerechteren Welt. Nur so kommen wir in den wahren Genuss an Ostern auch Auferstehung zu feiern, und nicht einfach nur irgendein Eiersuchfest, was ich das ganze Jahr über feiern könnte. Auferstehung aus aller Angst, Auferstehung aus allem was knechtet, Auferstehung von dem, was andere aufs Kreuz legt. Lasst uns umkehren zu dem, was eigentlich menschlich ist. So führt Verzicht zu Qualität, Einschränkung zu Überwindung von Schranken und Umkehr zu Bewahrung.

 

 

 

 

 

 

Liebe Christengemeinde,

es geht nicht um irgendein hehres Ziel, um irgendeine Öko-oder Politdebatte

es geht ganz konkret um jeden Einzelnen von uns. Woraufhin leben wir und wie gestalten wir den Weg dorthin?

 

Wir werden sie gleich mit einem Kreuz aus Asche segnen:

Gedenke Mensch, dass du Staub bist, doch Gott befreit zum Leben.

 

Wir sind nicht die Krönung der Schöpfung.

Wir sind im kosmischen Spiel der Unendlichkeit kleiner als ein Staubkorn.

Und ich darf so klein sein. Ich muss nicht auf Kosten der Schöpfung leben, auf Kosten der Freiheit allen Kreatürlichen auf Erden, ich darf leben von dem, was ich wirklich brauche.

Diese Zeit der Umkehr ist uns auch geschenkt, um mir wieder ein Empfinden zu geben, was ich eigentlich brauche, woraus lebe ich?

Gott befreit zum Leben

und nicht der Konsum.

Gott schenkt mir, dem kleinen Staubkorn, die Würde und Anerkennung

und nicht das ungeordnete Streben nach immer mehr Genuss.

 

Mein menschliches Leben wird irgendwann enden wie ich euch gleich bezeichnen werde, als Staub. Dieser Segen möge uns alle daran gemahnen, dass wir sterblich sind und dass wir heute damit anfangen müssen, an das Leben nach dem Tod zu denken,

dass wir heute anfangen müssen,

das zu tun, was Sinn macht.

Kehren wir um eben dazu

 

 

AMEN

 

 

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne                   16.02.2014

 

 

Vor drei Jahren bemalte die amerikanische Künstlerin Candy Chang an einer Straßenecke in New Orleans ein altes Haus mit Farbe. Sie ließ die Farbe trocknen und schrieb 80 X einen halben Satz darauf: before I die, I want to…

Dann schraubte sie einen Kasten mit Kreide an die Wand und wartete.

Am nächsten Tag waren alle Lücken gefüllt. Passanten hatten in die Kreidekiste gegriffen und an die Wand geschrieben, was sie mit ihrem Leben anfangen wollen, bevor es zu Ende geht:

 

Bevor ich sterbe, will ich Saxophon lernen,

bevor ich sterbe, will ich Pilot werden,

bevor ich sterbe, will ich sieben Kinder haben,

bevor ich sterbe, will ich den Taj Mahal sehen,

bevor ich sterbe, will ich etwas Großes entwickeln.

 

Das verwitterte Eckhaus in New Orleans war der Beginn einer weltweiten Kunstaktion. Mittlerweile sind über 600 Wände in mehr als 60 Ländern beschriftet worden voller Wünsche.

Aber wann fängt man an, sich diese Wünsche zu erfüllen.

Morgen?

Erst nächstes Jahr?

Irgendwann?

Aus den beschrifteten Wänden spricht das Verlangen, etwas mit sich anzu-fangen. Der Drang, dem eigenen Leben etwas hinzuzufügen, was darin noch fehlt.

Man begegnet diesem Bedürfnis nicht nur in der Kunstaktion von Candy Chang, man stößt darauf in jeder Buchhandlung. Dort sind die Regale voll von Ratge-bern für Menschen, die noch mal ganz von vorn anfangen wollen.

Lieber spät als nie

Mut zum Neuanfang

Veränderung wagen und gewinnen

Erfinde dich neu

Es gibt Kurse, die man hierfür buchen kann und Coaches, die einem helfen, Neujahrsvorsätze nicht nur zu fassen, sondern auch einzuhalten. In Frauen-zeitschriften gehört der Neuanfang zum Standardrepertoire. Die Neuanfangs-branche ist definitiv ein Wachstumsmarkt.

 

Die beliebteste Weisheit dieser Branche kommt dabei nicht von einem Psychologen oder einem Coach, sie kommt von Hermann Hesse:

und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,

die Schlüsselzeile aus dem Gedicht Stufen, dem beliebtesten Gedicht der Deutschen, wie jüngst noch eine Umfrage bestätigte.

 

Der Zauber, den Hesse in seinem Gedicht beschwört, ist die Sehnsucht nach Veränderung, Aufbruch in Unentdecktes.

 

Doch irgendwann zwischen dem Jahr als Hesse dieses Gedicht schrieb, 1962, und dem Jahr, an dem Candy Chang den Kreidekasten an die Hauswand schraubte, irgendwann dazwischen ist etwas passiert.

Irgendwie hat der Zauber hat an Kraft verloren. Er ist verblast; hat keine Leidenschaft und Intensität mehr.

 

Wenn ein durchschnittlicher Deutscher 1962 seinen ersten Arbeitsvertrag unterschrieb, dann blieb er bis zur Rente in seinem Betrieb. Wenn er heiratete, dann um mit dem Partner das Leben zu verbringen. Wenn er ein Haus baute, dann um darin alt zu werden. Wenn er einen Fernseher kaufte, dann behielt er den, bis er seinen „Geist“ aufgab. Anfänge waren eher die Ausnahme, als die Regel. Es waren Etappenziele.

 

Wenn heute ein durchschnittlicher Deutscher einen Arbeitsvertrag unterschreibt, ist dies zu fast 50% ein befristeter. Wenn er heiratet besteht zu 37 % die Wahrscheinlichkeit, dass er sich wieder trennt. Wenn er ein Haus baut, kann es gut sein, dass er dort wieder auszieht und wie oft wir mittlerweile uns neue Fernseher anschaffen, brauche ich nicht zu erwähnen.

Dem Anfang wohnt kaum mehr Zauber inne. Er ist fest eingeplant in den Biographien des 21 Jahrhunderts.

Sachzwänge steuern wie wir leben, arbeiten, lieben. Dem Zwang, neu anzu-fangen, begegnet man heute beinahe überall.

Die Marke Yves Rocher möchte, dass wir uns täglich neu erleben und wenn ich in einem Meridien Spa saunieren gehe, wird mir sogar verheißen, dass ich mich neu erschaffe. Früher gab es in Modegeschäften Sommer- und Winterkollek-tionen. Heute wechseln die Modelabels ihre Waren im Monatsrythmus.

Der Arbeitsmarkt funktioniert nur noch, weil er sich als flexibel gestaltet, unverbindlich. Früher war das Berufsleben eine Leiter. Heute wird geradezu erwartet, dass du Brüche im Lebenslauf aufweisen kannst, dass du mehrmals die Firma gewechselt hast. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass diese Flexibilität Freundschaften und Beziehungen zerstört. Arbeitnehmer können daran kaputt gehen. Bei der France Telecom war es Philosophie dass alle Führungskräfte alle drei Jahre wechseln mussten. 2009 wurde dieses Programm ausgesetzt nachdem sich bis dahin 25 Mitarbeiter das Leben genommen hatten.

 

Die Macht des Neuanfangs setzt uns unter Druck. Anfänge werden zum Fluch, statt zum Segen. Das Produktmanagement entwickelt ständig Neues und der Konsument ist getrieben, etwas zu verpassen. Dieses Verhalten überträgt sich auch auf unsere Beziehungen. Per Klick auf dem Smartphone ist man heute mit Jemandem befreundet und ebenso mit einem Klick kann ich diese Freundschaft wieder beenden.

Aus der Sehnsucht nach dem Neuen ist eine Sucht geworden. So wie das Hirn eines Süchtigen in immer kürzeren Abständen nach Stoff verlangt können wir von Neuem nicht genug bekommen. Das gilt für Produkte ebenso wie für Menschen. Und es ist ja so einfach, sich von Menschen, in den sogenannten sozialen Netzwerken zu trennen und sie sogar zu diskreditieren. Das geht heute anonym mit einem Klick, schnell, unüberlegt, wenig reflektiert, als hätte es keine Bedeutung, es kommt ja jemand Neues. Man nennt das dann Shitstorm und es ist genauso wie es heisst, deren Absender halten sich allerdings für innovative Vorreiter freien Geistes.

 

Liebe Gemeinde,

was können wir anders machen?

 

Zum einen sicher damit, dass wir nicht meinen in Kirche alles anders machen zu müssen.

Kirche wird nicht attraktiver, wenn wir ständig Neues anbieten. Das ist ein Irrtum. Der Wert von Kirche kann gerade die Einladung zu Entschleunigung sein. Kirche ist in ihrem Angebot seit 2000 Jahren verlässlich:

„ kommt zur mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch Ruhe verschaffen“ und

„ wer an mich“ also Christus, „glaubt, der wird leben in Ewigkeit“

 

An dieser Zusage ändert sich nichts. Dieses Angebot steht und ist unveränderlich. Das schenkt Sicherheit. Dieser Erfahrungsraum hält den Zauber wach:

„ Du bist mein geliebter Sohn

Du bist meine geliebte Tochter“

spricht Gott der Herr

 

Diesen Anfang habe ich mit dir gemacht. In dir lebt das Leben. In dir lebt ein Teil universaler Göttlichkeit. Lebe du diesen Zauber. Dafür hat Gott dich in Freiheit gesetzt.

 

Zurück zu meiner Frage, was können wir Christen anders machen?

 

Festhalten an der Sehnsucht des Anfangs.

Und dafür bewusst entschleunigen. Und da schließe ich mich ganz besonders mit ein.

Wir könnten der Sucht nach Neuem bewusst entsagen

und

vielleicht zu Beginn dieses noch jungen Jahres

und für die kommende Fastenzeit

uns die Frage stellen,

welchem Anfang in meinem Leben liegt wirklich ein Zauber inne

und von welchem billigen meist teurem Hocuspocus ist es besser, sich zu verabschieden.

 

 

Als Candy Chang, die Künstlerin aus New Orleans, die Kreidekiste an das alte Haus schraubte, trauerte sie um eine enge Freundin, die kurz zuvor verstorben war. Durch ihren Tod begriff sie, was wirklich wichtig ist im Leben.

Bis heute sammelt sie Sätze, die Menschen an die Wand geschrieben haben:

 

Bevor ich sterbe, will ich vor einem Millionenpublikum singen

Bevor ich sterbe, will ich erleben, wie meine Tochter ihren Abschluss macht

Bevor ich sterbe, will ich Bäume pflanzen

 

Niemand schrieb

Bevor ich sterbe, will ich ein neues Smartphone kaufen.

 

 

Was will ich tun, bevor ich sterbe?

Bitte stellen wir uns diese Frage!

Wenn wir unser Leben danach ausrichten,

sind wir wieder nahe

am Zauber des Anfangs,

sind wir wieder nahe

an dem, was Gott schenkt,

sind wir wieder nahe am Auftrag des Christlichen,

sind wir wieder nahe dem, wofür Kirche den Raum gibt.

 

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne

 

AMEN

 

 

2. Sonntag nach Weihnachten

 

„ Wir preisen die Quelle der Kraft, die euch stärkt…“

Liebe Gemeinde,

das alte Jahr ist vergangen. Wenn ich zurückblicke erinnere ich mich an viele zauberhafte Erfahrungen.

Und ich spüre auch noch die Momente nach, wo ich Erschöpfung empfand. Jeder von uns kann sich an entsprechende Erlebnisse erinnern.

 

Belastung und Erschöpfung ist nicht etwas, das von außen auf uns hereinbricht. Es ist vielmehr die Qualität, wie ich damit umgehe. Die Erfahrung von dem „inneren Ausbrennen“ ist eine Selbstgemachte. Meine Entscheidungsleistung, so wie ich das Leben wahrnehme, entwickele, gestalte, dies ist meine Freiheit. Freiheit einem jeden von uns im Moment des Durchtrennens der Nabelschnur gegeben, die je eigene Berufung, die es ein Leben lang zu entdecken gilt.

 

Freiheit ist die Kraft, die uns zu uns und in die schöpferische Kraft des miteinander bewegt. Diese Urdynamik, etwas in Freiheit setzen, ist Liebe. Diese Quelle, aus der heraus alles entsteht, ist Gott.

„ Wir preisen die Quelle der Kraft, die euch stärkt“

Wir preisen Gott, die Freiheit des Seins,

die Kraft, die uns geschenkt ist,

die uns stark macht, mit allen Dingen des Alltags zurecht zu kommen,

die uns die Möglichkeit schenkt, uns zu entscheiden, ob wir uns belasten lassen, oder ob wir an Entlastung und Entschleunigung arbeiten. Gott selbst ist eben diese Möglichkeit. Wir sind nicht Sklaven, sondern Freie.

Dies ist die Freudenbotschaft, die der Apostel Paulus und alle anderen Glaubensboten verkündet haben. Gott hat einem jeden von uns Kompetenz genug, nämlich sich selbst, die Freiheit, geschenkt, die Lasten des Lebens zu tragen.

 

„Jetzt ist sie ans Licht gebracht“

Dies ist eben das Geheimnis des Weihnachtsfestes, das wir in diesen Tagen noch immer feiern. Wir feiern Weihnachten eben deshalb nicht nur zwei Tage, sondern über Wochen, weil es so grossartig ist. Gott, die Energie aller evolutionären Prozesse,

die allem innewohnende Freiheit, nimmt Fleisch an, als Mensch.

Und zwar nicht als Superstar,

als verletzbares, schwaches, keine Leistung erbringendes Kind. Die frühchrist-liche Deutung der Evangelien stellt es sogar noch klarer heraus: als Kind geboren in einem Stall, von den Mächtigen verfolgt und heimatloser Flüchtling. Gott nimmt sich die Freiheit gerade diese Lebenssituationen extremer Belastung auszuwählen, um darin Mensch zu werden. Kein Leben auf der Sonnenseite (wo auch immer die im Übrigen sein sollte), sondern die Quelle unseres Antriebes nimmt Wohnung in unserer betriebsamen, manchmal hektischen, mit Trauer und an der eigenen Unzulänglichkeit leidenden Existens. Und genau dieses unser Leben heiligt er damit.

Gott ist nicht ein Idol, ein fremdes Bild, ein Bravoposter, dem nachzueifern ist, hinter dessen Ansprüchen man immer hinterherhinkt. Er ist die Freiheit, die uns in Jesus geschenkt Licht bringt.

 

Hinweis auf das Licht von Bethlehem

 

Natürlich kann ich die individuellen Belastungen, denen ein jeder von uns ausgesetzt ist, nicht verneinen und wegpredigen. Aber seit dem ersten Weihnachtsfest, sagt Gott uns zu im Lebenszeugniss des Sohnes:

Ich trage mit dir.

Auch das Jahr 2014 wird ein Jahr werden, in welchem jeder von uns vor unangenehmen Entscheidungen steht, Abschied nehmen muss, Belastungen aushalten muss. Gott hat uns aber die Freiheit geschenkt, nicht dem was schwer fällt, die Macht über unser Leben einzuräumen, sondern einzig, was unser Leben dem Ziel näher bringt, Einheit mit der göttlichen Harmonie, den prägenden Raum zuzubilligen.

Er selbst ist das Licht, das uns leuchtet, wenn es in uns dunkel scheint. Lasst uns immer daran erinnern das ganze Jahr hindurch: Gott ist in mir Mensch geworden.

 

Diese Freudenbotschaft ist eine „verborgene Wirklichkeit“, so schreibt Paulus, „die durch Zeiten und Welten verschlossen war“.

 

Liebe Gemeinde,

ich habe zunehmend den Eindruck, dass die christliche Freudenbotschaft immer mehr Menschen wieder eine verschlossene wird. Andere Wirkmächtigkeiten, versprechen Licht und schaffen Dunkelheit.

Menschen kommunizieren mit dem Display anstatt mit den Augen des Gegenüber.

Man unterhält Kontakte und hat keine Zeit mehr für wahre Freundschaft.

Fast Food sättigt den Bauch, das gemeinsame Mahl gerät in Vergessenheit. Und wenn dann beläuft sich Gespräch auf das jeweilige Herausstellen der eigenen Person. Innere Aufmerksamkeit für den Anderen verlernen wir.

Immer deutlicher geht die Entwicklung hin in eine Gesellschaft der Gottvergessenheit, einer Gesellschaft, die sich ihrer Erlösung nicht mehr bewusst ist, sondern, wie zu vorreformatorischer Zeit selbst und andere verbrennt, weil wir unsere gesammte Kraft aufwenden, etwas zu leisten, zu erleben, ängstlich zu bewahren, den eigenen Willen durchzusetzen,

anstatt einfach

nur zu sein.

 

Statt die Freiheit des eigenen Sein zu atmen

hechelt der moderne Mensch betrügerischen Bildern von Freiheit hinterher, künstlich geschaffenen Bedürfnissen,

die uns, von der sich durch unsere finanziellen Aufwendungen selbst am Leben erhaltenden Konsumindustrie, zunehmend versklaven.

 

Die in uns allen verborgene Wirklichkeit unserer Freiheit,

der Freiheit weil wir von Gott geliebt sind,

weil Gott in uns Wohnung genommen hat,

weil der, der das das Maß aller Dinge ist, unser Mittelmaß groß macht,

diese Wirklichkeit muss neu verkündigt werden.

Die Propheten kündigten dieses Heilsgeschehen vor der Geburt Jesu an

und nun liegt es an uns Christen des Jahres 2014 zu Prophetinnen und Propheten zu werden.

Es ist uns aufgetragen

Liebe Brüder und Schwestern,

es ist unser durch die Taufe gegebener Auftrag,

unsere gemeinsame Berufung

„ um die Antwort des Vertrauens in allen Völkern zu wirken“, so schreibt es Paulus an uns.

 

Es ist unser Auftrag die frohe Botschaft, dass Gott ein Mensch geworden ist allen weiterzusagen. Ich weiss von den Gesprächen mit unseren afghanischen und iranischen Taufbewerbern, wie enorm befreiend sie diese Botschaft empfinden. Christliche Mission dient der Freiheit von dämonischen den Urgrund des Menschlichen bedrohenden Gottesbildern.

Gott hat an uns gehandelt. Er nahm sich die Freiheit wie wir zu werden.

Und nun sehnt sich Gott nach einer Antwort.

 

Liebe Gemeinde,

machen wir 2014 zu einem Jahr in welchem wir Gott Vertrauen schenken.

Gott nahe zu sein, ist mein Glück, so die Jahreslosung.

Machen wir 2014 zu einem Jahr, in welchem Gott in uns Raum erhält.

Seien wir Stall

und benehmen wir uns nicht weiter wie die satten Herbergen, die in aller Geschäftigkeit der Menschwerdung keinen Platz geben.

 

Gebt Gott eine Antwort,

vertraut der euch geschenkten Kraft

spürt nach, was euch ausmacht und atmet diesen Geist,

dann wird 2014 zu einer gesegneten Zeit,

 

 

AMEN

 

  1. 1.    Gedanken zum Volkstrauertag

 

Wen oder was betrauert das deutsche Volk?

Es gibt doch tatsächlich Mitbürger, die trauern der D Mark hinterher, dabei hat uns der Euro trotz Kosten der Wiedervereinigung einen noch nie dagewesenen wirtschaftlichen Boom ermöglicht.

Es trauern Mitbürger billigem Strom hinterher, obwohl die Kosten von Umweltverschmutzung und Endlagerfrage, den Strom der Zukunft erst noch richtig teuer machen werden.

Es trauern viele der Guten alten Zeit hinterher und verschwenden dabei selbst viel Zeit im oberflächlichen Geschwätz über andere.

 

Worüber trauert unser Volk?

Vermögen wir es noch, unsere Toten zu beweinen?

Empfinden wir Trauer über das millionenfache Leid das im Namen des deutschen Volkes vor 70 Jahren über Europa gebracht wurde? Trauern wir über die 1,5 Millionen jüdischer Kinder, denen brave deutsche Familienväter auf bestialische Weise das Leben nahmen?

Naja irgendwann muss ja mal Schluss sein mit dem Trauern darüber….damit darf nie Schluss sein!!

Trauern wir über Menschen, die, nur weil sie berechtigterweise sich auf den Weg machen nach besseren Lebensbedingungen, vor Europas Küsten  jämmerlich ersaufen?

Trauern wir über die Soldaten, die keinen Ort des Gedenkens haben?

Trauern wir über die Kameraden der Feuerwehr, die im Einsatz für ihre Mitbürger ihr Leben ließen?

Trauern wir über die Opfer von Krieg und Gewalt unserer Tage?

 

Liebe Gemeinde,

den Charakter eines Volkes erkennt man auch daran, wie es trauert.

Welche Rolle spielt in unserem Leben die Realität des Todes?

Nehmen wir sie an? Gestalten wir danach das Leben?

Oder leben wir aus dem Moment heraus?

Denken wir daran, dass wir alle sterbliche Menschen sind, oder bewegen wir uns spiralförmig in einen kollektiven hedonistischen Wahn, der jede Demut vergessend aus Verdrängung vor dem Tod, den Raum zu Leben zerstört?

 

Wir leben in sozialen Bezügen. Kein Leben ist anonym, deshalb darf auch kein Tod anonym sein. Der Tod ist und bleibt eine gesellschaftliche Realität. Ich möchte in keiner anonymen Gesellschaft leben. Deshalb ist auch Trauer etwas, was wir öffentlich leisten können.

Nur damit erlernen wir Ehrfurcht vor dem Leben.

Nur wer trauert hat Ehrfurcht vor dem Leben. Ein Volk, das trauert, setzt für das Leben die richtigen Schwerpunkte und definiert sich nicht von einer Eintagsfliege, von einer Luftblase, einem Event, zum Anderen.

Nachhaltigkeit ohne Trauer ist nicht möglich, weder im Leben einer Familie noch im Leben eines Volkes.

Ein gerechter Friede ist nicht möglich, weder in Familie noch Gesellschaft, ohne das Vermögen, die eigenen Defizite zu beweinen, ohne zu trauern.

Der Aufbau einer wahrlich gelebten Solidarität in Familie und Gesellschaft ist nicht möglich, ohne Trauer an der eigenen Unvollkommenheit.

Ein lebenswertes Leben ist ohne Trauer über den Verlust des Lebens nicht möglich.

 

Lasst uns am Charakter unseres Volkes arbeiten, lasst uns trauern.

 

 

 

 

 

 

 

  1. 2.    Predigt

 

Liebe Gemeinde,

ist alles egal, ist alles beliebig?

Ob wir Gutes tun oder es lassen?

Ob wir mit Hungernden teilen, oder lieber an uns selber denken?

Ob wir Ackerland für Brot fördern, oder lieber Raps anbauen lassen, um billiger Auto fahren zu können?

Ob wir Brot geben für die Welt oder an der Börse künstlich den Getreidepreis hochspekulieren, um uns am Elend der Anderen zu bereichern?

Ob wir Flüchtlingen ein Zuhause geben oder ob wir sie ertrinken lassen?

Ob wir die, die es zu uns geschafft haben, willkommen heißen oder ob wir zusehen, wie sie sich möglichst unwohl fühlen?

Welche Rolle spielt christliche Ethik in unserem Leben?

Sind wir bereit, für sie einzutreten?

Sind wir bereit, da wo wir Verantwortung tragen, das unsere zu tun, die Welt im Sinne Gottes zu formen oder gehorchen wir den Götzen der Vergänglichkeit, weil es den Anschein hat bequemer zu sein?

 

Die einen mögen diese Fragen so, die anderen anders beantworten, wieder andere mit dem beliebten  „Ja Aber“.

Den Meisten sind diese Fragen egal. Sie leben nach der Devise: ich habe nur das eine Leben, das koste ich für mich aus, was danach kommt…ist egal.

 

Egal, Egalite, Gleichheit

Geht es nach dem Tode allen gleich? Glauben wir das wirklich?

Wenn ich viel esse, werde ich dick. Wenn ich viel mit den Händen arbeite, bekomme ich Schwielen. Wenn ich die falschen Schuhe trage Plattfüsse. Hinterlässt gutes oder schlechtes Tun nicht auch seine Spuren und zwar in mir? Was für eine gestörte narzisstische Grundhaltung liegt im Denken des modernen Menschen Zugrunde, der in der Annahme lebt, gutes oder schlechtes Handeln bliebe konsequenzlos. Glaubt das bitte nicht. Betrügt euch nicht selbst.

Ich muss nicht einmal ein höheres Wesen, das wir Gott nennen denken, um doch anzuerkennen, dass das ganze Leben zyklisch verläuft. Das wir in einem sich ständig aufeinander aufbauenden kosmischen Prozess leben. Nichts verpufft einfach so ins vakuumierte Nichts. Auch nicht die höchste Form der evolutionären Entwicklung, das menschliche Bewusstsein, Gefühle zu entwickeln: das Gefühl des Glücks, wenn das Gute siegt, ebenso wie die Lust am Bösen. Unsere Lebensentscheidungen hinterlassen Spuren in unserer Seele. Es ist meine feste Überzeugung, dass es eine spezielle Ausformung unteilbarer Energie gibt, die den Menschen ausmacht. Und diese Energie lädt sich positiv oder negativ auf.

Ewigkeit beginnt schon im hier und jetzt. Ein jeder trifft seine Entscheidung mit Konsequenzen.

Das Evangelium, das wir gehört haben verdeutlicht uns unsere Wahlmöglichkeit: wollen wir zu den Böcken gehören, die andere herumstoßen; die sich Respekt verschaffen, indem sie aufplusternd auf den Boden stampfen; niemand Ebenbürtigen neben sich dulden.

Oder zu den Schafen, die abgeben; tragen und ertragen; die sich auch aufzuopfern vermögen.

Es ist eines jeden Entscheidung, mit Konsequenzen für unser Wohlbefinden jetzt und nach dem physischen Tod, im Moment der Verwandlung unserer Energie, unserer Seele.

Leben nach dem Tod ist nicht für alle gleich.

Über dem Leben der Einen wird ein Segen liegen, ein Gedeien, ein neuer Frühling, Frucht des Guten, Zu- Friedensein.

Das Leben der Anderen wird länger sein wie ein im Nebel, nicht beheimatender November.

 

Liebe Gemeinde,

Christentum ist keine Weichspülreligion. Es geht um eine Entscheidung.

Es geht darum, sich auf die Seite der Ethik Jesu zu stellen. Dort, wo wir dies tun, bewegen und verändern wir die Welt zum Guten auch hier in Brunsbüttel. Das erfüllt mich mit Dankbarkeit und spornt mich an, für diese christliche Entschiedenheit weiter zu werben. Nur so uns selbst, der Stadt und der Welt Bestes;

AMEN

 

 

 

 

 

 

Herr, lass alle eins sein“

 

Predigt zur Amtseinführung

 

Liebe Gemeinde, liebe Freunde,


aus den Lehren der Kommunikationstheorie wissen wir:

das Wichtigste kommt immer zum Schluss. So verwundert es nicht, dass der Evangelist Johannes zum Ende seiner Erzählung über das Leben Jesu bevor es in den Bericht der Leidensgeschichte geht, dieses Gebet hineinkomponiert. 70 Jahre nach dem Tod des Jesus v. Nazareth, fasst Johannes den Kern christlich messianischer Verheißung zusammen in der Bitte um Einheit.

Es hat sicher niemand im Abendmalsaal mitstenographiert. Auch ist es unwahr-scheinlich, dass der Autor selber Zeitzeuge war. Er war aber wohl Schüler und Mitglied einer christlichen Gemeinde, die sich auf den Lieblingsjünger Jesu gründete. Auf jenen Jünger, der an Jesu Brust ruhte beim letzten Abendmahl, der zwar die Führungsrolle des Petrus irgendwie anerkannte, aber dem Herzen Jesu näher war als jener.

Überliefert konnte nur werden, was auch gelebt wurde, woher sollte sonst dieses Zeugnis stammen. Und so wissen wir, dass dieser Gemeinde des Johannes, die, das zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Evangelium, einen inneren Abstand zum Anspruch des Petrusamtes hatte, das Thema Einheit geradezu begründend für die junge, dynamische christliche Gemeinde war.

In der Theologie der Einheit verwirklicht sich die Botschaft Jesu vom Reich Gottes.

Einheit mit sich und dem von Gott gesprochenem Ja zu mir;

Einheit der vielen christlichen Gemeinden, Bewegungen, Konfessionen;

Einheit der Weltanschauungen im gemeinsamen Unterwegs durch die Zeit.


Liebe Gemeinde, liebe Freunde
in meinem ersten Pastorenleben habe ich immer darunter gelitten, dass ich um eins mit mir zu sein, kämpfen musste. Ich stand stets in der Spannung, wie viel Anpassung muss ich dem System gegenüber leisten, um wie viel Autonomie leben zu dürfen. In der Priesterausbildung stand nach meiner Wahrnehmung die Formung in ein gefügtes Amtsbild im Vordergrund und nicht die Ausbildung eigener Stärken und das Unterstützen der individuellen Prägung. Es tut wahn-sinnig gut, angekommen zu sein und zu spüren, dass ich als Ingo Pohl auch Pastor sein kann und darf in meiner lutherischen Kirche, in meinem Kirchen-kreis, in meinem Brunsbüttel.


Reich Gottes lehrt Jesus, ist wie ein Senfkorn. Jeder von uns ist so ein Senfkorn. Dort wo es jedem und jeder gelingt, eins mit sich zu sein, fängt Reich Gottes an, wird Gottes Wirk lichkeit auf Erden lebendig. Wenn Jesus Menschen heil machte, dann fügte er hinzu: dein Glaube hat dir geholfen. Wie zu den Tagen Jesu hätten wir nur allzu gerne, dass jemand von außen käme und unsere eigene Zerrissenheit heilen möge. Da können wir lange warten.

Reich Gottes,

Einheit

fängt zunächst in mir an. Nur wenn ich eins mit mir bin,

nur wenn jeder eins mit sich ist,

sich liebt wir er ist,

die Grossartigkeit der eigenen Stärken und Schwächen schätzt,

nur so wird Gottes Reich lebendig.

Unsere Seelen sind wie zum Himmel strebende Kathedralen. Und Gott möchte strahlen durch unsere vielen bunten Fenster, die uns in zauberhaften Glanz hüllen würden, wenn es uns gelänge die Verdunkellungen von außen und innen zu entfernen.

Herr lass uns eins sein.


Liebe Gemeinde, liebe Geschwister im pastoralen Dienst,

die Zeiten, in denen jeder Pastor, jede Pastorin im jeweiligen Pfarrsprengel sich selbst genügte sind, das spüren wir an allen Ecken und Enden, zum Glück vorbei. Es hat Sinn gemacht, dass Jesus seine Jüngerinnen und Jünger zu zweit aussandte und nicht alleine und dass diese regelmäßig wieder zusammen kamen, um zu berichten und ihre Arbeit neu auszurichten.

Lieber Propst, liebe Kolleginnen und Kollegen, ich danke euch, dass ich so gute Aufnahme gefunden habe in den Konvent Dithmarschen. Es macht Spaß mit Euch und nicht nur wenn wir wie vor zwei Wochen auf Bildungsfahrt gehen, sondern auch das gemeinsame Suchen nach pastoralen Konzepten.

Kirche wird sich verändern. Und nicht einmal, wie wir mal dachten, weil wir weniger Geld haben werden, sondern, weil wir erheblich weniger Pastores sein werden. Das bedeutet aber nicht etwa den Niedergang der Christenheit, sondern wir haben die Chance, da zitiere ich gerne Altbischof Huber, den wir vor 14 Tagen getroffen haben, mit dem Priestertum aller Gläubigen jetzt ernst zu machen und die Gemeinden in Mitverantwortung zu nehmen. Dafür werden uns nicht alle lieben, aber dies ist auch nicht unbedingt ein Kriterium unseres Dienstes. Wir werden in Zukunft verstärkt miteinander versuchen müssen, Gemeindearbeit miteinander zu vernetzten, ob im Jugend- oder Seniorenbereich. Mit viel Phantasie werden wir Taufpastoral, Konfirmantenarbeit, Kirchenmusik auch regional organisieren. Und dies nicht aus inhaltlicher Not heraus,

sondern unter der unter dem Segen Gottes stehenden Prämisse der Einheit. Reich Gottes offenbart sich auch im Leben der Ortsgemeinde, aber eben nicht nur. Kirche war auch immer Kirche der Unterwegsseienden und Kirche im regionalen Kontext.

Um mit den Gemeinden Zukunft zu entwickeln ist das Zeugnis gelebter Einheit im Konvent notwendig. Denn unser Vorleben ist wichtig. Das muss nicht Friede Freude Eierkuchen sein. Aber ein wertschätzendes, miteinander spasshabendes, verlässliches Miteinander. Das spüre ich ganz deutlich und das wünsche ich mir auch für die Zukunft.

Herr lass alle eins sein.


Liebe Gemeinde,

natürlich ist das Thema Einheit auch unser Thema.

Als vor bald 40 Jahren Brunsbüttel eine Stadt wurde, sind auch die zwei Kirchengemeinden zu einer verschmolzen. Einheit leben ist ein Prozess und auf diesem Weg haben wir die letzten Jahre große Schritte getan. Euch allen dafür herzlichen Dank, wir sind gut. Ein Kirchengemeinderat, ein Gemeindezentrum, ein Seelsorgskonzept. Und jetzt kommt der Luxus: drei Pastoren mit unterschiedlichen Begabungen und Aufgabenbereichen und zwei Kirchen mit unterschiedlichen Gestaltungsmöglichkeiten für das Lob Gottes. Die eine Kirchengemeinde bringt sich ein in das Leben unserer Stadt mit Kita- Kinder-und Jugendarbeit, demnächst mit Pfadfindern, mit Seniorenarbeit, dem Unterhalt unserer Friedhöfe und in Zukunft hoffentlich auch mit mehr Unterstützung der finanziell Schwächsten in unserer Stadt. Das Pauluszentrum könnte auch hierfür ein Ort werden. All dies sind Aufgaben der einen Gemeinde.

Und Kirche und Stadt leben und entwickeln hier für unsere Bürger miteinander.

Lieber Stefan, liebe Fr Süffke, danke dass ihr heute mitfeiert.

Wir Christen sind der Lern-und Erfahrungs-ort, dass Einheit möglich ist, dass gewisse Aufgaben nur in Einheit zu wuppen sind, dass Einheit Segen bringt. Wenn uns das nicht gelingt, was erwarten wir denn dann von Politik oder gar von der Weltfamilie? Uns Christen ist Einheit nicht nur ein konzeptioneller Aspekt. Einheit ist der Auftrag Jesu und Wiederschein des Reiches Gottes. Und das wollen wir als Christen. Das ist unser Erkennungsmerkmal. Daran dürfen die anderen uns messen.

Herr lass alle eins sein.


Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder der katholischen Gemeinde,

vielen Dank, dass ihr so zahlreich hier seid und mitfeiert, lieber Bruder Krause, lieber Bruder Peter, liebe Fr. Klix, liebe Fr. Deters

die Frage nach dem Anbrechen des Reiches Gottes und der Aufgabe der Kirchen hierbei entscheidet sich nicht ob konfessioneller Zugehörigkeit. Unterschiedliche Gemeindekonzepte gab es schon in der Urkirche ob Johannes-gemeinde, Petrusgemeinde oder paulinische Gemeinde. Die Rolle der Kirchen wird sich aber daran erweisen, ob wir den zentralen Auftrag Jesu leben:

Einheit. Die Menschen, die wir mit unseren Gemeindestrukturen nicht erreichen, die interessieren sich auch nicht für konfessionelle Unterschiede. Die erwarten von uns, dass wir die christliche Botschaft ernst nehmen und leben. Vieles tun wir hier in Brunsbüttel schon selbstverständlich. Danke dafür.

Als wir lutherischen Pastores vor 14 Tagen in Berlin waren besuchten wir auch an der Gedenkstätte Plötzensee das Karmelitinnenkloster Maria Regina Märyrum. Wir trafen dort echt taffe Nonnen. Angesichts des Widerstands angesichts des Leids, angesichts mörderischen Verbrechens, spielen Konfes-sionen keine Rolle. Die Schwestern dort leben Einheit in aufmerksamen Schweigen, in Gebet und Gastfreundschaft. Der Jesuit, der mit ihnen Sonntags Gottesdienst feiert fragt anschließend stets: na waren heute mehr Katholische oder Evangelische Christen in der Kirche?

Liebe Mitchristen, angesichts all des Leides unserer Tage, der Verfolgung und sozialer Ungerechtigkeiten eint uns unsere Sehnsucht nach Gerechtigkeit, nach dem Kommen des Reiches Gottes. Diese Sehnsucht muss unendlich viel mehr sein als die konfessionellen Grenzen. Ich freue mich auf unser weiteres gemeinsames suchen und handeln.

Herr lass alle eins sein.


Liebe Gemeinde,

Immer mehr Menschen, die keinen oder kaum Berührungspunkte mit Kirchengemeinde haben, werden in Zukunft von außen her auf unser Leben schauen und dann und dort unsere Kompetenzen abrufen, wenn sie es benötigen.

Einheit leben heißt auch die Räume erfassen, wo wir uns alle begegnen auch unabhängig von Kirche. Mir ist unsere Feuerwehr ein solcher Raum geworden und ich freue mich so viele Kameradinnen und Kameraden heute hier zu sehen.

Miteinander Leben teilen, sich miteinander engagieren und alle spüren, es gibt mehr was uns alle eint, als was uns trennt, jedem von euch Danke.

Kirchliche Verkündigung heißt nicht, alle in die Kirche bekommen zu müssen, sondern die Einheit zu stärken, so wird Reich Gottes. Denn nicht wir vollenden dieses Reich der Gerechtigkeit, sondern der unendliche Gott, der im Wesen eines jeden Menschen Abbild ist.


Einheit in der einen Welt ist natürlich auch mehr als Brunsbüttel und als Kirche. Ich freue mich sehr, dass in drei Wochen Menschen unserer Gemeinde nach Israel reisen, um Juden und Arabern im Hl Land, in der einzigen funktionieren-den Demokratie des Nahen und Mittleren Osten, ein Zeichen der Einheit zu schenken. Wir besuchen sie, wir machen uns ein eigenes Bild vor Ort, wir zeigen Solidarität. Und unsere Gemeinde unterstützt seit Jahren Hilfsprojekte in Malawi unter anderem für ein Kinderheim für Aidswaisen. Dort leben 100 Kinder. Eine Mahlzeit kostet 50 Cent pro Kind. Jede Mittwochskollekte wird hierfür verwendet. Wir müssen gar nicht viel tun und leisten, um für die eine Welt zu arbeiten, aber nur reden, das wäre zu wenig.


Ein letzter Gedanke:

Natürlich heißt leben in Einheit nicht, leben ohne eigenes Profil. Ich werde es nie allen Recht machen können und das will ich auch nicht.

Und auch Kirchengemeinden brauchen einen nach außen wahrnehmbaren Charakter.

Ethische Positionen müssen klar formuliert sein. Beliebigkeit ist nicht Freiheit, sondern erzeugt Unklarheit und Stillstand.

Einheit leben, ist eine Frage der Haltung. Einheit wird nicht mit vielen Worten und der Macht der Argumente. Gerade wenn wir nicht immer mit dem Mund sprechen können, können wir immer das Herz sprechen lassen. Wir können denjenigen beim Namen nennen, den wir treffen, (wenn wir den nicht vergessen haben wie es mir leider ab und zu passiert) ihn aber in einer besonderen Weise grüßen, so dass die anderen wahrnehmen, dass sie uns wichtig sind, dass sie uns nicht gleichgültig sind, dass eine Bindung mit ihnen existiert. Wir können Worte finden ohne Lärm wie es ein Lächeln sein kann. Wir können statt überzeugen zu wollen, einfach nur bedingungslos lieben. Wir können verzeihen, uns und anderen, dass wir nicht so sein können, wir es den Erwartungen entspricht. Wir können jedem zugestehen, dass er oder sie eine Kathedrale Gottes ist unabhängig von Glaube und Weltanschauung und das es ein großes Geschenk ist, diese Person kennenzulernen, diesen göttlichen Raum zu betreten.

Einheit wächst mit Bewegung, aufeinander zu und in der Suche auf den gemeinsamen Rhythmus. Das ist eine enorme Herausforderung, aber auch wahnsinnig spannend.

Versuchen wir, jeden Tag mit einer Spiritualität der Einheit zu füllen und sie auszudrücken mit neuen Gesten. Wir werden ohne dass wir es merken, ohne jeden Krampf die Faszination Jesu in der Welt verbreiten. Das Reich Gottes wird sich über alle Erwartungen ausbreiten. Es wird wachsen, so dass man eine Vorstellung von der Zukunft bekommt, wie Jesus, als er den Vater bittet: „Alle sollen eins sein“.

Ein Traum, der verrückt scheinen mag, aber möglich ist, weil es der Traum Gottes ist.

Amen

 

 

 

 

12. Sonntag nach Trinitatis

Joh. 1, 29-39a

 

Liebe Gemeinde,

der Predigttext aus dem Johannesevangelium begleitet mich seit dem Studium, ist mir einer der wichtigsten in meinem geistlichen Leben geworden und hat mich geprägt und stets herausgefordert. Er ist mir bleibend Anfrage und Motivation zugleich. Er beschreibt zum Einen wer dieser Jesus aus Nazareth ist, dem wir Christen nachfolgen,
der uns Leitbild ist,

über dessen Botschaft Pastoren predigen

und für mich auch noch mal besonders, wie es gelingt, Beziehung mit diesem Jesus zu leben.

Johannes der Täufer und Jesus aus Nazareth.

Beide begegnen sich in der Wüste, einem Ort der Trockenheit, Entbehrung und der Stille am Fluss Jordan, der wie eine Verheißung auf Leben zu Grenzüberschreitung und Aufbruch einlädt.

Beide haben der Amtsverwalteten Religion den Rücken gekehrt.

Miteinander sind sie nicht nur blutsverwandt, sie eint auch die Kernaussage ihrer Verkündigung: beide sind davon überzeugt, dass das Reich Gottes anbrechen wird und zwar ziemlich bald.

In ihrer Auslegung und aus der Botschaft folgernden Konsequenz, sind sie aber grund verschieden.

In der Tradition alttestamentarischer Propheten, fordert Johannes Umkehr und Buße. Hierfür gibt es einen klaren Tugendkatalog, nach dem es zu leben gilt. Und da die Zeit drängt, ist Gott gnädig zu stimmen auch durch persönliche Askese, Verzicht und Opfer.

Dann betritt Jesus die Bühne. Johannes sah ihn auf sich zukommen.

„ Hier ist das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt“. Nicht wir müssen etwas tun, um getröstet das Reich Gottes zu erwarten,

sondern er tut. Die Geistkraft Gottes ruht in diesem Menschen. Und sein Werk bringt Heil, nicht das Meine. Der Evangelist Matthäus ergänzt: in der Taufe erfüllen wir die ganze Gerechtigkeit Gottes

und nicht im Abarbeiten eines Tugendkataloges.

Was Taufe in der Auslegung Jesu bedeutet, erläutern

Markus, Matthäus und Lukas wenn sie berichten, dass eine Stimme am Jordan vernehmbar war: „dies ist mein geliebter Sohn“

 

Für Jesus ist Taufe nicht nur ein rituelles Bad,

ein Abwaschen von Schuld,

sondern das Eintreten in eine Beziehung:

du bist mein geliebter Sohn,

du bist meine geliebte Tochter.


In der Botschaft Jesu

und nicht nur in der Botschaft,

sondern seiner Person,

wird ein neues Verhältnis Gottes mit dem Menschen lebendig.

Wir müssen Gott gegenüber nichts ableisten,

sondern wie ein Kind

einzig um seiner selbst Willen

ohne Leistung und trotz Schuld,

sind wir angenommen und geliebt

bedingungslos,

einzig unseres Glaubens bedarf es an die grenzenlose Bejahung unseres je eigenen Wesens in Gottes unendlicher Geborgenheit und Liebe.

Johannes der Täufer und seine Anhänger waren als Erneuerer des Glaubens radikal in ihren ethischen und asketischen Forderungen.

Jesus war radikal in seinem unbedingten Vertrauen an unser Geliebtsein, so wie wir sind.

Die beiden Jünger, die uns namentlich nicht näher vorgestellt werden, spüren den Umbruch und das Faszinierende des Mannes aus Nazareth.

Sie begreifen sofort, dass, Glaube nichts zu tun hat mit Gesetz und Institution, sondern mit persönlicher Beziehung. Es genügt nicht, sich eine bestimmte Formel eingeprägt zu haben und ein dogmatisch von der Glaubenshirarchie abgesegnetes Bekenntnis hersagen zu können. Wer Jesus finden will, muss zu einer Standortveränderung bereit sein.

Und so fragen sie: „Herr wo wohnst du“.

Herr wo wohnst du,

schon als Student war mir diese Frage wie ein Gebet.

Wo begegne ich Gott?

Jesus antwortet:

Kommt und seht.

Liebe Gemeinde, diese Antwort ist zweierlei:

Gott lädt uns ein, in ihm Wohnung zu nehmen.

Gleichzeitig werden wir zu Menschen in denen Gott Wohnung nehmen möchte.


Herr, wo wohnst du?

In der Liebe des einen Menschen bei dessen Blick, bei dessen Stimme und bei dessen Berührung mir der Himmel aufgeht und

im Nächsten, der mir begegnet,

in den Leben mit Brüchen,

in denen, die suchen und sehnen,

in denen, die Mangel leiden und nicht zufrieden sein können,

in denen, die trauern und darum ringen neu aufzubrechen,

in denen, die mit mir Reich Gottes erwarten

und in denen, die vergessen haben, dass sie nicht alleine verantwortlich sind.

Herr wo wohnst du

hier in Brunsbüttel,

hier bei den Menschen,

hier im Alltag.

Und liebe Gemeinde,

es ist ja heute mein offizieller Vorstellungsgottesdienst, um nach Ablauf meiner Probezeit auch bei ihnen bleiben zu dürfen,

ich würde dies ja nicht wollen,

wenn ich Gott nicht auch hier gefunden hätte,

wenn ich nicht davon überzeugt wäre, dass in der Buntheit unserer Gemeinde und der Vielschichtigkeit unserer Stadt ich einen Zugang habe zu der Wohnung, die Gott unter den Menschen genommen hat.

Ich möchte ihnen heute auch danke sagen,

danke, für das Vertrauen, das sie mir bislang entgegengebracht haben und Danke, dass sie mich teilhaben lassen an ihren Leben, dass sie mich mitnehmen dorthin, wo Gott bei ihnen wohnt.

Herr, wo wohnst du?

Gott nimmt auch Wohnung in mir.

In einer Adventspredigt des Hl. Bernhard v. Clairvaux heißt es:

"Du musst nicht über die Meere reisen, musst keine Wolken durchstoßen und musst nicht die Alpen überqueren. Der Weg der dir gezeigt wird, ist nicht weit. Du musst deinem Gott nur bis zu dir selbst entgegengehen. Denn dort ist das WORT dir nahe: Es ist in deinem Mund und in deinem Herzen (Röm 10,8)."

Wenn ich Gott suche, dann suche ich ihn auch in mir. Ruhe, Gebet, Kontemplation sind notwendig, um in Kontakt zu bleiben mit Gott und damit mit sich. Wenn ich nicht in mir Zuhause bin, wenn ich nicht in der Lage bin auch zu innerer Einkehr, dann verliere ich auch den Zugang zu den Wohnungen Gottes in den Anderen. Sich selber auch in Stille ertragen und Gott erahnen, das öffnet meinen Blick für den Zauber Gottes in den Wesen der Anderen. So wächst eine wirkliche Herzensbeziehung.

Liebe Gemeinde,

das Gespräch der beiden Jünger am Jordan mit Jesus ist auch ein Lehrstück, wie unser Leben, wie Gemeindeaufbau gelingen kann.

Wie Johannes seine Jünger, so haben uns andere, meist die Eltern auf Jesus und den Glauben hingewiesen. Das allein reicht nicht. Es reicht auch nicht wenn wir erwarten, dass andere und sei es die Institution Kirche, uns alles weitere abnehmen. Wir selber müssen aktiv werden. Wir müssen die Frage stellen:

Herr wo wohnst du?

Wir müssen uns selber auf die Suche begeben, in Beziehung treten mit dem lebendigen Gott.

Und dann, und das ist verdammt schwierig in unserer lauten, schnellen, multimedialen Welt, sollten wir seine Antwort hören lernen: „kommt und seht“.

Gott lädt uns ein. Diese Einladung wahrzunehmen und dann sich auch aufzumachen ist unsere Antwort, die des Einzelnen und die von uns als Gemeinschaft. Christsein ist stets auch Aufbruchgemeinschaft. Wie unsere PC Programme sich ständig upgraten, müssen auch wir Christen bereit sein immerneu uns einladen zu lassen und unsere Blickrichtung zu schärfen und evtl. zu korrigieren, für die Wohnung Gottes in der Welt.

Kommt und seht. Als Pastor spreche ich oft genug auch diese Einladung aus.

Ob für Gottesdienste, für ehrenamtliches Engagement, ob im Kindergarten, bei Konfirmanten oder Bibelkreis. Gott und damit sich begegnen lohnt sich. Ich kann mir nach wie vor nichts Spannenderes vorstellen.

Liebe Gemeinde,

ich bin sicher nicht perfekt,

das will ich auch nicht sein.

Ich habe auch meine Fehler,

das bitte ich sie mir zu verzeihen

und ich bitte sie, mich nicht nur daran zu messen, was ich tu und was ich lasse. Denn allen Recht machen möchte ich es zwar, aber das wird mir nie gelingen.

Aber messen sie mich daran, ob ich einladend bin. Ob ich, Ingo Pohl einladend bin, wenn wir uns treffen, beim einkaufen, im Kino, bei der Feuerwehr, im Pastorat. Kann ich als Ingo Pohl jederzeit Antwort geben auf die Frage, Herr wo wohnst du? Und wenn ich mal zu hektisch wirke oder sie den Eindruck haben, ich bin nicht in mir Zuhause, dann sagen sie mir es bitte.

Ich wünsche mir für unsere Zukunft, dass wir gemeinsam weiter neugierig bleiben und bereit zu Standortwechseln, wo dies notwendig ist, der Einladung Jesu folgend, „kommt und seht“ Er ist der, der Wohnung nehmen möchte in uns, er ist der, der herausruft, er ist der mit dem wir Wüstenzeiten durchleben und die Fülle des Lebens entdecken

AMEN

 

 

Predigt zum 5. Sonntag nach Trinitatis

Kanalgeburtstag in Brunsbüttel

 

 

Nichts ist schwerer und erfordert mehr Charakter,

als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und zu sagen:

NEIN!  (Kurt Tucholsky)

 

 

Liebe Gemeinde,

 

wir feiern Kanalgeburtstag

und heute ist Sonntag.

Schön, dass sie gekommen sind, um auch Gottesdienst zu feiern.

Die anderen 12900 Brunsbüttlerinnen und Brunsbüttler haben gerade etwas anderes vor. Die sitzen jetzt wahrscheinlich beim Frühstück. Es ist schon lange nicht mehr selbstverständlich, seinen christlichen Glauben zu bekennen, zu leben und zu feiern. Es bedarf noch mehr

als in der gerne völlig zu Unrecht verklärten guten alten Zeit

einer persönlichen Entscheidung. Und das ist nicht nur die Entscheidung, eine Stunde früher aufzustehen. Wenn wir um 15.00 Gottesdienst feiern würden, stände ich hier in Konkurrenz zu Karussel, Autoscooter und Zuckerwatte. Sich bei diesen reizvollen Angeboten Zeit für Gott zu nehmen, ist heute leider eher ungewöhnlich. Es entspricht nicht mehr der Gewohnheit.

Gottesdienst - der Dienst für Gott -  ist nur ein Angebot neben vielen anderen.

Und es spielt keine Rolle, wie toll der Pastor ist oder wie attraktiv die Musik,

das ist vorgeschoben.

Es geht in der Tat, um die persönliche Entscheidung im alltäglichen Leben auch Gott zu dienen

oder eben nicht.

Und der Zeitgeist hat den Dienst für Gott zu etwas nicht mehr Notwendigen erklärt, zu etwas, das keine Not wendet und nicht mehr zu unserem alltäglichen Leben wesentlich.

 

Der moderne Mensch meint, alles Notwendige selbst machen zu können

und sucht das Wesen des Lebens in sich selbst.

Für Gott ist kein Platz mehr.

Alle Zeit

allen Raum füllen wir mit den Dingen, die uns Spass machen

und Gott macht keinen Spass.

 

 

Und das stimmt sogar. Wer sich von Gott anrühren lässt,

wer sich darauf einlässt,

dass er Not wendet,

dass Sinn und Wesen unserer Welt nur ausserhalb ihrer selbst liegen kann,

wer  mit dem Unaussprechlichen,

dem der alles durchwirkt und in Schöpferkraft entwickelt in Beziehung tritt,

 

für den kann im Alltag nicht alles so bleiben wie es ist.

 

 

Nichts ist schwerer und erfordert mehr Charakter,

als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und zu sagen:

NEIN! 

 

Nein,

ich lebe den Trend der Gottvergessenheit nicht mehr mit

Nein,

ich will mich nicht auf den menschlichen Kleingeist beschränken

Nein,

die Lösungsversuche menschlicher Konfliktbewältigung wenden keine Not

sie vergrößern sie meistens

Nein,

ein Leben ohne Gott macht uns eben nicht freier und selbständiger,

sondern führt in menschliche Zwänge und Abhängigkeiten.

 

Liebe Mitchristen,

ihr befindet euch in offenem Gegensatz zu unserem Zeitgeist

und ich danke euch dafür!

Ihr seid nicht antiquiert,

ihr seid die eigentlichen Visionäre.

Nur Menschen, die eine Perspektive sehen, können etwas wirklich verändern.

Und unsere Perspektive ist die unendliche Liebe Gottes,

die einen jeden von uns so meint

wie er oder sie in seinen eigenen Anlagen ist.

 

 

 

 

 

 

Sich im Glauben für die Existenz Gottes zu entscheiden,

heißt, sich befreien zu lassen

von Fremdbestimmung,

von den Erwartungen anderer

von Vorprägungen

Moden und Meinungen

aber auch von Kalkulationen, dem Glauben an die Machbarkeit und dem Totalitarismus des Relativen.

 

An Gott glauben

heißt einfach, sein Leben annehmen, wie es ist,

sein Kreuz tragen

das im Leben aufgeben und loslassen, was die Lebensperspektive

nämlich das Leben mit der alles durchwirkenden Unendlichkeit

die wir Gott nennen,

behindert.

 

Die Seele eines Menschen ist wie eine wunderschöne große Kathedrale, die sich zum Himmel streckt mit riesigen bunten Glasfenstern.

 

Da fällt ein wunderschönes Licht hinein,

da ist weiter Raum,

heilige Ruhe

zutiefst das Gefühl des Ankommens.

 

Gott ist dieses Licht,

wer ihn nicht reinlässt,

seine wunderschönen Fenster mit Vorhängen dichtmacht,

der verliert die Perspektive, der verliert die Ruhe,

der kommt nicht an.

 

Gottesdienst feiern,

will Licht machen in den Kathedralen unserer Seelen.

 

Die meisten Menschen ahnen nicht,

was Gott aus ihnen machen könnte,

wenn sie sein Licht einlassen würden,

in was für schillernden Farben sie zu leuchten begännen,

welche Talente, Begabungen, Träume die Kraft zur Entfaltung fänden.

Wer sich Gott zur Verfügung stellt, der gewinnt Perspektive,

im Leben wie im Tod,

das ist mein fester Glaube und

diesen Glauben mit euch zu teilen, dafür bin ich euer Pastor.

 

Liebe Gemeinde,

wir haben uns entschieden.

Wir sind hier, um Gott reinzulassen in unser Leben.

Behalten wir den Mut, nein zu sagen, wo man das Licht Gottes mit einer Taschenlampe auszutauschen versucht,

 

bleiben wir in Gemeinschaft, um nein zu sagen, wo die bedingungslose Liebe Gottes für nicht mehr notwendig erklärt wird

UND

Werden wir als Christen

als großartige Kathedalen mit zauberhaftem Licht, einladend für die anderen,

dass sie Ruhe und Kraft finden bei uns,

 

 

AMEN

 

 

AMEN

Sonntag Lätare

 

Nicht Mose, sondern Gott mein Vater, hat euch das Brot gegeben.“

 

Dieser Ausspruch Jesu setzt die Überlieferung des Glaubens in die Gegenwart.

Es geht im Glauben nicht um das Weiterführen einer Überlieferung,

sondern das Wahrnehmen von Gottes Liebe in unserem konkreten Alltag hier und heute.

Das ist die Herausforderung des Glaubens.

 

Üblicherweise wird Religion gelebt, indem man sie ganz und gar gleichsetzt mit Geschehnissen der Vergangenheit. Vergangene Ereignisse reaktiviert man durch kultischen Gedenken und in verfeierten Ritualen. Das kann mal schön sein, aber es bleibt ein „Theatrum Sacrum“, ein heiliges Spiel, mehr nicht.

Man verbildlicht Vergangenes ohne in die Gegenwart des eigenen Lebens zu treten. So verkommt der Glaube zu einer Paraphrase für ein überlebtes Leben.

Da setzt man nicht hinüber in eine offene Zukunft,

begibt sich nicht in das Land, das keine Grenzen kennt,

lässt sich nicht locken, den See des Lebens zu überqueren an neue Ufer,

sondern man verharrt rückwärtsgewandt im Vergangenen.

 

Liebe Gemeinde,

wenn wir so Glauben leben und feiern bleiben wir unattraktiv für Menschen, die in die Zukunft blicken wollen. Wir werden zu Hütern einer alten Wahrheit,

aber nicht zu Entdeckern der unendlichen Liebe;

doch darum muss es uns gehen.

 

Was Jesus doch wollte, ist, das Glauben sich in der Gegenwart ereignen soll, das Glaube sich im Jetzt erfahren lässt.

Ich bin das Brot“…so wie ich,Jesus, mit Gott in Beziehung stehe, so werde ich euch zur Speise der Unendlichkeit.

Was Jesus uns in ihm und seiner Botschaft schenken will, ist die Nähe eines mütterlichen Gottes. Ein solches Verständnis von Gott begründet Vertrauen auf unendliches Leben.

Wie meine ich das?

 

Wenn ich Gott stets denke als Vaterautorität, dann bleibt Glaube immer verhaftet auf dem Hintergrund von Leistung, Wohlverhalten, Anpassung und Gehorsam. Immer wandern Schuldgefühle mit, das Gefühl, nicht auszureichen. So muss Glaube mir fremd bleiben, weil ich innerlich dagegen aufbegehren muss.

Auf dieser Stufe des Gottesbildes steht Mose.

Jesus hingegen, wenn er von Gott auch als seinem Vater spricht, wollte jenen Typ patriarchaler Frömmigkeit überwinden. Er wollte, dass wir Gott nicht zwiespältig begegnen. Grundlage meines Daseins ist die Bejahung. Leben muss nicht verdient werden, sondern ist geschenkt.

Gott hat gegeben. Man selber erwirkt es sich nicht, es gibt nichts zu machen; da ist lediglich etwas zu erfahren, das geschenkt wird, da findet man etwas vor; da wird nichts erleistet, sondern aufgenommen.

So geglaubt, kann Glaube Leben verändern.

 

Ich bin das Brot des Lebens“ Brot das sich ver- gibt

Jeder ist eingeladen,

selber auch Teil dieses Brotes zu werden.

Das ist auch Kern unseres gelebten Glaubens:

so wie Brot nur wird aus vielen Körnern,

können wir glauben nur in der Verschiedenheit der Vielen,

die Einheit leben.

Das Abendmahl ist Realsymbol für die Solidargemeinschaft Gottes mit uns und die Solidargemeinschaft der Glaubenden untereinander.

So wie das Brot gebrochen und geteilt wird,

leben wir in unserer menschlichen Gebrochenheit

akzeptieren einander

und teilen auch unsere Gebrochenheiten,

weil Gott selber es ist, der eben darin ja zu uns sagt.

Und zwar im hier und jetzt.

 

Wir feiern im Abendmahl nicht ein rituelles Erinnern,

eine nette religiöse Feier,

sondern das uneingeschränkte Ja Gottes zu uns.

 

Und so wie er an uns tut,

dürfen auch wir einander tun.

Dann öffnet sich Weite

und unser Glaube nimmt Richtung an

und zwar Richtung Zukunft.

 

Darauf freue ich mich

 

AMEN

Joh. 16, 29-33

Ich habe die Welt besiegt“

 

Unsere Welt spielt das Spiel des Lebens nach Spielregeln, die nicht die Spielregeln Gottes sind.

Daher kam Jesus in die Welt,

um uns ein Beispiel

kein abstraktes, sondern mit seinem Leben sehr konkretes Beispiel zu geben,

wie Gottes Spielregeln funktionieren.

 

Die Welt umgibt sich gerne mit Glanz und Glorie.

An Feiertagen pariert man mit Panzern und Raketen

Gewählt wird ein korrupter Bungabunga Millionär mit dem Versprechen, alle reich zu machen

Glamour verkauft sich besser als Visionen

Macht und Luxus verkörpern Einfluss und Durchsetzungskraft.

 

Jesus Christus aber spielt anders.

Seine Kraft liegt in den Schwachen.

Sein Reichtum sind die Ausgestoßenen, die die keine Lobby haben,

die die in dieser Welt, den klaren Blick verloren haben,

die gelähmt sind vom Tempo und dem Druck des Mithaltenmüssens.

Gottes Macht ist die Liebe,

ohne Bedingung

ohne Vorbehalt,

aufmerksam, für die Wunde im Andern.

 

Die Welt redet Verwundungen gerne schön

oder schiebt sie weg,

verliert sie aus dem Blick.

Nehmen sie allein unseren Umgang mit Tod und Sterben, den Rückgang einer Abschieds und Sterbekultur;

oder die Berichterstattung der Medien über Not, Armut und Hunger, welche sich orientiert an der Möglichkeit guter Verkaufszahlen der schlechten Nachricht,

aber nicht orientiert am wahren Elend der Menschen.

 

Leiden lässt sich gut verkaufen

Aber damit nicht überwinden

 

Die Spielregel Jesu lautet:

Leiden wird durch Leiden überwunden.

Bin ich bereit, selber zurückzustehen,

ein Opfer zu bringen,

Zeit,

Kraft,

nicht auf mein berechtigtes Anliegen auf z.B. Erholung zu pochen, sondern Leiden zu begegnen wenn auch ich dabei leide???

 

Leiden wird durch Leiden überwunden.

Wenn einmal im Nahen Osten eine palästinensische Mutter einer israelischen Mutter gegenübersäßen und beide den Verlust ihrer Söhne beweinten und diese beiden Frauen die Friedensverhandlungen führten

anstelle der immergleichen auf Vergeltung gesinnten Machoclique

wir wären einem Frieden dort schon viel näher.

 

Wunden werden durch Wunden geheilt,

bin ich bereit anderen auch meine Verwundungen zu zeigen?

Nur so entsteht wahre Intimität,

denken sie an den auferstandenen Jesus und Thomas. Begegnung und Intimität entstehen dort, wo wir zulassen können, dass andere unseren Wunden nahe kommen, ja buchstäblich den Finger in unsere Wunden legen können. Freilich nicht, um es damit schlimmer zu machen, sondern um den anderen darin erst als Ganzheit zu erkennen.

 

Was an Leiden so leiden lässt, ist die Lieblosigkeit.

Lasst uns als Christen mehr lieben und weniger bürokratisieren und technologisieren.

Was Wunden so schmerzhaft macht, ist die Verlassenheit.

Unsere moderne Multikommunikationswelt, sie ist so unnahbar.

Bald ist keiner mehr da, dem ich meine Wunden zeigen kann,

allenfalls über Skype via Bildschirm.

Lasst uns als Christen auch unsere Verletzbarkeit zeigen.

Die Spielregel Jesu lautet:

Wir brauchen keine Fassaden hinter denen wir leben

Die Leute reden sowieso über uns;

na und

Was ist wichtiger: das Gerede der Leute

Oder das Urteil Gottes?

 

Die Welt spielt nach der Regel:

sei stark, verbünde dich mit den Sympathischen und Einflussreichen und glaube nicht, du könntest gegen den Strom schwimmen.

 

Die Spielregel Jesu lautet:

Mensch entdecke die Quelle aus der du bist und zur Quelle gelangst du nur, wenn du gegen den Strom schwimmst.

Betreibe keinen Götzendienst. Gott hat dich befreit.

Allerdings nicht durch Schönfärberei,

große Worte,

Flucht in Oberflächlichkeiten,

sondern durch das Kreuz.

 

„ Ich habe die Welt besiegt“ will sagen

Jesus hat die Angst besiegt.

 

Ja die Kreuze des Alltags machen Angst.

Das ist völlig normal.

 

 

Allein der Glaube, dass da einer war

Wunden anzunehmen,

Verlassenheit zu begegnen,

den Tod am Kreuz für seine Liebe zu Gott und den Menschen zu erleiden -

allein der Glaube, dass dieser Eine mir und dir so unendlich nah ist

wie das Rauschen des Meeres das ich höre, wenn ich eine Muschel an mein Ohr halte -

allein der Glaube an die Liebe dieses Einen

vermag die Angst zu besiegen;

die Angst , die uns lähmt und uns verlockt

nach den Regeln der Welt zu spielen.

 

Wir kommen hier als Christen zusammen, um diesem liebenden Gott zu begegnen

und uns zu bestärken, etwas mehr nach seinen Spielregeln das Spiel des Lebens zu spielen.

Jesus hat uns ein Beispiel gegeben, wie es gelingen kann, die Welt zu besiegen.

 

Wir dürfen die Welt genießen, aber wir sollten nicht nach ihren Regeln spielen,

denn

daran erinnert uns die Jahreslosung „ Wir haben hier keine bleibende Stadt,

wir erwarten die Zukünftige“

 

 

Predigt zum Sonntag Estomihi

 

 

Drei Jahre zog der Wanderprediger Jesus aus Nazareth durch Israel.

Dann begibt er sich nach Jerusalem,

ins Zentrum der politischen und religiösen Macht.

Er ist sich bewusst, was das für ihn bedeutet.

Unerträglich für alle Etablierten

alle Eingesetzten und Selbsternannten

Hütern der Macht

der Instanzen

der Moral

des Festgefügten

ist die Predigt vom Hereinbrechen des Reiches Gottes.

 

Er trieb es immer wieder auf die Spitze.

Hätte er nicht ein wenig vorsichtiger,

ein wenig strategisch geschickter vorgehen können?

Musste er denn dermaßen provozieren?

 

Das Reich Gottes hat keine Zeit für Strategien,

hier und jetzt,

wer die Hand an den Pflug gelegt hat, soll nicht mehr zurückblicken,

Entschieden

aus Glauben.

Sich und Gott bleibt er treu auch im Leid dieser Welt.

 

Auf seinem Weg trifft er auf den Blinden. Das Auffallende an der Geschichte ist der Konflikt, den sein lautes Schreien auslöst. Hierin verdichtet sich, was die Blindheit ausmacht. Sein lautes Rufen wird ihm zum Vorwurf gemacht.

Der Blinde wird als störend empfunden.

Er fällt aus dem Rahmen,

nein es handelt sich ja nicht um einen Unfall,

er steigt aus dem Rahmen.

Er bringt die öffentliche Ordnung durcheinander.

Er soll sich bitte nicht so wichtig nehmen

und die Prozession des Messias stören.

Und vor allem: er möge doch in der Rolle verbleiben, die er bisher gespielt hat;

nämlich die Rolle eines unauffälligen an den Rand gedrängten Lebens passiver Abhängigkeit und Hilfsbedürftigkeit. Man hat ihn doch in seiner Blindheit versorgt, das muss reichen.

 

 

Nein, der Blinde versucht sich bemerkbar zu machen.

Und das stört.

Das will man nicht.

Seine Umgebung akzeptiert und unterstützt ihn,

solange er still und zurückhaltend bleibt.

Er bekommt alles,

solange er darum bettelt.

Etwas zu fordern ist nicht vorgesehen.

Er soll sich nicht selber zu Wort melden.

Er hat von sich selbst zu denken, dass er mit seinen Wünschen lästig ist.

Der Blinde genießt nur solange ein gewisses Ansehen,

solange alle auf ihn mitleidig herabsehen dürfen.

 

Das Leben in diesen Umständen zu verstehen ist Bedingung dafür, seine Blindheit zu verstehen.

Man kann die Welt nicht mehr klar sehen, wenn man darin nur wahrzunehmen vermag, wie vorwurfsvoll und überlegen die anderen einen anschauen.

Leben in ständiger Scham

und die Blicke der Andern drücken einen nieder.

Du hast nur Berechtigung in Abhängigkeit.

Wie soll man dem begegnen?

 

Eine Lösung wäre,

abtauchen in das Nichtsehen aus Angst vor diesem Druck.

Die Unfähigkeit, den Anderen in die Augen zu schauen, verfestigt sich in der Blindheit.

 

Liebe Gemeinde,

Menschen verlieren den klaren Blick, wo Rollenvorschriften der Anderen sie niederdrücken. Wo Menschen Macht ausüben über andere

auch ganz subtil

und ihnen Entwicklung nicht gestatten,

sondern sie verhaften in der immergleichen Rolle,

dort wird man blind für die Wahrheit,

und dies bis zur physischen Blindheit.

Der Körper manifestiert den Zustand der Seele.

 

Warum wählt man so ein Schicksal der Passivität?

Worin liegt der eigene Krankheitsgewinn?

 

 

 

 

 

Der Anspruch der anderen, wir sehen schon für dich,

entmündigt,

aber befreit auch von der Last, die Augen für das eigene Leben offen zu halten.

Lieber blind, als damit leben zu müssen, dass die eigenen Wünsche keine Berechtigung haben.

 

So ist das erste Wunder auch, dass der Blinde Bettler sich selbst zu Wort meldet.

Er tritt aus dem Schatten in die Öffentlichkeit.

Der, der niemals seinen eigenen Augen trauen durfte,

nimmt sich jetzt das Recht, sich zu Wort zu melden.

Die Kraft hierzu nimmt er im Glauben, dass der, der eine neue Ordnung ankündigt, Jesus aus Nazareth, ihn damit befreit zu einem Leben in Eigenständigkeit.

Diesem Jesus, den wir bekennen als Gottes Sohn, ihm sind Einordnungen nicht mehr wichtig.

Für ihn zählt nur das Ja Wort Gottes gesprochen zu jedem Menschen.

Im Gewühl hört er die Stimme des Blinden. Sie ist ihm wichtiger als all das Hosianna der Anderen.

Er weiß, dass dieses oberflächliche Getue bald enden wird.

Gott hört auf den Einzelnen.

Um seine

um meine

um deine Größe geht es ihm.

Wo Menschen aus dem Schatten ins Licht treten, begegnen sie Gott

und nicht wo religiöse Claqueure fromm gemeinte Bekenntnisse festzuhalten versuchen.

Gott heilt, indem er nicht doziert,

sondern den Einzelnen nach seinem Willen fragt.

Nichts Äußerliches,

sondern allein der Glaube heilt.

 

Auch ich bin diesbezüglich immer ein Lernender

und lerne ganz konkret von ihnen und ihren Zugängen zu Gott und Gottesdienst.

 

Deswegen brauche ich auch ihre Stimmen.

Was ist ihnen wichtig?

Was brauchen sie?

 

Liebe Gemeinde,

wer sich auf Gott einlässt,

wer mit seinen eigenen Augen die Welt betrachtet,

sich nicht nach den Einordnungen der Anderen ausrichtet,

sondern von der Liebe Gottes berührt weiß,

der wird es nicht immer einfach haben.

Der wird anecken,

Widerspruch auslösen,

den werden andere als anstrengend empfinden,

den wird man versuchen,

aufs Kreuz zu legen.

 

Das Reich Gottes ist nahe, aber es ist noch nicht da.

Als Freundinnen und Freunde Gottes leben wir in dieser Erwartung.

Wir bestärken einander in unserer je eigenen Einzigartigkeit.

Christen sind nicht uniform,

sie sind Unikate.

 

„ dein Glaube hat dich geheilt“

 

 

AMEN

 

 

 

 



Letzter Sonntag nach Epiphanias

 

Joh.12,34-36

 

Die Leute nun antworteten Jesus: „Wir haben aus der Tora gehört, dass der Messias in Ewigkeit bleibt, wie kannst du sagen, dass der erwählte Mensch emporgehoben werden müsse? Wer ist dieser erwählte Mensch?“ Jesus nun sagte ihnen:“ Nur noch kurze Zeit ist das Licht unter euch. Geht umher, da ihr das Licht habt, damit die Finsternis euch nicht aufnimmt. Aber alle, die in der Finsternis umhergehen, wissen nicht, wohin sie gehen. Da ihr das Licht habt, glaubt an das Licht, damit ihr Kinder des Lichts werdet!“ Dies redete Jesus und ging weg und versteckte sich vor ihnen.

 

(Übersetzung aus „Bibel in gerechter Sprache“)

 

Die Frage, die uns am letzten Sonntag nach Epiphanias gestellt wird lautet: wer ist denn nun dieser Jesus?

Die Erwartung, genährt durch theologische Tradition, war zumindest im Volk Israel eine andere, als wie die Perspektive, die Jesus bezüglich seiner Person andeutet, sie erfüllen konnte. Auch später seit Beginn der Zeit, in der wir von der Gemeinde der Jesusanhänger als Kirche sprechen, wurde die Frage, wer Jesus nun sei, heftig diskutiert. Es wurde gestritten, sich gespalten, sich mit Waffen bekämpft. Vor allem wurden kilometerlang Bücherregale voll geschrieben mit theologischen Traktaten, dogmatischen Lehraussagen und christologischen Erläuterungen.

Jesus selber beantwortet die Frage auf seine Weise. Er theologisiert nicht, er existentialisiert.

Es geht ihm nicht darum, was wir von dem „erwählten Menschen“ wissen, sondern aus welcher Vision heraus und auf welche Perspektive hin wir leben.

„ Geht umher, da ihr das Licht habt“.

Jesus ist nicht der Verkünder dogmatischer „Rätselwahrheiten“, die sich verwalten ließen, sondern er fordert uns auf, mit ihm zu leben und seinen Weg mitzugehen.

Und hier lenkt sich unser Blick nochmals zurück auf die Weihnachtsbotschaft. Wenn die Hirten auf den Feldern Bethlehems nicht aufgebrochen wären,

sich nicht auf einen neuen Weg begeben und Veränderung riskiert hätten, wäre die Botschaft der Engel auch nicht in die Welt getragen worden.

 

Die Frage, wer Jesus ist, kann in letzter Sicherheit nur beantworten, wer Aufbruch wagt, wer sich mit Jesus auf den Weg begibt, wer bereit ist mit der eigenen Person, der Person Jesu zu begegnen. „ Glaubt an das Licht“ Glaubt daran, dass in eure vom Tod bedrohte Existenz ein Licht erschienen ist, welches jeden von uns selbst zum Strahlen bringen möchte. Lebt euer Leben im Licht-glanz der Botschaft Gottes, dass ein jeder unendlich geliebt und aufgehoben ist.

Wer wirklich wissen will, wer er ist, dieser „erwählte Mensch“, der findet die Antwort nicht in schrifgelehrter Information. Wir sollten nicht nach theolo-gischen Beweisen suchen, sondern uns auf den Weg machen.

 

Es ist die Begegnung mit der absichtslosen Güte und Liebe, die das eigene Leben wahr werden lässt und in diesem Licht schauen wir das Licht. Wer selbst bereit ist, als Kind des Lichtes zu leben, kann das Licht erkennen.

 

Liebe Gemeinde,

wir vertrauen allzu  leicht und zu gerne unseren Schattenseiten. Wir halten für wahr und entscheidend

was Negatives andere über uns denken.

Wir kennen unsere eigenen Schwächen, Traurigkeiten und Abgründe.

Und was für Energie wenden wir auf, diese vor anderen zu verbergen, zu kaschieren.

Wir kränken andere, um den Blick von uns abzulenken,

alles nur, weil wir den dunklen Seiten, eine höhere Bedeutung beimessen.

Warum nur?

 

Lasst uns doch das für entscheidend

Und für unser Wesen prägend halten, was in uns Licht ist.

Unsere Charismen,

Stärken

Die Wunder des Alltags zu denen jeder von uns sie zu vollbringen im Stande ist.

 

Liebe Gemeinde,

mit dem heutigen Sonntag endet liturgisch der Weihnachtsfestkreis. Das Evangelium von heute lenkt unseren Blick schon auf das, was sich anschließt, die Passionszeit.

Die Passionszeit findet ihren Höhepunkt auf dem Berg Golgatha.

Seit 2000 Jahren steht dieser Berg stellvertretend für alles Leid, was Menschen Menschen einander antun können. Seit 2000 Jahren ist das Geschehen auf dieser Hinrichtungsstätte Synonym für all unsere Ängste,

für tiefe Gottverlassenheit,

Einsamkeit

Ausgeliefertsein

Synonym für Schmerz, Wut und Verlassenheit.

 

„ Gott mein Gott, warum hast du mich verlassen“ Jeder von uns wird in seinem Leben, sich an Situationen erinnern,

dass einem dies Empfinden in die Seele stach.

Warum muss das mir passieren?

Defiziterfahrungen,

Verlust, Schmerz und Leid

Sie gehören zum menschlichen Leben.

Ich kann mich im Wissen und Erleben dessen prägen lassen.

Nur noch leben auf Golgatha;

der Depression, Angst

dem Zynismus und der Verachtung ganz viel Raum geben.

 

Aber die heilmachende Botschaft Gottes hat noch einen anderen Berg im Angebot.

Und bevor wir uns als Christen in der Passionszeit wieder mit der Frage des Leids beschäftigen, wird uns dieser berg vorgestellt.

Tobor.

 

Der Berg der Verklärung. Es tut gut öfter mit Abstand

Erhobenen Hauptes,

aus anderer Perspektive,

Supervision

auf Dinge

Beziehungen,

Abläufe,

Lebensprozesse zu blicken.

Dann erklärt sich Manches,

manches löst sich wie von selbst

bekommt eine viel geringere Bedeutung, als wie wir es dachten.

 

Meine Lieben,

jeder von uns muss seinen eigenen Golgatha besteigen.

Dies geht aber nur,

wenn sich jeder auch seinen Berg Tabor geleistet hat.

 

Liebe,

das Gefühl, in meinem Wesen verstanden und angenommen zu sein,

Lust zu geniessen, dass einem schier der Bauch vor Kribbeln zu platzen scheint

Die Grenze des Ichs im Du überschreiten,

übrigens

sie kennen das,

da verklären sich wirklich Gesichtszüge,

unsere Freunde können uns das am Strahlen ablesen.

 

Liebe Gemeinde

Ich wünsche mir und jedem von uns, dass wir das Leben ausrichten auf das besteigen dieses Berges Tabor.

Golgatha kommt von ganz alleine,

auch andere werden ihn uns bereiten.

Aber aus Angst davor leben

Heisst sterben schon im Leben.

Nein wir Christen sollen leben aus der Perspektive des Berges Tabor heraus.

 

Ich wünsche mir, dass das unsere Ausrichtung und Perspektive ist: das wir leben als verklärte

als Typen , die aus dem heraus leben, was uns zum Strahlen bringt.

 

Machen wir uns auch als Gemeinde Brunsbüttel auf

Den Berg Tabor zu besteigen.

Und gucken wir nicht so oft auf das verletzte und Leid ausgelöste.

 

Ich freue mich

Auf viele spannende

Befreiende

Verklärende Gipfelerfahrungen mit ihnen allen

 

 

Weihnachtspredigt

 

Liebe Gemeinde,

stellen sie sich vor, die uns allen so vertraute Geschichte von den Hirten auf den Feldern, hätte sich

anders ereignet.

Die Hirten gehen ihrer Arbeit nach. Es ist Nacht, es ist still. Alles verläuft wie gewohnt. Vieles ist Routine, manches ist unerwartet und spannend. Man arbeitet im Schichtdienst, die Nachtwache kämpft gegen die Müdigkeit. Wache halten und aufmerksam sein, um Gefahren für die Schafe frühzeitig zu erkennen erfordert  Konzentration.

Dann eine völlig unerwartete Situation,                                                                   sowas gab es noch nie.

Mitten in der Alltäglichkeit gibt es eine Unterbrechung,                                         es bricht was in das Leben,                                          

ein unerwarteter Einschnitt;

da kommt von außen etwas, was eigentlich jetzt gar nicht hierher gehört

eine Idee,

eine Vision,

ein Angebot ,

eine andere Welt bricht in das Leben,

ein Angebot sich zu verändern,

so klar, so strahlend, dass es schon wehtut und Angst macht. Vertrautes, als gewohnt Eingespieltes schenkt Sicherheit.

Neues und wenn es so einleuchtend erscheint, macht erstmal Angst.

Dieses zunächst Blendende und Erhellende berührt aber eine Sehnsucht,

die in den Momenten der phantastischen Tagträume,

der Welt, die sich jeder von uns selbst erschafft und darin seine eigene Rolle spielt

der tiefste Grund ist.

Die Engelsbotschaft eröffnet den Hirten die Möglichkeit, dass eben diese Sehnsucht erfüllt wird. Sie müssen lediglich aufbrechen. Sie müssen lediglich etwas tun, was sie vorher noch nie getan haben, nämlich die Herde verlassen, den Job ruhen lassen, aufbrechen, eine neue Perspektive einnehmen, etwas verän-dern.

Was heißt hier überhaupt lediglich?

Das ist ja allerhand.

 

 

Was wäre passiert. Wenn die Hirten auf den Feldern Bethlehems bei ihren Herden geblieben wären in jener Nacht,

wenn sie nicht den Stall aufgesucht hätten,

wenn sie nicht Maria die Botschaft weitergeben hätten, dass eben dieses Kind die Verheißung des Friedens verlebendigt,

wenn sie die Botschaft für sich behalten hätten und nicht aufgebrochen wären?

 

„ Ist ja nett ihr lieben Engel, dass ihr euch bemüht,

aber das passt mir jetzt gerade gar nicht,

anderes ist wichtiger.

Ich kann mich ja später mal mit sowas beschäftigen

und mich jetzt verändern, ob ich die Energie habe,

aber wie gesagt Danke für euer Engagement, ich komme gerne später auf euer Angebot zurück.“

 

Vielleicht wäre die Geschichte dieses Jesus nicht so verlaufen, wie wir sie kennen, weil seine Familie ihn ohne Vorahnung seiner Bestimmung anders erzogen hätte.

Und die Botschaft vom Hereinbrechen des Friedens wäre so nicht überliefert worden.

Auf jeden Fall, wäre das Leben der Hirten anders verlaufen, die anschließend einfach gut drauf waren.

Eine enorme Chance, ein großes Geschenk wäre vielleicht nie ausgepackt worden, wenn die Hirten nicht Aufbruch gewagt hätten,

dem nicht vertraut hätten, was einleuchtend erschien,

und sie sich nicht darauf verändert hätten.

 

Liebe Gemeinde,

Gott macht uns heute ein Angebot:

Der Prophet Hesekiel hat es in der Lesung, die wir gehört haben, so formuliert:

“ Ich (Gott) will mit euch einen Bund des Friedens schließen.“

Und in der Person Jesus Christus wird dieser Friede ganz konkret.

Friede ist geboren; er ist noch nicht vollendet, das wissen wir, aber wie es gehen könnte, das auch. In Jesus Christus hat Friede menschlichen Leib angenommen. So wie der lebte könnte es funktionieren. Friede ist geboren allen Menschen. Gott macht uns heute dieses Angebot:

Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen seiner Gnade.

 

Was würde passieren, wenn wir sein Angebot heute Abend annehmen würden.

Natürlich versuchen wir alle miteinander in Frieden zu leben und das nicht nur an Weihnachten, keine Frage,

aber ich meine, wenn jeder ganz konkret für sich aufbrechen würde,

wenn jeder für sich diese Krippe suchen würde,

wenn jeder für sich seiner Grundsehnsucht folgen würde,

der Rolle seines Tagtraumes in seiner selbstgeschrieben Geschichte volles Vertrauen schenken würde?

Was wäre wenn auch wir es so machen würden wie die Hirten damals auf den Feldern Bethlehems und

Aufbruch wagen?

 

Wir dürfen aufbrechen zu dem, was uns wirklich Frieden schenkt,

zu dem was unsere Grundsehnsucht ist.

Und wir brauchen vor diesem Aufbruch eigentlich keine Angst haben.

„Fürchtet euch nicht“ so begrüßt, so spricht sie jeden von uns an die Weihnachtsbotschaft, die Botschaft von dem was in uns lebt, was geboren werden will. Trauen wir dem, was uns ausmacht!

 

Was würde sich in meinem Leben -

In Deinem Leben verändern;

was im Leben unserer Familien

Freunde, Nachbarn, der Welt…wenn wir der Angst nicht so viel Raum gäben.

 

Was würde sich verändern wenn heute auf den Feldern Bethlehems Israelis und Palästinenser sich aufmachen würden, um der Verheißung auf ein neugeborenes Kind mehr Glauben zu schenken, als der Sprache der Waffen? Was wäre wenn sich beide Seiten nicht mehr voreinander fürchten.

Gott hat Wohnung unter uns genommen, so schreibt der Prophet Hesekiel. Und er wohnt in den Hütten der Israelis wie in den Hütten der Palästinenser. Glaube ich dies, dann kann ich doch Gottes Wohnung nicht mit Raketen beschießen.

 

Was würde sich verändern, wenn jeder dort, wo er und sie lebt und arbeitet etwas mehr dem glaubt, was unsere eigentliche Sehnsucht ausmacht und nicht so sehr dem folgt, was andere von uns erwarten, andere in uns hineinprojizieren, andere von uns abfordern.

Vielleicht gelänge es dann, dass ich mir selbst und Anderen mehr gönne von den Träumen des Lebens.

 

Was würde sich verändern, wenn wir dort, wo die Meisten wie instinktiv zurückkehren um Weihnachten zu feiern, im elterlichen, im familiären Zuhause, im Freundeskreis

entdecken würden, dass auch hier

Gott Wohnung genommen hat.

Ja jeder muss seinen eigenen Weg gehen,

aber die Vertrautheit, die familiäre Geborgenheit und auch die konkrete vielleicht nicht perfekte Familie und Freundeskreis ist ein Ort der Nähe Gottes.

Vielleicht wären wir in mancher Situation mit anderen Familienmitgliedern ein wenig entspannter und wir könnten sie so lassen wie sie eben sind, ohne zu versuchen, sie verändern zu wollen. Wir könnten uns aussöhnen mit dem, was in unseren Familien gelungen und nicht gelungen ist.

 

Liebe Gemeinde,

für mich ist Weihnachten ein Fest des Aufbruchs.

Gott bricht auf zu uns.

Er macht den Anfang. Gott sei Dank.

Er bricht auf in unsere konkreten Lebensgeschichten und zu unseren konkreten Lebensorten.

Der Zauber dieser Nacht ist es, dass Gott uns einlädt, es so zu machen wie die Hirten,

nämlich aufzubrechen dorthin, wo der Traum Gottes für mein Leben in mir Gestalt nimmt

wo mir Frieden wird

und aufzubrechen zu anderen Menschen, die mir zu einem Ort des Friedens werden.

Und wir dürfen aufbrechen zu den Orten, wo wir uns Zuhause fühlen, ob in der Familie oder bei Freunden. Driving home for Christmas.

So gesehen ist Weihnachten auch ein Fest des Ankommens. Ankommen in der göttlichen Wirklichkeit, die mich ausmacht und die mich umgibt.

 

Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen seiner Gnade.

 

Eine schöne Botschaft alle Jahre wieder. Ob sie sich schnöde abgenutzt hat und unglaubwürdig ist liegt auch an uns. Ob die Botschaft vom Frieden, der sich ausbreitet Wirklichkeit wird, liegt auch an meiner und unserer Bereitschaft aufzubrechen. Bin ich bereit mit mir Frieden zu machen, mit Anderen und mit meiner Geschichte? Die Botschaft dieser Weihnacht wird sich weitertragen, wenn wir Aufbruch wagen, wenn wir Gott zutrauen in mir und Anderen Mensch geworden zu sein und in unserer Welt Wohnung genommen zu haben.

Gott hat mit uns einen Bund geschlossen,

fürchtet euch nicht

 

AMEN

 

 



Predigt zum 3. Advent

 

Im Buch des Propheten Jesaja heißt es:

„Tröstet, tröstet mein Volk“

 

Das Volk Gottes sind gerade die, die in der Advents- und Weihnachtszeit sich für etwas Zeit nehmen, was im Verlauf des restlichen Jahres keinen Raum im Alltag zu haben scheint,

was zu kurz kommt.

Es bewegt viele eine Mischung von Suche nach Spiritualität,

und nach „zu Ruhe kommen“.

„Driving home for Christmas“

Wir sehnen uns nach Beheimatung, nach dem kindlichen Gefühl der familiären Geborgenheit.

Wir machen es uns muckelig Zuhause und versuchen mit allerlei Lichtern in den Fenstern der Dunkelheit zu trotzen, auch so mancher Erschöpfung und Trauer in der eigenen Existenz.

Kirche bekommt nochmal eine Bedeutung, d.h. soll uns unseren immer komplizierter werdenden Alltag deuten helfen.

Ja wir haben uns etwas Trost verdient und gut, dass sie heute hier sind.

 

„Tröstet, tröstet, so spricht euer Gott.“

 

Gott spricht, auch heute, aber in unserer Twitter - und Facebookwelt,

in unserer Fernbedienungsmentalität, in der wir ständig versucht sind die Kanäle zu wechseln und neue Trends uns viel Aufmerksamkeit abverlangen,

in dem Stress von Multitasking und dem Parallel Reagieren müssen auf ganz unterschiedlichen Lebensebenen,

fehlt uns die innere Achtsamkeit, Gott zu Wort kommen zu lassen.

Wir hören ihn einfach nicht mehr.

Und zwar nicht, weil seine Sprache überkommen ist

oder die Kirche zu unmodern,

völlig unabhängig davon, vermögen immer weniger Menschen unserer modernen Welt, Gott zu hören: seid getröstet mein Volk.

Der Advent lädt uns ein, Achtsamkeit zu üben,

Trost zu kosten,

uns in die Ruhe Gottes fallen zu lassen

und es ist gut

 

„Redet Jerusalem zu Herzen und ruft ihr zu“

 

Jerusalem ist heute für uns Brunsbüttel. Hier leben wir. Hier will uns Gott zu Herzen gehen. In unserer Lebenswelt, in unserem konkreten Alltag ist Gott uns nahe.

 

„dass ihre Knechtschaft beendet ist und ihre Schuld vergeben ist“

 

Was mich in meinem Alltag oft erschöpft, ist das Gefühl, noch  nicht zu genügen. Erwartungen nicht erfüllt zu haben, Menschen etwas schuldig geblieben zu sein oder auch mir zu wenig Ruhe gegönnt zu haben.

 

„hat sie doch  aus der Hand Gottes empfangen das Doppelte, doch euch ist vergeben, lebt versöhnt“

 

 

Ich darf mir vergeben,

es nicht allen recht machen zu können,

ich darf mir vergeben, nicht alles erledigt zu haben,

ich darf denen vergeben, die meine Erwartungen nicht erfüllt haben

mir ist vergeben, dass ich Fragment bleibe und niemals vollkommen.

 

Eine Stimme ruft: >in der Wüste bahnt einen Weg für Gott<

 

Manchmal bedarf ich einer Stimme von außen, die mich darauf aufmerksam macht, dass gerade in den Zeiten, wo ich mir selber leer vorkam, traurig, am Vertrocknen,

Gott sich einen Weg in mein Leben gebahnt hat. Gerade wo ich mich allein fühlte blieb er mir nahe.

 

>Ebnet in der Steppe eine gerade Straße für unseren Gott, alle Täler sollen sich erheben, und alle Berge und Hügel sollen einsinken, das Bucklige wird zur Ebene und Schutthalden zum Talgrund<

 

Gerade wo mein Leben über Umwege verlief, wo es Brüche und ein auf und ab gab, da verläuft der Weg Gottes mit mir. Und ich weiss wovon ich rede. Gerade die Umwege haben mich ja nach Brunsbüttel geführt und ich bin dankbar dafür.

Gebt Gott in eurem Leben Raum, vertraut euren Sehnsüchten.

 

Da wird der Glanz Gottes offenbar werden

Alles was lebt wird es gemeinsam sehen

 

 

Liebe Gemeinde, geben wir Gott mehr Gewicht in unserem Leben. Hinter diesem Gefühl gerade in der Advents- und Weihnachtszeit in die Kirche gehen zu wollen, da ist ja was dran, das ist ja authentisch, das hat ja was mit meiner Sehnsucht nach Trost zu tun.

Unser Zusammenleben wird immer anonymer,

Nachbarschaften werden fremder,

bedingt durch öfteren Arbeitsplatzwechsel sinkt kollegialer Zusammenhalt

und bestattet wird namenlos auf  grüner Wiese.

Den Glanz Gottes aber, den entdecken wir in Gemeinschaft. Und als Christen können wir nur in Gemeinschaft glauben, Christ ist man nicht für sich allein. Das spüren wir in den vollen Kirchen in dieser Zeit und das tröstet.

 

Ja der Mund Gottes hat es gesagt.

Eine Stimme spricht: >Rufe

Da sprach ich:   

 

Was soll ich rufen? <

 

Alles, was lebt, ist Gras

und all seine Anmut wie eine Blume des Feldes.

Gras vertrocknet, Blumen verwelken, wenn der Atem Gottes sie anhaucht.

Ja Gras ist das Volk,

Gras vertrocknet, Blumen verwelken.

 

Jeder von uns kennt Erfahrungen, des Welkens. Manche Liebe ist verwelkt,

und manch jugendliche Haut,

Freundschaften welken oder Menschen, die wir für Idole hielten,

Auch Predigten kommen mir manchmal welk vor, ob die immer was bewirken, weiß ich nicht. Was rede ich da eigentlich?

Körperliche Kräfte welken,

wenn wir älter werden können wir nicht mehr so wie früher,

immer müssen wir uns verabschieden, von Gewohnheiten ebenso wie von materiellen Gütern und leider auch von Menschen, die mit uns das Leben teilten.

So ist das Leben. Scheitern gehört dazu:

ein ganzes Volk kann scheitern,

eine Revolution kann scheitern,

eine Beziehung,

ein Lebensentwurf.

Der Advent verbindet die Erfahrung der Vergänglichkeit, des Scheiterns und des Sterbens mit dem Blick nach vorn. Mit dem Blick auf neues Leben, mit dem Blick auf neue Hoffnung und Trost.

 

Das Wort Gottes steht immer wieder auf

 

Ich vertraue auf einen Gott, der nicht im Zustand der Dunkelheit bleibt,

der Erschöpfung, der Angst und Trostlosigkeit.

Ich vertraue auf einen Gott, der aufsteht. Jeder Weg durch eine Krise ist ein Weg des Advent,

ein Weg, der das Gestern mit dem Morgen verbindet, ein Weg mit Widerständen, aber auch schon im Licht von Weihnachten,

d.h. von Menschwerdung.

Nicht nur Gott wird Mensch,

er wird in mir Mensch.

 

Jeder sehnt sich danach, er und sie selbst zu sein

und mit Gott, den wir in Gemeinschaft erfahren in diesen Tagen

kann dies getrost gelingen.

Bahnen wir Gott einen Weg in das Leben. Machen wir`s wie er

werden wir Mensch

 

 

Gedanken zum Volkstrauertag

 

„Er ist weggegangen und einfach nicht mehr wiedergekommen.“

So erzählte mir eine Kriegerwitwe vom Verlust ihres Mannes. Es war keine Zeit zum Abschied nehmen und es gibt keinen Ort für die Trauer. Die Gewissheit des Todes bleibt verdeckt und anonym.

 

Liebe Gemeinde,

kein Toter soll vergessen sein

und

kein Lebensopfer wie selbstverständlich hingenommen und in der Banalität des Alltags untergehend.

Wir kommen zusammen um zu trauern; und zwar kollektiv als Gemeinschaft.

Dem Tod, der Vielen, die kein würdiges Grab haben,

dem Tod derer, die auch in jüngster Zeit,

ich denke an unsere, Feuerwehrkameraden,

ihr Leben gaben,

geben wir mit dem heutigen Gedenken

Öffentlichkeit.

 

„Er ist weggegangen und einfach nicht wiedergekommen“

Was für viele bis heute ein nicht abgeschlossener Trauerprozess,

was viele über lange Jahre hin als enorm schmerzhaft empfanden,

dass sie nämlich kein Wissen über den Tod

keinen Ort

keinen Namen auf einem Stein besaßen,

 

wird heute von vielen als Bestattungsart bevorzugt,

sich nämlich auf grüner Wiese anonym beerdigen zu lassen.

Abschiedsprozesse, Trauern, Sterblichkeit,

verdängen wir heute nur allzu gerne ins Private

in die Anonymität.

Mit vielen gutgemeinten Begründungen versuchen wir schön zu reden, dass das Ärgernis des Todes seinen Raum im Leben verliert.

 

Auch deswegen ist es gut und wichtig Volkstrauertag zu feiern.

Der Tod ist nicht anonym.

Er betrifft den Sterbenden, seine Familie, Freunde, das Milieu, in dem er gelebt hat, seine Stadt, seine Heimat.

 

 

 

 

Liebe Gemeinde,

den Charakter eines Volkes erkennt man auch daran, wie es trauert.

Deshalb mache ich mir sorgen, um die Zunahme anonymer Bestattungen,

weil ich in keiner anonymen Gesellschaft leben möchte. Und der Tod ist gesellschaftliche Realität.

 

Wir trauern heute als Volk

als Deutsche

als Brunsbütteler

und als Volk Gottes.

 

Wir trauern um die, die ausgezogen sind

und nicht mehr nach Hause kamen,

auf das ihr Tod nicht anonym bleibt.

Wir trauern um die, die verschleppt, gequält, der Würde beraubt

und von einer perfide organisierten Tötungsindustrie ermordet wurden

auf das ihr Tod nicht anonym bleibt.

 

Die Unerträglichkeit des Krieges,

das seelenverzehrende Trauma von Angst und Schmerz,

die Schuld des Tötens,

das Wehklagen der Mütter,

die Tränen der Kinder,

das dürfen wir nicht vergessen.

Würden wir es vergessen

oder es schön reden

würden wir dem Krieg seinen Schrecken nehmen.

Und eben dies dürfen wir nicht,

nicht 10 nicht 20 nicht 60 Jahre danach.

 

Es ist gerade unsere Verantwortung an das zu erinnern, was menschenverachtende Ideologie anzurichten vermag.

Es ist unsere Verantwortung daran zu erinnern, dass das Kalkül der Macht dem Wohl und der respektvollen Wertschätzung eines jeden Individuums zu

dienen hat und nicht der Verwirklichung von Zielen Einzelner.

 

Ein Volk trauert und das ist gut so.

Wir trauern auch um die Menschen, die heute Opfer von Krieg, Völkermord und Vertreibung werden.

Wir trauern als Volk Gottes, dass es uns Menschen noch immer nicht gelungen ist, auf Gewalt mit immer neuer Gewalt zu antworten,

wir trauern, dass wir Waffen und Abschreckung mehr vertrauen

als den Tränen der Mütter:

 

Liebe Gemeinde,

wenn im Nahen Osten statt der aggressiven auf Vergeltung sinnenden Politiker

einmal eine israelische und eine palästinensische Mutter am Verhandlungstisch säßen, die beide den Tod ihrer Kinder beweinen,

wir wären dem Frieden schon viel näher.

 

Wir trauern als Gemeinschaft

und nicht anonym, sondern öffentlich,

weil der Skandal der Gewalt in dieser Welt ein Öffentlicher ist.

 

Es ist auch unsere Verantwortung Danke zu sagen.

Die Freiwillige Feuerwehr gedenkt heute ihrer fünf Kameraden, die bei einem Einsatz 1981 ihr Leben gaben. Den meisten Brunsbüttelern ist dieser 10. Juli in ewiger Erinnerung. Unsere Konfirmanten waren da noch gar nicht geboren.

 

Es ist wichtig, dass wir als Gemeinschaft an die denken, die für die Gemeinschaft starben. Es ist wichtig, dass wir in unserer zunehmend individualisierten

und virtualisierten Abstandgesellschaft

an diejenigen erinnern, die nicht nur an sich selbst gedacht haben, sondern den Gemeinschaftssinn vor den Eigensinn gestellt haben.

Es ist wichtig jungen Menschen Werte vorzuleben, die in unserer immer anonymer werdenden Gesellschaft einen nutzbringenden Bestand haben,

Werte, von denen wir leben können und die Zukunft gestalten.

Die Kameradinnen und Kameraden der Feuerwehr leisten einen freiwilligen Dienst, ein Ehrenamt, welches für die Gemeinschaft sogar das Wichtigste geben kann, was ein jeder besitzt,

das eigene Leben.

Eine Stadt wie Brunsbüttel wird in seinen gewachsenen Strukturen für uns alle nur lebenswert bleiben, wenn wir uns alle als Solidargemeinschaft verstehen.

Für den institutionalisierten Rückzug ins Private wie es in unseren Grosstädten gelebt wird, hat Brunsbüttel nicht die Infrastruktur und das kann auch nicht unser Ziel sein. Die Achtsamkeit füreinander macht uns sexy und nicht die Anonymität.

Daher danke ich heute im Namen aller denen, die auf unser Wohl achten und danke heute besonders den Kameraden und ihren Familien, die ihr Leben gaben.

Wir genügen nicht uns selbst,

wir brauchen einander.

Und eine Kultur des Trauerns prägt auch unsere Kultur des Lebens.

Beides geht besser in Gemeinschaft. Lassen sie uns dies in Brunsbüttel weiter bauen und leben

 

AMEN

 

 

Predigt zum 20 Sonntag nach Trinitatis

 

 

Mir schmeckt der Herbst,

 

sei es nun Kürbissuppe (und meine ist ein Träumchen), Pilzgerichte, Wild, oder unser guter Dithmarscher Kohl. Der Herbst bietet uns das zum Leben an, was lange Zeit zum Reifen brauchte und dem Körper Energie für die kalten Winter-tage zuführt.

Und wenn morgens, ich bin ja bekennender Frühaufsteher,

der Mond Deich und Elbe zunächst in blaues Licht und die Sonne anschließend ein rot goldenes Szenarium inszeniert und dann zum Aufgang der Sonne die Nebelschwaden von den Feldern aufsteigen,

dann bietet der Herbst auch einen phantastischen Schmaus für die Augen.

Der Herbst ist bunt. Die Natur verändert ihre Farben. Aber die Dunkelheit nimmt zu.

Der Herbst erinnert uns auch daran, dass, wie der Apostel Paulus uns heute hier in Brunsbüttel in seinem Brief an Christen in Korinth schreibt, das Wesen dieser Welt vergeht.

Jedes Leben ist ein Endliches. Wir dürfen Abschied nehmen. Wo dies im Alltag gelingt und das Genießen nicht zum Selbstzweck wird, gelingt Leben.

Ich genieße gerne und mit großer Dankbarkeit, weil ich weiß, dass es gut ist,

aber nicht alles; mein Lebenssinn  hängt nicht daran.

Ich binde mich nicht an Genuss,

bin nicht davon abhängig,

deswegen kann ich noch genießen

und kann Gutes und Schönes wertschätzen.

 

Nochmal: der Sinn des Lebens liegt für mich nicht im Schönen dieser Welt,

daher ist Herbstliches

ob´s Wetter ist

oder Veränderungen im Lebensprozess

nichts wovor ich Angst habe oder was mich bedroht.

„Diese Welt vergeht“

Was Paulus da schreibt ist ja nun kein Geheimnis.

Unsere Welt verändert sich: seit dem Aussterben der Dinosaurier gab es noch nie ein so zahlreiches Artensterben wie in unserer Zeit;

das Klima wandelt sich;

Gesellschaftliche Bezüge und Generationenverträge gelten nicht mehr.

Es gab noch nie eine solche Informationsflut,

der Mensch war noch nie so schnell.

Und

 

 

Trotz Hunger und Elends auf der Welt,

es wurden noch nie so viele Menschen auf Erden satt,

es hatten noch nie so viele Menschen Arbeit,

Menschen haben noch nie so viel Energie verarbeitet

und auf dem Mars fährt seit Wochen ein Auto durch kalte Steinwüste und schickt Bilder und wissenschaftlichen Daten zur Erde.

 

„Das Wesen der Welt“ ich möchte Paulus ergänzen, wie wir sie kennen, „vergeht“.

 

In dieser Welt des Vergehens,

woran mache ich mich fest?

Wovon hängt meine Identität ab?

Was macht denn mein Wesen aus?

Was macht mich zu dem, der ich bin?

Entsprechend:

Was kann ich verlieren?

Wovor habe ich eigentlich Angst?

 

Paulus listet ein paar Inhalte auf, an denen Menschen versucht sind, sich festzumachen,

eigene Identität zu begründen, also darin ihren Lebensgrund zu sehen:

 

- die Partnerschaft

Es kommt vor, dass man sich im Andern verliert, aufgibt, kein eigenes Terrain mehr besetzt.

Wenn es heißt, dass Paare sich entfremden, dann sind sie meistens zunächst sich selbst fremd geworden.

Ich kann mich nicht durch den anderen definieren. Dafür ist jeder Mensch zu unterschiedlich. Ich sollte auch tunlichst damit aufhören, zu versuchen mir jemanden nach meinem Geschmack zurecht zu basteln. Auch das wird nicht gelingen. Partnerschaft kann nur in Erfüllung gehen, wenn jeder sich selbst erträgt und bereit ist den Anderen zu tragen. Leben gelingt, wenn es auch unabhängig vom Andern versteht sich zu entfalten. Den Erwartungsdruck, der Andere sei die Erfüllung meines Lebens, diesem Druck kann kaum einer standhalten. Und diese Erwartung fände auch ein jähes Ende im Moment des Todes.

„Das Wesen der Welt vergeht“ Wohlgemerkt nicht die Liebe, aber Partnerschaft ja.

 

- Traurigkeit und Melancholie

Es gibt Menschen, die kommen aus lähmender Traurigkeit nicht heraus. Alles und jeden, was ihnen begegnet assoziieren sie mit dem Gefühl persönlicher Erschütterung. Alles betrifft und zieht runter. Sie wirken übersensibel, sind in ihrer Haltung aber oft passiv aggressiv. Im Grunde dreht sich alles um sie selbst. Hilfsangebote sind daher oft zwecklos, weil Sie ihren Lebenszweck zunehmend in ihrer Trauer zu begründen suchen. So erhalten sie Aufmerksamkeit. Natürlich gibt uns unsere Welt genug Anlass zu Traurigkeit und Melancholie, aber das Wesen dieser Welt     vergeht.

 

- Spaß- und Funkultur

Gerade junge Menschen sind versucht, sich zu verlieren, sich aufzugeben in der Illusion kurzfristigen Spaßes. Das Leben ist bestimmt von Events. Ein Kick jagt den andern ; bloß keine Langeweile. Die Funindustrie bewirbt uns mit immer neuen Ideen. Freizeitkultur dient der Entspannung. Dabei wird immer mehr Spannung aufgebaut, weil es keinen Ausgleich mehr gibt zwischen Be- und Entschleunigung, zwischen Action und Ruhe.

Viele ertragen Stille nicht mehr. Sie definieren sich selbst förmlich nur noch durch Er lebnis und geben dabei ihr IchLeben auf.  „Das Wesen dieser Welt vergeht“. Ich glaube im tiefsten Innern wissen diejenigen, die auf Spaß als Lebenssinn setzen auch darum. Die Angst vor der Vergänglichkeit und die Beunruhigung vor dem „was sonst kommen soll“ ist so groß, dass der Spaß auch betäuben soll.

 

- Reichtum und Besitz

Diese Versuchung kennt sicher jeder irgendwie: zu meinen, wenn`s mir finan-ziell gut geht, zumindest etwas besser als wie momentan, dann wäre alles gut. Haste Was, biste Was.

Aber Sie kennen auch das Sprichwort: das letzte Hemd hat keine Taschen.

Klar erleichtert Besitz den Alltag. Sorgenfrei leben wohlhabende Menschen aber auch nicht.

Und wahrer Reichtum entsteht dort, wo ich mit meinem Besitz auch andere reich mache und des Anderen Leben erleichtere.

 

 

Von all dem Erwähnten sagt Paulus nun: lebt so als bräuchtet ihr das alles nicht, weil das Wesen dieser Welt vergeht.

Christen leben in der Erwartung und aus der Überzeugung heraus, dass das Beste im Leben erst noch kommt.

Ja wir dürfen und sollen sogar das Leben genießen. Es ist ein Vorgeschmack, aber mehr auch nicht.

 

Liebe Gemeinde

Wenn ich in der Haltung und Offenheit lebe, dass das Beste erst noch kommt, dann muss ich auch keine Verlustängste haben,

dann muss ich nicht krampfhaft festhalten an Dingen oder Lebenseinstellungen, die in dieser Welt vergehen und letztlich keine Bedeutung haben.

 

Ja, mein Leben in dieser Welt ist ein Begrenztes. Mit meinen Möglichkeiten werde ich diese Grenze nicht überwinden. Und mit meinen Möglichkeiten kann ich auch die existentielle Verunsicherung nicht trösten, es bleibt eine Vertröstung.

 

Und doch liebe ich den Herbst. Er bietet mir die Möglichkeit zu Genuss, aber auch zur Bewusstwerdung, worauf es eigentlich ankommt:  

 

REICH GOTTES

 

Das ganze Christsein dreht sich um die Erwartung des Reiches Gottes.

Was ist das?

Ehrlich gesagt, so genau weiß ich das auch nicht.

Und wenn sie auf einen Theologen treffen, der behauptet zu wissen wie es sich damit genau verhält rate ich zu Vorsicht.

 

Ich weiß nicht worauf wir da als Christen genau warten. Ich weiß aber, dass Reich Gottes nichts mit dem zu tun hat, wie wir Erwachsene, Probleme wahrnehmen, Strategien entwickeln, Lösungen entwerfen, eben das Leben völlig verkomplizieren.

Reich Gottes kann man nur verstehen, wenn man den Mut hat, wieder Kind zu werden,

in Blätterhaufen spielen,

in Pfützen springen,

Kastanien sprechen hören,

unverstellte Ehrlichkeit, vorurteilsfreies Miteinander,

in einem Farbklecks Drachen und Schlösser entdecken und

den Träumen Wahrheit schenken.

 

Wenn wir das wieder können, dann liebe Freunde sind wir gut vorbereitet darauf, dass diese Welt vergeht,

dann können wir uns wieder freuen

auf das

REICH GOTTES

 

 

Dialogpredigt zum 17. Sonntag nach Trinitatis

 

 

Der Predigttext des heutigen Sonntages an dem wir uns gleich etwas orientieren, steht beim Propheten Jesaja.

 

„ Hört mich ihr Inseln“ 

hört mich ihr Brunsbütteler

„merkt auf, ihr fernen Völker“ 

aber keiner lebt heute mehr nur noch für sich. In einer globalisierten und völlig vernetzten Welt ist das Leben immer ein auch auf das ganze Bezogenes.

 

„Der Herr berief mich vom Mutterleib“

Wesensprägung setzt schon vor unserer Geburt an. Schon im Leib der Mutter hören wir, fühlen wir, können wir Harmonie von Disharmonie unterscheiden. Und ein jeder von uns ist so wie er oder sie ist nicht denkbar auch ohne die Prägung, die unsere Eltern uns mitgaben. Für manche unserer Wesenzüge können wir nichts. Die sind uns anerzogen, die haben wir kopiert oder sind Gegenreaktionen auf elterliche Eigenheiten. Und doch ist jeder von uns ein Original, etwas ganz Besonderes.

 

„vom Mutterschoß an nannte er meinen Namen“

Jeder und jede von uns ist geboren aus einer Urgeborgenheit, aus einer Tiefe, umhüllt in Sicherheit und Gott,

das macht ihn aus,

schenkt jedem eine unvergleichliche Individualität,

etwas ganz Eigenes.

Auch wenn Namen öfter vorkommen

in Gott ist jeder unverwechselbar

Jeder von uns hat seinen eigenen Namen in ihm.

Und nach unserem irdischen Leben werden wir zurückkehren in diese göttliche uns bejahende Urgeborgenheit.

 

 

 

„ Er machte meinen Mund zu einem scharfen Schwert und hielt mich fest im Schatten seiner Hand“

 

Liebe Gemeinde, es gibt keine schärfere Waffe, als unseren Mund.

- Ein bewusst provozierend synchronisierter Internettfilm ermutigt Muslime zu Gewalt.

- Die Reden des iranischen Präsidenten beunruhigen seit Jahren den gesamten Nahen Osten.

- Und denken wir nur mal an Göbels Rede im Sportpalast und der aufbrausende Jubel nach Aufruf zum totalen Krieg.

 

Wir kennen es aber auch aus unserem eigenen Erleben: wie spannend ist Tratsch und Klatsch und wie sehr kann man andere damit abstempeln, brandmarken, selbst wenn an Gerüchten nichts dran ist, irgendwas bleibt immer hängen, irgendwas wird schon dran sein, denken alle…Mit dem Schwert unseres Mundes kann jeder von uns großes Unheil anrichten, jeder ich sicher auch, manchmal einfach nur aus spontanem Affekt.

Der, der jeden von uns kennt, der weiß, warum und wieso wie auch Fehler begehen, der dessen Barmherzigkeit wir alle bedürfen, er versichert uns, dass trotz aller Schuld wir nie aus dem Schatten seiner Hand, wir nie aus seinem Schutz herausfallen. Sein Ja zu uns ist unbedingt, dh. ohne Bedingung.

 

„Er machte mich zu einem glatten Pfeil, in seinem Köcher barg er mich“

Mit Pfeilen kann man auch aus Entfernung treffen. Pfeile können ins Herz gehen. Amor schießt Pfeile der Liebe.

Wir kommen jetzt zum Thema der Worte an den Propheten, der Worte an uns heute.

Worauf zielt unser Dasein?

Unsere je eigene Berufung von Mutterleibe an durch den der uns bedingungslos liebt, durch Gott, was macht unser Menschsein aus?

 

Wozu sollen wir das Schwert unseres Mundes gebrauchen?

Wohin zielen wir wenn wir, um in der Bildsprache zu bleiben, wie Pfeile sind?

 

 

„Er sprach zu mir, mein Knecht bist du, durch den ich mich verherrlichen will.“

 

Der Mensch ist das einzige Geschöpf auf der Erde, welches über sich selbst hinauszudenken vermag. Woher kommen wir, wohin gehen wir? Der Mensch ist das einzige Geschöpf welches hierbei auch Grenzerfahrungen macht. Grenzen gibt es aber nur, weil sich dahinter etwas befindet, sonst gäbe es keine Grenze.

Das dahinter nennen wir Christen

GOTT

 

Unsere Sprache sollen wir nutzen, um von Gott zu erzählen. Von jenem, hinter den Grenzen unseres Denkens,

von jenem, dessen schenkende Geborgenheit unendlich größer ist, als all unser menschliches KleinKlein.

Unsere Sprache soll nicht andere verletzten, sondern etwas von der Unendlichkeit Gottes wiedergeben.

 

Warum haben unsere Ängste, Verluste alltäglichen Sorgen solche Macht über uns angesichts der unendlichen Fülle Gottes?

Ja, wir hören immer wieder, dass Gott uns liebt und so…

Und doch zieht uns der Alltag so runter.

Der Prophet schildert sein Empfinden so:

„ Ich habe mich umsonst gemüht, vergebens und nutzlos meine Kraft verzehrt“

 

Das Empfinden ist nicht wegzureden. Wir wollen ja glauben, aber wie trägt Glaube mich wirklich durch den Alltag, gerade wenn das Schicksal zuschlägt? Ich drehe mich gerade dann nur um mich selbst.

 

„ Nun aber hat der Herr gesprochen, der mich vom Mutterleib zu seinem Knecht gebildet hat“

 

Soso  Gott spricht…

Wo und wie spricht er denn?

 

Meistens nicht so, wie wir es erwarten und gerne hätten.

Meistens spricht er in Stille

in verschwebendem Schweigen

in der Achtsamkeit des Herzens

der Einsamkeit auf einem Berg

dem Ruhegebet

dem tiefen Ausatmen

 

Gott spricht, gerade in meiner Gebrochenheit

gerade in meiner Not

gerade in meiner Angst,

 

Ich muss nur zulassen

Ihm wieder ermöglichen,

dass ich ihn höre.

 

( hieran schlossen sich persönliche Worte an die beiden Täuflinge an)



Predigt zum 11. Sonntag nach Trinitatis  von Ingo Pohl

 

 

Wenn ich Geld aus einem Bankautomaten ziehe,

muss ich vorher meinen  PIN Code eingeben.

 

Wenn ich mein „handliches“ Tablet Handy neu starte,

mein multimediales Kommunikationsmittel,

muss ich vorher meinen PIN Code eingeben.

 

Wenn ich mich bei unserem Reiseveranstalter für unsere Israel Reise melde, muss ich meinen PIN Code eingeben.

 

Wenn ich im Gemeindebüro für die Arbeit notwendige Kopien anfertige,

Sie ahnen es,

muss ich vorher meinen PIN Code eingeben.

 

Eine Zahlenkombination entscheidet darüber, ob ich einkaufen gehen kann, mit wem ich kommuniziere und ob ich auskunftsberechtigt bin.

Und ich möchte gar nicht wissen, welche Informationen alle unter welchen Nummern bei wem über mich gespeichert sind.

 

Ich will nicht als fortschrittsfeindlich gelten: PIN Codes erleichtern Vorgänge. Wir haben uns recht schnell daran gewöhnt, sie zu benutzen, obwohl die verschiedenen Nummern mich auch schon mal verwirren. Es wird Zeit, dass ich mir die alle mal notiere, bevor ich versuche mich mit der Banknummer bei Bibelreisen -  und der Kopiernummer bei meinem Handy anzumelden.

 

PIN Codes sorgen dafür, dass wir uns identifizieren. Sie sind in Zahlen gefasste Informationen über uns selbst. Was wir sind und was wir haben ist eine Zusammenstellung von PIN Codes.

 

 

 

 

 

Gibt es für unser Christsein auch einen PIN Code?

Wie sieht der aus

und haben wir die letzten 2000 Jahre genutzt, uns auch an den zu gewöhnen und ihn zu benutzen?

 

„ Nicht mehr Ich lebe, sondern Christus lebt in mir“

Das ist der PIN Code, den der Apostel Paulus der Gemeinde in Galatien empfiehlt. Man wird nicht einfach Christ, wie man in einen Verein eintritt. Christsein ist keine äußerliche Mitgliedschaft,

kein auswechselbares Kleidungsstück,

kein Trend, der mal chick ist und nach dem Konfiunterricht wollen wir damit erstmal nichts mehr zu tun haben.

Man ist Christ mit Haut und Haaren,

mit dem eigenen Wesen

unser PIN Code als Christen lautet

Christus lebt in mir

 

Das ist radikal

verträgt kein Mittelmaß

hat Konsequenzen

 

Natürlich soll keiner seine Ich Identität aufgeben.

Im Gegenteil: im Leben aus dem eigenen Grund, der eigenen Quelle entdeckt ihr die Fülle des Lebens: CHRISTUS

 

Sich identifizieren,

sich mit dem PIN Code „Christus lebt in mir“ einzuloggen in das Spiel des Lebens

das ist aber ein besonderes Merkmal.

Für uns evangelische Christen ist eine Kennzeichnung dass Christus in uns lebt, die Freiheit,

die Freiheit von durch Glauben definierten Gesetzen

die Freiheit von Meinungen der Masse,

die Freiheit von Bindungen derer es um sich geht, aber nicht um die Gottesbegegnung des je Einzelnen.

Christus lebt in uns

und nicht der Zwang der Moden

der Zwang, unser Bekenntnis durch Werke ableisten zu müssen,

nicht der Zwang, andere zu sein, als wir in Wirklichkeit sind.

 

Christus lebt in uns,

wir sind befreit zur Liebe.

 

Der PIN Code , mit dem wir uns einloggen

und versuchen die Welt zu  verstehen

und auf die Fragen der Zeit Antwort zu geben,

ist das Leben Jesu,

ist seine Predigt auf den Bergen Galiläas.

 

So schwierig das manchmal ist,

so verrückt diese Ideen des Mannes aus Nazareth auch sind,

 

genau das aber ist es, was uns als Christen ausmacht,

nicht mehr

und nicht weniger-

und ja

das ist radikal.

Und liebe Gottesdienstgemeinde:

Für unsere Konfirmanten bleiben wir nur interessant, wenn wir anders sind, wenn wir Profil haben.

 

Und

Liebe Gemeinde nehmen sie es mir nicht Übel, dass ich es erneut aufgreife,

unser Profil

das ist nicht eine Frage, wer ist ehemals Jakobusgemeinde

wer ist ehemals Paulusgemeinde

wer kriegt was

wo findet was statt…

 

diesen entschuldigen sie bitte „Kinderkram“

verstehen die jungen Leute nicht

dies kostet uns Gemeindemitglieder

die wegbleiben und austreten

das kostet uns Geld

und damit ist es ein Schaden für die ganze Gemeinde.

Unser Profil muss ein „Jesusprofil“ sein.

An seinem Leben

seiner Botschaft

seiner Radikalität der Toleranz und Liebe messen uns die jungen Leute.

 

Christus lebt in mir

und nicht Vorurteile

Angst

Verbitterung,

Frust

Unverzeilichkeit

 

Christus lebt in mir,

wie komme ich an diesen PIN Code.

Zum Einen, klar durch die Taufe.

Zum Anderen durch knallharte Beziehungspflege.

 

Das kennen wir doch aus unserem alltäglichen Leben:

Wenn wir nicht miteinander sprechen,

wenn andere durch Gerüchte die Informationshoheit haben,

wenn wir nicht in „Kontakt“ mit dem Andern bleiben,

dann gibt’s Missverständnisse

Entfremdung,

Beziehungsaus.

Bleiben wir in Kontakt mit Christus

durch innere Aufmerksamkeit

erlauschen seiner Nähe

und dem Loslassen von allem, was uns von der Liebe trennt.

 

Christus lebt in mir – das hat auch eine kontemplative Dimension,

ein sich Vergewissern der unendlichen Nähe Gottes

des Mich Tragens.

Christus lebt in mir und im Andern

weswegen ich den andern in seiner Gottunmittelbarkeit nicht nur respektiere,

nein sogar liebe.

 

Liebe Gemeinde

 

Zeigt jeder von uns Profil

sein Jesusprofil,

und leben wir als Gemeinde die Botschaft der Bergpredigt

dann haben wir enorm viel zu bieten

 

 

AMEN

 

 

 

 

Mein Herr und mein Gott

Nimm alles von mir,

was mich hindert zu dir.

Gib alles mir,

was mich fördert zu dir

Mein Herr und mein Gott

Nimm mich mir

Und gib mich ganz zu eigen dir.

 Nikolaus v Flue



Predigt zum 5. Sonntag nach Trinitatisvon Ingo Pohl

 

 

Die Quelle aus der die Abramgeschichte stammt

gehört zu den ältesten Überlieferungen der Bibel. Sie gründet in einer Zeit, da die Jahwegläubigen noch ein Nomadenvolk waren, also nicht sesshaft.

Abram musste bei seinem Auszug kein Haus in unserem Sinne zurücklassen. Das Wegziehen deuten daher auch viele Bibelausleger als ein sich Lossagen, ein Sich trennen von einem inneren Standpunkt.

Gott ist der Herr des Lebens und ruft immer wieder zu Abbruch und Aufbruch. Verfestigungen und Abgrenzungen, das „es war immer schon so“ sind ihm zuwider.

 

Liebe Gemeinde,

 

eine Kraft, die uns ständig umgibt und der wir nicht ausweichen können, ist die Schwerkraft.

Die hält uns im Dasein, zieht uns zu Boden und verhindert, dass wir allzu große Sprünge machen können. Und dabei wuchs seit Menschengedenken der Wunsch zu fliegen wie die Vögel des Himmels.

 

Neben dieser allgegenwärtigen Schwerkraft, gibt es auch eine Schwerkraft des eigenen Innern eine Schwerkraft der Seele. Auch sie macht Veränderung zur Anstrengung, auch sie verhindert dass wir uns erheben, Dinge aus neuer Perspektive betrachten, einfach mal abheben.

 

Geh aus deinem Vaterland“

 

Für euch liebe Konfirmanden ist das ganz aktuell. Ihr seid in einem Alter in dem ihr zwar nicht von Zuhause auszieht, aber eigene Standpunkte entwickelt,

lernen dürft, Euer Ding zu machen,

egal wie, auf jeden Fall aber anders wie es die Eltern gemacht haben.

Wenn hierbei irgendein Erwachsener zu euch sagt: ihr müsst euch erstmal die Hörner abstoßen, bevor man euch ernst nähme, dann hütet euch vor solchen dummen Ratschlägen. Ihr kommt nur ans Ziel,

ihr erreicht nur, wovon ihr träumt,

wenn überhaupt, dann könnt ihr nur abheben vom Üblichen,

wenn ihr Typen werdet die Hörner haben und die auch anderen zeigt.

Setzt Euch durch, glaubt an eure verrückten Träume

Und ärgert uns Erwachsene,

darum möchte ich Euch bitten.

 

Geh aus deinem Vaterhaus“

 

Und Abram geht. Wegen dieses Vertrauens in die Richtigkeit des Gottesworts, wird Abram zum Vater der vielen Völker zu Abraham, Stammvater für Juden, Christen und Moslems.

Und Er soll schon sehr alt gewesen sein.

Neuanfang, Aufbruch in unentdecktes Land, ist keine Frage des Alters.

Manchmal zwingen uns äußere Umstände, neu anzufangen:

Arbeitslosigkeit, Trennung, der Verlust des Partners, eine schwere Erkrankung. In diesen Situationen kann niemand von außen uns erklären, dass Aufbruch eine Chance ist.

Zu schwerwiegend ist die Verlusterfahrung. Trauerarbeit muss hier dem Aufbruch vorausgehen, ganz eindeutig.

Und trotzdem können solche Ereignisse wie ein Dammbruch sein, sich aufzumachen in unentdecktes Land.

 

Die Situation an die ich vor allem denke und die exemplarisch Abram verkörpert, kennen die meisten von Ihnen aus einem Schlager von Udo Jürgens.

Der sang vor Jahren über einen Mann, der eigentlich nur Zigaretten holen wollte und über sein Leben nachzudenken beginnt: er war noch niemals in New York, noch niemals auf Hawaii, nie mit zerrissenen Jeans in San Franzisko…

Träume eben, ungelebtes Leben

Warum nicht einfach mal aussteigen

Warum nicht einfach mal was Verrücktes machen

Warum nicht sich beruflich neu orientieren

Warum nicht etwas machen, von dem alle anderen sagen würden, >Du

spinnst wohl<

Was wäre dies bei Ihnen?

 

 

Meine Lieben

Wie bei der physischen Schwerkraft, verhindert die seelische Schwerkraft, die eigene Enge zu verlassen.

Ist es Gewohnheit,
Angst,

eine Form von Pflichtbewusstsein, welches „auf Nummer sicher gehen“ verwechselt mit „die Aufgabe in ihrem Kern erfüllen“?

 

Geh aus deinem Vaterhaus“

So der Auftrag Gottes an alle Glaubenden

 

Verlass doch die eingetretenen Pfade,

verlass doch die bisher gängigen Muster,

verlass doch die bisherigen Strategien mit Fragen und Problemen umzugehen,

verlass doch, was an Erwartungen auf dich übertragen wurde.

 

Doch wie soll die Seele fliegen lernen?

Wie kann „ein sich Lösen“ gelingen?

Welchen Impuls braucht es, in neues Land aufzubrechen?

 

Ich hab ja gut Reden,

als unverheirateter Pastor in sicherer Stellung…

Glauben sie mir, das Gefühl des Mannes aus dem Udo Jürgens Song ist mir nicht ganz fremd

und ich wäre jetzt nicht hier in Brunsbüttel,

wenn ich nicht daran glauben täte, was ich ihnen verkünde:

Aufbruch in neues Land lohnt sich.

Es lohnt sich eigene Positionen zu überprüfen.

Es lohnt sich Kurskorrekturen im Leben vorzunehmen.

Es lohnt sich, darauf zu schauen, was mal der eigene Plan vom Leben war und wo man mittlerweile hingesteuert ist.

Es lohnt sich auch in Konfrontation mit anderen Lebensmodellen sich in der eigenen festgefahrenen und eintrainierten Spießigkeit hinterfragen zu lassen.

Es lohnt sich, den Ursachen eigener Gereiztheit auf den Grund zu gehen, um nicht die Auslöser zu hinterfragen, sondern die Quelle der eigenen Unzufriedenheit zu erkennen.

Liebe Gemeinde,

es lohnt sich, darauf zu achten, was man für das eigene Leben will

und was wir wirklich dafür tun.

 

Wie kann Aufbruch beginnen?

Es braucht einen Anstoß

Bei Abram kam ein Ruf.

Der der das Leben ist,

der Dessen Name ist: ich bin da, wo Du Bist,

der, der der Grund der Liebe ist

er ruft: zieh aus in neues Land.

 

Wie kann Aufbruch beginnen?

Nun zunächst bedarf es also innerer Aufmerksamkeit zu hören mit dem ganzen Wesen.

Allein das ist in unserer lauten, schnellen, hektischen, multimedialen und durch die Vielzahl an Meinungen, Trends und Zwängen manipulierten Welt schwieriger denn je.

 

Als zweites bräuchte es dann eine große Portion Glauben, dass das was innerlich als große Sehnsucht wahrgenommen,

der Wahrheit des eigenen Wesen entspricht und zum Segen werden kann.

Glauben geht in Gemeinschaft leichter. Ich meine, wir reden miteinander viel zu selten über unsere Lebensträume. In unseren Beziehungen ebenso wie hier untereinander. Das sollten wir ändern.

Und Bitte segnen wir einander Aufbrüche der Anderen und reden sie nicht in den Schmutz.

 

Drittens: wenn wir wissen, wohin es gehen könnte und wir der Botschaft glauben,

dann auch los. Stillstand ist Rückschritt. Es ist nie zu spät.

 

Lassen sie uns eine Gemeinschaft von Aufbruchswilligen werden.

Dann werden wir unserer Stadt auch zum Segen.

 

 

 

Aufbrechen in neues Land

Heimatvertriebene und Flüchtlinge machen diese Erfahrung unter oft dramatischen Bedingungen.

Wir in Europa stehen vor der Chance in einer nicht nur auf Profit orientierten, sondern einer im Nord Süd Konflikt gerechten Gesellschaft ein gemeinsames Haus aller zu werden. Ich glaube, Christen wagen diesen Aufbruch auch wenn es dafür gilt, einiges aufzugeben.

Die Energiewende wird es auch nicht zum Nulltarif geben.

Und der Generationenvertrag zwischen Jung und Alt braucht kreative neue Ideen. Christen haben davor keine Angst.

Unsere Kirchengemeinde brach vor vielen Jahren auf aus zwei Gemeinden, eine zu werden. Am Ziel sind wir noch nicht. Vor Veränderungen, die das Miteinander mit sich bringt, haben wir aber keine Angst, denn wer aufbricht hat die Zusage Gottes, dass es zum Segen wird.

 

Christen sind optimistische, aufbruchbejahende Neuanfänger.

Christen begreifen Neues Land als verlebendigende Verheißung und nicht als Bedrohung.

Christen wollen einander zum Segen werden im Wissen darauf, dass ihre Lebensentwürfe gesegnet sind.

Christen leben Aufbruchsgemeinschaft

Darauf freue ich mich mit Ihnen

 

Amen

 

 



Christi Himmelfahrt      von Ingo Pohl

 

Liebe Gemeinde,

um das heutige Fest zu verstehen müssen wir unsere modernen naturwissenschaftlich geprägten Vorstellungen von Raum und Zeit vernachlässigen.

Das was in unserer Vorstellung Himmel ist,

das meinen die biblischen Autoren nicht wenn sie von der Himmelfahrt schreiben. Himmelfahrt Jesu ist nicht festzumachen an einem bestimmten Ort oder an einem bestimmten Zeitpunkt.

Wir haben gerade in unserer Darstellung der Himmelfahrtserzählungen verschiedene in der Bibel vorkommenden Traditionen zusammengefasst.

 

Für Matthäus ist Himmelfahrt Jesu an den Erfahrungsraum Galiläa gebunden. Alles, was man erlebt, gehört und in der Nähe Jesu erfahren hat, fügt sich zusammen und verdichtet sich zur Besteigung eines hohen Berges und wird dort zum Ort, wo sich Himmel und Erde berühren.

Für Lukas ist es in der Nähe Jerusalems, der hl. Stadt, des Zentrums der Welt. Alles was Gott den Menschen in Aussicht gestellt hat sei dort. In der Stadt der Propheten vermählen sich Himmel und Erde zur Hochzeit der Ewigkeit.

 

Raum und Zeit sind nicht festzumachen und auch nicht mein Bestehen darin, es bleibt relativ. Aber dies gilt es anzunehmen:

mit den Augen des Herzens und des Geistes wahrzunehmen und als Vision zu begreifen, welch eine Wahrheit und welch ein Versprechen Gott über jeden von uns gesprochen hat. Alles und jeden das und den wir auf Erden festhalten wollen, wird sich uns entziehen. Alles Dasein ist ein Flüchtiges. Das was heute noch wirklich erschien, morgen ist es nicht mehr.

Es bleibt

und hier öffnet sich der Himmel,

das Getragen- und Geborgensein in der Liebe. Sie ist das Versprechen, die wenn sie ehrlich ist,

nicht relativ bleibt,

sondern in dem was sie zu bewirken vermag alle Mauern überwinden kann und die Ewigkeit erfasst.

Wer in der Liebe ruht, der erfasst was in Wahrheit wirklich ist:

unser Leben aufgehoben in Gott ist unerreichbar für die angstverusachten Verformungen des Lebens.

 

Der Text aus der Offenbarung des Sehers Johannes benennt es so: ihr seid zu Königen gemacht und zu Priestern, wir alle.

In den Augen Gottes ist jeder von uns ein König, eine Königin

dazu bestimmt Besitz zu nehmen von dem je eigenen Herzensland,

dem Raum, wo jeder von uns

die Krönung ist.

 

In den Augen Gottes ist jeder von uns Priester und Priesterin

die Energie Gottes berührend

und dazu bestimmt der Unendlichkeit Gottes nahe zu treten,

eins zu werden mit dem Urgrund allen Seins.

 

Himmel, das ist uns allen wenn wir dieser Vision glauben und der Achtsamkeit des Herzens vertrauen.

 

Liebe Gemeinde,

die Botschaft dieses Tages ist noch eine Zweite.

Spannenderweise ist diese uns Christen ziemlich aus dem Blick geraten.

 

In der biblischen Erzählung sind es Engel, die es ankündigen,

in der Offenbarung der Seher Johannes.

 

Viele Religionen beschreiben die Aussendung göttlicher Energie wie mit einer Begegnung mit Geistwesen. Niemand vermag es direkt in die Sonne zu schauen. Wir bedürfen eines Filters, eines Übersetzers, einer guten Begleitung.

 

Ihre Botschaft heute, wie auch die aus der Offenbarung ist: der der den Himmel uns allen öffnete wird wiederkommen und jedes Auge wird ihn sehen.

Die Evangelien enden mit dieser Botschaft,

die Apostelgeschichte, die Geschichte der Kirche beginnt damit

und die Bibel schließt damit:

Gott kommt wieder!

 

Warum geben wir dieser Erwartung so wenig Raum und Bedeutung?

 

Die erste christliche Gemeinde schöpfte all ihre für andere so verlebendigende Austrahlungskraft aus der Erwartung und festen Gewissheit, dass Gott wiederkommen wird.

Himmelfahrt ist keine Einbahnstraße. Nicht nur Jesus entzieht sich den Blicken seiner Freunde. Er kündet auch seine Wiederkehr an.

Himmelfahrt ist die Erinnerung daran, dass der Himmel sich wieder öffnen wird in der personalen Begegnung mit Gott.

Die ersten Christen lebten in der Tradition der Predigt Jesu, dessen Hauptthema es war, das Hereinbrechen des Reiches Gottes zu verkünden.

 

 

 

 

Was ist aus dieser Naherwartung der Kirche heute übriggeblieben?

Was wäre eigentlich wenn da einer käme und sagte er sei der Sohn Gottes?

 

Würden wir ihn erneut aufs Kreuz legen,

weil wir uns doch alle irgendwie ganz gut arrangiert haben in dieser begrenzten Welt?

Wären wir bereit dafür, die Ketten, die uns an Irdisches binden,

falsche Sicherheiten und Strukturen der Angst,

sprengen zu lassen, um eins zu werden mit der Unendlichkeit des Himmels?

 

 

Liebe Gemeinde,

Ich würde mich freuen, wenn wir gemeinsam Sehnsucht nach dem Himmel leben,

wenn einer dem Anderen zum Engel wird

und wir eine Gemeinschaft in Erwartung bleiben.

 

Ich fänd`s Klasse, wenn dieser Jesus nach Brunsbüttel käme und wir ihm eine Chance geben würden.

 

AMEN

 

Quasimodogeniti                 von Ingo Pohl

 

„ Selig, die nicht sehen und doch glauben“… das ist natürlich ein schöner Spruch, auf den wir Verkünder des Glaubens uns stets gerne zurückziehen, wenn wir argumentativ nicht weiterwissen.

 

Liebe Schwestern und Brüder,

es ist gut wenn wir zweifeln auch und gerade an der Auferstehungsbotschaft,

dem Kern christlichen Glaubens

und jeder hat ein Recht misstrauisch zu sein gegenüber dem Pomp der schönen Worte.

Es ist schon soviel Unsinn geredet worden im Namen Gottes

und weiß Gott viel zuviel schöngefärbt worden auf Erden.

 

Es hat seine Berechtigung, wenn Leute von der Art des Thomas sagen: wir wollen sehen, bevor wir glauben.

Ein Glauben wider jede Vernunft ist ein Aber Glaube. Er antwortet auf jede Frage nur mit einem Aber, befreit jedoch nicht von Grunde auf.

Unser Glauben muss den Fragen all derer, die nicht mehr glauben standhalten.

Warum könnte es sinnvoll sein, an Gott zu glauben?

 

Woran glauben wir nicht alles?

An die Selbstregulierung des angeblich freien Marktes;

an Charaktereigenschaften übertragen durch Sternenkonstellationen;

daran dass die Komplexität eines jeden menschlichen Geistes ein Zufalls-produkt, ein evolutionärer Unfall ist;

und doch glauben wir an die Möglichkeit, dass Leben auch anderswo in einer anderen Galaxie sich ebenso entwickelt;

 

Bei so viel unglaublichen Sachen,

was macht den Glauben an Gott denn da so unwahrscheinlich?

Wenn ich das alles glauben kann,

wäre es auch möglich zu glauben, dass Liebe alle Angst überwindet

und es einen Raum gibt, in dem ich das

was mir der Himmel ist

berühren kann.

 

Die Menschen wollen sehen und das ist gut so.

 

Die Freunde und Freundinnen Jesu haben sich trotz der Botschaft der Frauen, die das leere Grab vorfanden, vor Angst eingeschlossen. Sie haben sich eingeschlossen aus Angst vor Ausgrenzung, Verfolgung und Tod.

Sie begegnen dieser Angst,

indem sie sich selber ausgrenzen und statt in gestärkter Vitalität aufzubrechen, versinken sie in Passivität.

Der Auferstandene tritt in ihre Mitte mit dem Gruß: fürchtet euch nicht!

 

Liebe Gemeinde, was sehen die, in Brunsbüttel, die nicht glauben von uns Christen heute?

Haben wir uns auch eingeschlossen?

Leben wir ein Innenleben

oder sind wir mutig präsent an den Orten wo wir leben und arbeiten und geben jedem, der sucht Auskunft über unseren Glauben.

Wirken wir in das Sozialgefüge unserer Stadt

oder verlieren wir zunehmend an Bedeutung?

Ziehen wir uns selbst zurück

oder sind wir eine offene, einladende und frohmachende Gemeinschaft?

Ist an uns zu spüren,

dass wir als Glaubende anders drauf sind?

Ist der Gruß Jesu: Friede sei mit euch bei uns angekommen?

Wohnt in mir Friede?

 

Die Nichtglaubenden wollen sehen und das ist gut so.

 

Dieser Thomas, der war nicht bei der „Klüngeltruppe“

Er stößt zu seinen Freunden, die ihm vom Eintreten des Auferstandenen in den verschlossenen Raum berichten.

„Ihr könnt mir ja vieles erzählen, ich will meine Finger in die Wunden stecken“

 

Hier sucht jemand Begegnung jenseits aller Oberflächlichkeit.

Hier möchte jemand glauben können, weil es Verwundung gibt,

weil jeder von uns seine berühmte „Leiche „im Keller hat. Daran misst er unseren Glauben: bleibt unsere „Leiche“ im Keller

geht ja keinen was an

ist ja mein Problem

 

oder

lege ich meine Verwundbarkeit offen dar,

weil ich keine Angst zu haben brauche

weil ich doch als Christ glaube,

dass ich erlöst bin

dass ich befreit bin von aller Angst

 

weil Gott den Aufstand gewagt hat

und in der Auferstehung die Strukturen dessen was uns im Leben tötet

überwunden hat.

 

Ich weiß, das ist ein großer Anspruch hinter dem ich auch selbst oft genug zurück bleibe.

Aber an unserer Glaubwürdigkeit wird es liegen, ob Menschen zum Glauben finden auch wenn Jesus in Fleisch und Blut nicht mehr zu sehen ist.

Es ist gut, wenn Menschen von uns einfordern, das zu leben, was wir glauben.

 

Und selig, die noch nicht sehen können, dass alles zum Besten steht,

weil jeder von uns und wir als Gemeinde noch auf dem Weg sind

und trotzdem glauben an das Wunder der alles überwindenden Liebe.

 

 

Liebe Gemeinde,

 

die Evangelien stellen uns in den Ostererzählungen verschiedene Menschentypen vor, die uns vorleben, wie Glauben gelingt: Maria Magdalena, Petrus und auch Thomas.

Sie werden aus der Gruppe der Glaubenden herausgenommen und sind doch Prototypen für den Christen.

 

Dem Thomas reicht es nicht zu der Gemeinschaft der Glaubenden dazu zu gehören. Man ist eben Christ, weil es zum guten Ton gehört; es war immer schon so; ich tu das, was die anderen eben auch tun.

 

Der Glaubende sucht die persönliche Begegnung mit Jesus dem Auferstandenen.

Der Christ sucht die Nähe Gottes

und zwar ganz nah.

Jesus zeigt dem Thomas seine offene Seite

und Thomas legt seine Hand an Jesu Herz.

Das ist Gottes Einladung an jeden von uns.

Achten wir auf den Herzschlag Gottes!

Lassen wir seinen Puls einswerden mit unserem Herzschlag.

 

Das geht nicht mit dem Kopf.

Dies gelingt in der Achtsamsamkeit des eigenen Herzens,

in Stille

im Hören auf die Sprache Gottes;

dem Propheten Elias war sie wie ein verschwebenes Schweigen,

nehmen wir die Einladung des Auferstandenen ernst,

gönnen wir uns öfter eine Begegnung mit seinem Herzen.

 

„ Selig, die nicht sehen und doch glauben“

 

Sie kennen alle das Wort von Antoine de Saint Exupery: Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.

So geht es: Christen vertrauen nicht nur auf das, was sie mit den Augen sehen, sondern wir sehen auch mit den Augen des Herzens.

Und Christen leben aus der Mitte ihres Bekenntnisses. Jesus ist nicht nur eine abstrakte Größe, eine historische Gestalt, ein toller Typ, sondern ein personales Gegenüber.

Dieses Gegenüber sehnt sich ebenso nach meiner Nähe, wie ich mich nach seiner.

Ich kann ihm begegnen im Gebet

im Hören auf ihn.

Ein ganz einfaches Gebet

ein Mantra

ein wiederholender Rhythmus

stellt uns Thomas heute vor: mein Herr und mein Gott…

 

Liebe Schwestern und Brüder,

Thomas wird auch der Ungläubige genannt.

 

Jeder von uns kennt Gespräche bei Geburtstagen, Hochzeiten, im Freundeskreis,

Gespräche mit denen, die nicht glauben und uns anfragen.

Letztlich versagen all unsere Argumente, wenn unser Gesprächspartner sich nicht einlassen kann auf die Möglichkeit der Existenz Gottes und auf die Möglichkeit, ihm zu begegnen.

 

Gott vermag es, in verschlossene Räume einzutreten;

auch ein verschlossenes Herz ist ein solcher Raum.

Er ist es, der beruft und zu uns spricht.

Wir müssen niemanden überzeugen, aber den Raum unserer Gemeinschaft offen halten.

Und jeder von uns sollte so mit Gott in Kontakt sein, dass die fragenden Thomase in Brunsbüttel ihre Finger in unsere Wunden legen können

und in unserer Offenheit etwas vom Herzschlag Gottes spüren können.

 

Liebe Gemeinde,

ich wünsche uns allen immer neu die Begegnung mit dem Auferstandenen, wahren inneren Frieden

den Mut zu Offenheit und der sich darin offenbarenden Freiheit

 

AMEN

 

 

 

 



Gründonnerstag     von Ingo Pohl

 

Liebe Gemeinde

An diesem Abend und in seiner liturgischen Feier

verdichtet sich wie in einem Brennglas das, was das Leben Jesu ausgemacht hat;

sein im permanenten Dialog stehen mit Gott, den er Abba meinen lieben Vater nennt,

sein Ringen mit eben Diesem

und seinen eigenen Weg suchen im Abwägen mit seinem Auftrag;

und ebenso wichtig, sein vorbildhaftes Tun an uns Menschen und seine Hinterlassenschaft für alle Zeiten,

nämlich seine Zusage uns gegenwärtig zu sein, sich uns zu schenken,

Teil unseres Alltags zu bleiben;

All dies feiern wir am heutigen Abend.

 

Vor dem zentralen Ereignis dieses Abends kniet sich Jesus vor seinen Freunden und Freundinnen nieder und wäscht ihnen die Füße;

und diese Füße, die sich ihm da entgegenstreckten, die waren schmutzig, man trug ja nur Sandalen. Dieser Dienst war daher auch Aufgabe von Hausdienern oder Sklaven.

Noch am Palmsonntag zog Jesus in Jerusalem ein mit dem erklärten Anspruch ein neues Königreich zu errichten

und heute Abend demonstriert er, wie er sich die Grundstrukturen dieses Königreiches Gottes vorstellt. Denn wenn schon Gott selbst unser König

sich so niedrig macht, um wie viel mehr müssen auch wir bereit sein, einander zu dienen.

„Wer der Größte unter Euch sein will, sei der Diener aller“

Die Grundordnung, die sich Jesus vorstellt besteht im Mut,

sich klein zu machen.

Nicht herrschen befreit

Nicht recht haben wollen setzt Recht durch

Nicht Macht, Alles zu tun ermächtigt Menschen zu begleiten und zu führen,

sondern Mut zu dienen – Demut- setzt Kräfte in Anderen frei,

in Achtsamkeit auf den Anderen achten erweckt im Anderen das, wovon er wirklich leben kann,

und Ohnmacht, hinhören, nicht alles selber tun wollen, mitleiden, der Kraft des Schweigens Raum lassen, schenkt Menschen die Macht, Ihr Leben zu führen.

 

In der Symbolhandlung der Fußwaschung lehrt uns Jesus, wie das Leben gelingen kann.

Nicht der ist groß, der sich selber groß macht

und sich dabei vielleicht noch auf den Schultern der Anderen abstützt und die dabei runterdrückt,

sondern der ist König auch über sein eigenes Leben,

der es vermag in grenzenlosem Vertrauen sich um seiner selbst Willen geliebt zu wissen und diese angstüberwindende Liebe auch weiterschenken mag.

 

Das ist es aber gerade, was in dieser Nacht das Urteil über Jesus für seine Richter so unumgänglich macht: er hat grenzenlos geliebt.

Er lehrte, die Grenzziehungen, Abriegelungen, Einordnungen und Vorurteile zu überwinden. Das ist gefährlich.

Wo kommen wir denn da hin in unserer gepflegten Bürgerlichkeit, wenn da einfach jemand herkommt und keine Unterschiede mehr macht.

Ans Kreuz mit ihm!

Das bedroht mich ja selbst

sofern ich mich durch den Unterschied zu den andern definiere.

 

Bevor Jesus sich ein letztes aber dafür zerstörerisches Mal der menschlichen Borniertheit aussetzt

teilt er Brot und Wein

und verbindet dies mit dem Auftrag

„ tut dies zu meinem Gedächtnis“.

 

Es ist das Zweite starke Zeichen an Diesem Abend. Unser Leben sei wie Brot

gebacken aus vielen Körnern

keiner genügt sich selbst

wir brauchen einander

Seien wir wie Brot füreinander,

das sich auch gibt für den andern.

 

Seien wir wie Wein.

Wein verbreitet Spaß, Leichtigkeit, Feierstimmung.

 

Die Anderen sollen sich an uns freuen. Gerade Christen müssen Feiertypen sein.

Die Brunsbütteler müssen sagen können:

Hey mit denen aus der Gemeinde bin ich gern zusammen,

da ist immer was los, die sind gut drauf.

(Sie wissen, dass das oft eher genau gegenteilig ist, schade eigentlich, denn Christen haben allen Grund zu feiern. Wenn nicht wir, wer dann?)

Unsere Entspanntheit, unsere Spaßkultur, die ist nicht aufgesetzt, künstlich, ständig neu zu designen,

die kommt aus dem tiefen Verständnis des Lebens heraus,

welches eben der Mensch sich nicht selber gibt.

Wir glauben, dass Gott uns zuerst geliebt hat, dass nicht menschliches Bemühen allein das Leben gelingen lässt, sondern zunächst das Vertrauen, geliebt zu sein.

 

 

 

Wir können einander sein wie Brot

Weil Gott für uns ist wie Brot.

 

Leben aus einer Spiritualität des Abendmahles ist das wahre Gegenmittel gegen Individualismus und Egoismus.

Wer Gott empfängt im gebrochenen Brot kann eigentlich gegenüber menschenunwürdigen Situationen die uns begegnen nicht unberührt bleiben.

Daher sind Christen solidarische Menschen.

 

Liebe Gemeinde

In einer Gesellschaft die zunehmend, nur das eigene Fortkommen, die eigenen Wünsche, die eigene Verwirklichung vergöttlicht

und damit Menschen statt in Freiheit in nur weitere Abhängigkeiten stürzt

in einer solchen Gesellschaft ist es unsere Botschaft als Christen am Primat Gottes in dieser Welt festzuhalten. Überall, wo der Mensch sich selbst zum Mittelpunkt macht, führt es dazu, dass Menschen irgendwann Steine statt Brot zu essen kriegen.

Wo es uns aber gelingt aus einer Spiritualität des Abendmahles zu leben,

füreinander zu sein,

weil Gott für uns ist

 

da besiegen wir Ignoranz, Angst und Gewalt.

 

Das Wunder des Mahles hat Gott uns geschenkt als Zeichen seiner bleibenden Gegenwart unter uns.

Und Gott geht noch weiter:

 

In dieser Nacht, so erzählt das Neue Testament geht Jesus nach dem Abendmahl mit seinen Freunden in den Garten Gethsemane. Und er wird dort seinen Vater bitten, er möge doch einen Weg finden ohne Leid, einen Pfad zur Wahrheit ohne den Schmerz.

Seit dieser Nacht

in der die menschgewordene Güte Gottes verraten wird,

in der der menschgewordenen Güte Gottes der Prozess gemacht wird,

in der die menschgewordene Güte Gottes dem Tode ausgeliefert wird,

seit dieser Nacht wissen wir

einen Weg ohne Leid und Schmerz wird es nicht geben.

Leid und Schmerz, den Menschen einander zufügen

und Leid und Schmerz welcher in Krankheit und Tod ein Teil im Lebenszyklus ist.

 

Auch heute Abend stehen Menschen zwischen Leben und Tod. Sie schwitzen auch heute Nacht auf der ganzen Welt in Todesangst Blut und Wasser.

Sie spüren Gottverlassenheit,

fühlen sich ausgeliefert

und allein

vielleicht erleben sie auch desinteressierte Angehörige

und müssen spüren wie ihr Fleisch immer schwächer wird.

Seit der Nacht im Garten Gethsemane aber teilt Gott mit jedem Leidenden diese Stunden. Er hat es selbst erlebt.

 

Und weil Gott der Urgrund allen Lebens ist schließt er uns mit seinem Durchleben eine neue Tür auf,

die uns selbst Angesicht des Todes ein uns nicht zu zerstörendes Vertrauen öffnet.

Das Gebet, das Jesus im Garten Gethsemane beginnt,

es wird enden morgen am Kreuz mit den Worten: in deine Hände befehle ich meinen Geist.

 

Es mögen Menschen mit uns machen, was sie wollen;

uns treten wie Weintrauben,

uns ausnutzen,

schikanieren,

vorführen,

alleine lassen

und es mag uns Krankheit und Sterben Angst und das Gefühl nicht endenwollender Leere auslösen,

alles ist möglich.

 

Wenn wir aber mit dem wirklich übereinstimmen,

was in uns lebt von Gott her

können wirs dem übergeben, der uns erschuf

und wissen: was in uns lebt, was uns auszeichnet, was uns groß macht, wer wir in Wirklichkeit sind von Gott her, wird sich endgültig nicht mehr zerstören lassen.

 

Liebe Gemeinde,

ich wünsche uns, dass wir Mut finden einander zu dienen

wir feiern das Mahl

und wollen einander sein wie Brot und Wein

auch und gerade nach dem Gottesdienst

eine solidarische Gemeinschaft in Brunsbüttel

 

davon lebt Freiheit

und so kann Güte wachsen. Aber es gibt keinen Weg ohne auch Schmerz und Leid. Die Kraft dies zu ertragen, können wir uns schenken lassen von dem, der den Weg vor uns gegangen ist.

Dieser Abend lädt uns dazu ein.

Und vielleicht finden sie heute Nacht in der Kirche oder Zuhause etwas Zeit mit Gott zu wachen und zu beten auch stellvertretend für die, die heute Blut und Wasser schwitzen

und nicht beten können.

 

Amen

 

 

 



Wir sind zuerst geliebt                 von Ingo Pohl

 

Gedanken zu 1.Petr.,18-21

 

„Ihr wisst, dass ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöst seid von eurem nichtigem Wandel nach der Väter Weise,

sondern mit dem teuren Blut Christi als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes. Er ist zwar zuvor ausersehen, ehe der Welt Grund gelegt wurde, aber offenbart am Ende der Zeiten um euretwillen,

die ihr durch ihn glaubt an Gott, der ihn auferweckt hat von den Toten und ihm die Herrlichkeit gegeben,

damit ihr Glauben und Hoffnung zu Gott habt.“

 

Meine erste Assoziation beim Lesen des Predigttextes war die Erinnerung an die Zeit des Ablaßhandels zu der der Prediger Johann Tetzel durch Deutschland zog mit dem Slogan „sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt.“ Auf den Ablaßkästen wurde das Geschäft mit der Angst noch deutlicher propagiert wenn es hieß: …die Seele aus dem Feuer springt“. Die Predigten des Dominikanermönches wurden zu einem Auslöser der Reformation. Die begründete Sehnsucht nach Seelenfrieden, innerer Freiheit und Annahme eines Selbst, erklären damals wie heute die Suche nach möglichst praktikablen und für jeden zugänglichen Wegen sich zu erlösen. Im bürgerlichen Weltbild Europas im 15. und 16. Jahrhundert erhielt der Glaube an die Macht des Geldes eine ganz neue Bedeutung. Die Fugger vermittelten den Kaisertitel per Bankkredit, der Papstthron war ebenso käuflich wie Bischofssitze und Recht und Gesetz waren bestechlich; warum dann nicht auch die Gnade Gottes kaufen?

 

Der Autor des Petrusbriefes hatte als Adressaten Menschen im Blick, die in sehr konkreten Abhängigkeitsverhältnissen standen nämlich als freigekaufte Sklaven oder Kriegsgefangene.

Sie aus ihrer Knechtschaft freizukaufen war das Eine, aber christliche Freiheit geht darüber hinaus. Die Menschen der Reformationszeit machten die Erfahrung, dass Stadtluft nicht wirklich frei macht. Die soziale Kluft wuchs, der Mensch wurde zunehmend durch seine Arbeitsleistung definiert und moderner Handel machte abhängig von Angebot und Nachfrage.

 

Und heute? Wie glaubt der Mensch der Moderne seine Existenzangst, die Be- Gründung seines Selbst (also worauf gründen wir), die Verunsicherung seiner eigentlichen Bedeutungslosigkeit angesichts der Unendlichkeit des Universums Herr zu werden?

Wir glauben an die Macht von Wachstum, Kapitalsteigerung, Innovation und technologischen Fortschritt. Was fehlt fügen wir gerne mit esotherischen Ergänzungsmitteln hinzu. Aber erleben wir uns als wirklich frei, erleben wir Trost oder vertrösten wir uns?

 

Der Autor des Petrusbriefes erinnert uns daran, dass nicht unsere Selbsterlösungsversuche uns frei machen. Vor der Welt Grund war Gott. Vor all unserer menschlichen Anstrengung war Gott. Und um unser Selbst wegen offenbart er sich. Darin liegt Freiheit. Gott hat uns zuerst geliebt noch bevor wir handeln. Er hat uns frei gekauft; und zwar unser je eigenes Person Sein. Jeder darf trotz Schuld und ohne Leistung aufrechten Ganges offen leben und auch in vermeintlichen Sackgassen oder tragischen Bindungen werden wir nicht untergehen. Wir brauchen nicht Abhängigkeit in selbstgeschaffenen Systemen suchen. Christliche Freiheit liegt in der bedingungslosen und vorweggenommenen Annahme eines jeden durch Gott. Martin Luther hat diesen Kern der Botschaft wieder in den Mittelpunkt gerückt. Seine Lehre ist heute so aktuell wie vor 500 Jahren. Der Mensch kann seine Angst nicht selber trösten. Der Glaube aber schon längst geliebt zu sein, befreit.



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